Tiefe Freude

Bald feiern die Menschen hier an der Mosel und am Rhein und anderswo Fastnacht oder wie das ausgelassene Treiben auch immer genannt wird. Zunächst scheint unsere Kirche nichts damit zu tun zu haben.Schauen wir aber genauer hin, ergibt sich eine wichtige Gemeinsamkeit.

Am Weiberdonnerstag haben die Fastnachterinnen die Rathäuser gestürmt und selbst das närrische Zepter der Macht übernommen. In der Bibel können wir auch von einer Revolution lesen: "Das Schwache in der Welt hat Gott gewählt, um das Starke zuschanden zu machen". Und erst recht werden in einem Evangelium die normalen Maßstäbe auf den Kopf gestellt: Selig ihr Armen, ihr Trauernden, ihr Gewaltlosen. Gott hat mit der Umwertung der Werte durchaus etwas zur Fastnacht beizutragen. Also: Sollen wir Christen anders leben als unsere Mitmenschen? Sollen wir Fastnacht feiern oder es besser bleiben lassen? Sollen wir Christen Fastnacht feiern? Ja, denn dieser Brauch ist aus unserem Glauben erwachsen. Gott hat für sein Volk "den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen" gezahlt. Jetzt gehören wir ihm. Ist das nicht Anlass genug zu Humor und Lebensfreude?

Aber das Wort Gottes weist uns natürlich nicht auf die Amüsierer und Amüsierten hin, sondern auf die, die in unserer Welt wirklich zu kurz kommen. Vielleicht dürfen wir das Elend der Welt für einige Tage hinten anstellen, wenn wir am Aschermittwoch erneut die wirklichen Probleme unserer Welt und unseres Lebens anpacken.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie das finden, was zu Ihnen passt: Den Fastnachtsnarren wirkliche, tiefe Freude, denen, die mit Fastnacht nichts anfangen können, die tiefe Freude auf eine andere Art und Weise.

Edwin Prim ist Pastor in Schweich

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