Strom in Tüten?

TRIER. Wasserstrom aus Österreich in Trier? Und das zu günstigeren Tarifen als herkömmliche Energie? Kann das mit rechten Dingen zugehen? Viele TV-Leser haben sich nach dem Bericht über den neuen Öko-Strom-Tarif der Stadtwerke mit Fragen und Anmerkungen an die Redaktion gewandt. Wir haben das Unternehmen damit konfrontiert.

"Der Strom, den wir verbrauchen, kommt doch nicht in Tüten aus Österreich vom Wasserkraftwerk, sondern aus Cattenom oder einem Kohlekraftwerk im Saarland." So brachte ein TV-Blogger dieser Tage die zahlreichen Wortmeldungen von Lesern zum neuen Öko-Strom-Tarif der Stadtwerke Trier (SWT) auf den Punkt, die die Redaktion erreichten. Der Tenor: Skepsis und die Frage, wie "öko" und "günstig" zusammenpassen. Natürlich stamme nicht genau das Elektron, das verbraucht werde, wenn jemand in Trier das Licht einschalte, aus Wasserkraft, erklärt SWT-Vertriebsleiter Thomas Waßmuth. "Aber wir garantieren, dass genau die Energiemenge, die die Öko-Strom-Bezieher in Trier verbrauchen, zum gleichen Zeitpunkt in einem österreichischen Wasserkraftwerk produziert wird. Wir werden demnächst den kompletten Weg des Stroms nach Trier zertifizieren lassen, um das deutlich zu machen." Anders gesagt: Im Stromnetz zirkuliert eine Mischung von Energie aus den verschiedensten Quellen. Wer in Trier auf den Öko-Strom umsteigt, sorgt dafür, dass der Wasserkraft-Anteil in dieser Mischung steigt. Die Stadtwerke kaufen dann statt beispielsweise Energie aus Braunkohle die entsprechende Menge aus Wasserkraft ein. Unmut äußerten TV-Leser vor allem auch darüber, dass der Versorger seine Kunden nicht automatisch auf den für die meisten Verbraucher günstigeren Öko-Tarif umstellt. "Das ist nicht möglich, weil es sich hier um einen Sondervertrag handelt", sagt Waßmuth. So müssten sich Öko-Strom-Kunden beispielsweise für ein Jahr binden, während die Kündigungsfrist beim Standard-Tarif einen Monat betrage. Tarifrechner zum Vergleich

Außerdem könnten Öko-Strom-Bezieher nur per Einzugsermächtigung zahlen. So halten die SWT ihre Verwaltungskosten niedrig. "Der Kunde kommt uns entgegen, und dafür können wir ihm etwas zurückgeben", erläutert der Vertiebschef. Erklärtes Ziel der Stadtwerke ist, die Hälfte ihrer rund 55 000 Stromkunden für den Öko-Tarif zu gewinnen. Bisher seien etwa 5000 entsprechende Verträge abgeschlossen worden, sagt Waßmuth. Das liege im Rahmen der Erwartungen. "Wir sind optimistisch, dass wir bis zum Jahresende unser Ziel erreichen werden." Zum Vergleich individueller Stromkosten beim Standard- beziehungsweise beim Öko-Tarif haben die Stadtwerke im Internet unter www.swt-trier.de einen Tarifrechner eingerichtet.