Kolumne: Staogk und stoggendongkel

Kolumne : Staogk und stoggendongkel

Einen Stock nennt man in Trier Staogk. Viel mehr findet man von ihm sprachlich nicht. Nur noch staogkdongkel, also besonders dunkel. Neben staogkdongkel existiert im Trierischen noch stoggendongkel. Ebenfalls tief dunkel.

Diese Wörtchen besitzen eine verstärkende Eigenschaft. Nicht nur dunkel, sondern extrem dunkel wie die finstere Nacht.

Diese Bedeutungsverstärkung bewirken die beiden Wörtchen auch in anderen Wortkombinationen. Stoggensauer – besonders sauer, staogkdaaf – gehörlos, staogksteif – gehörig steif, stoggendomm – ungeheuerlich dumm, staogkdrief – unendlich trüb.

Nicht in allen Verbindungen taucht staogk auf. Andere Wörter wenden sich mit der Verstärkungsabsicht raosend zu. E raosend schwönnen Zoch – ungeheuerlich schneller Zug, e raosend gud Audo – ein besonders gutes Auto, e raosend deijer Klaad – ein besonders teures Kleid, raosend vill Gäld – unglaublich viel Geld, e raosend schien Fraamännsch – unfassbar schöne Frau. In einem seltenen Vergleich wird raosend noch aufgepeppt. Raosend wie en Spönn. Ist die Spinne besonders aufgebracht, wehrt sie sich mit Gift. Also Vorsicht geboten in solchen Situationen mit anderen Personen. Stogg und raosend sind nicht die einzigen Wörtchen in Trier, die zur Verstärkung einsetzbar sind. Dafür kennt man in Trier noch sau und greilisch, sau gud o greilisch schien.

Josef Marx ist Autor des Trierer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Horst Schmitt hat er über 12 000 Stichworte Trierisch-Hochdeutsch und Hochdeutsch-Trierisch zusammengetragen.

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