Trier: Nordbad öffnet am 1. Mai - und verursacht hohe Energiekosten

Klima : Trierer Freibadsaison beginnt bei fünf Grad Celsius

Das Wasser im Trierer Nordbad bei den aktuellen kalten Temperaturen früh am Morgen aufzuheizen, kostet ganz schön viel Energie. Ist das tatsächlich nötig? Triers Umweltdezernent Andreas Ludwig hat Zweifel.

CO2-Steuer, Extremwetter, Greta Thunberg: Die ganze Welt diskutiert, ob und wie die von Menschen beeinflusste Beschleunigung des Klimawandels zumindest eingedämmt werden kann. Schüler gehen weltweit auf die Straße und werfen Politikern vor, in Sachen Umweltschutz nur zu reden statt zu handeln.

Auch Trier feilt an Plänen, wie die Welt zu retten ist: Als erste Kommune Deutschlands hat die Metropole an der Mosel just den „Aktionsplan Entwicklungspolitik“ aufgestellt, der auf allen Feldern – insbesondere dem Klimaschutz – „konkrete Handlungsmöglichkeiten“ aufzeigt, wie die Stadt ihrer „internationalen Verantwortung in unserer globalisierten Welt gerecht werden und eine nachhaltige Zukunft gestalten“ soll.

Gleichzeitig beginnt am Mittwoch die Saison im Nordbad. Das Freibad an der Zurmaiener Straße eröffnet alljährlich rund um den 1. Mai seine Tore – unabhängig von der Witterung. Täglich ab 6 Uhr am Morgen sind die Wassermassen im Schwimmerbecken auf 24 Grad Celsius aufgeheizt.

Letztes Jahr herrschten am Eröffnungstag morgens um 6 Uhr frostige drei Grad Außentemperatur. Für den 1. Mai 2019 sagt der Wetterdienst immerhin 5 Grad Lufttemperatur am frühen Morgen voraus.

Jeder, der zu Hause gerne mal ein heißes Vollbad nimmt, weiß, wie schnell Badewasser abkühlt – selbst bei Zimmertemperaturen von 20 Grad und mehr. Wie viel Energie für das Aufheizen und Warmhalten des Wassers im Nordbad aufgewendet werden muss, hängt von mehreren Faktoren ab. Von den nächtlichen Außentemperaturen und der Intensität der Sonneneinstrahlung in den Tagen davor, zum Beispiel. Die Beckenaufheizung laufe – abhängig von diesen Umständen – „nach Bedarf ständig, damit wir die gewünschten 24 Grad erreichen“, erklärt das städtische Presseamt auf TV-Nachfrage.

Wie viel Energie speziell für die Erwärmung des Wassers nötig ist, wird nicht einzeln erfasst. Insgesamt hat das Nordbad im Jahr 2018 allerdings 357 Megawattstunden Wärmeenergie verbraucht und 60 Megawattstunden Strom. Laut CO2-Rechner auf der Internetseite des Umweltbundesamtes entspricht das einem CO2-Ausstoß von mehr als 110 Tonnen. Zum Vergleich: Eine Buche muss 80 Jahre lang wachsen, 23 Meter hoch werden und 30 Zentimeter dick, um eine einzige Tonne CO2 aufzunehmen und umzuwandeln.

Erwärmt wird das Nordbadbecken über Wasser, das in Matten und Schläuchen auf dem Dach des Schwimmbadgebäudes erwärmt wird – zumindest, wenn die Sonne scheint. Ansonsten wird per Erdgas betriebenem Blockheizkraftwerk und Brennkessel geheizt.

Wie groß die Einsparungen bei Energie und Kosten wären, wenn das Bad statt am frühen erst am späten Morgen eröffnen würde, lässt sich laut Stadtverwaltung nicht beziffern. Erwärmt werden müsse das Wasser schließlich in jedem Fall. Eine echte Ersparnis sei nur erzielbar, wenn das Bad einen Monat länger geschlossen bliebe – also erst Anfang Juni eröffnete. Eine Lösung, die die Frühschwimmer sicherlich nicht freuen würde. Wirklich groß ist deren Gruppe allerdings nicht: Durchschnittlich kommen zwischen 6 und 7 Uhr morgens etwa 20 Schwimmer, je nach Wetterlage und Wochentag könnten es allerdings auch bis zu 40 sein, teilt das Sportamt mit – oder weniger, nämlich nur 10 bis 15. Meist die gleichen, der harte Kern sozusagen.

„Ich sag immer: Fliegt nicht in die Dominikanische Republik, sondern geht ins Nordbad – dann ist am allermeistern Energie gespart“, sagt Andreas Ludwig halb im Scherz. Der Beigeordnete im Stadtvorstand ist verantwortlich für das Ressort Umwelt. „Im Ernst: Natürlich müssen wir uns gegen den Klimawandel stemmen. Aber Badekultur gehört nun mal seit der Römerzeit zu Trier. Ein Frühschwimm-Angebot ab 6 Uhr im Freien ist daher eine Sache, die eine Großstadt ihren Bürgern durchaus bieten darf.“ Dass dieses Angebot im Trierer Nordbad insbesondere im Mai nur etwa ein Dutzend Bürger nutzen, mache ihn allerdings nachdenklich: „Da kann man schon diskutieren, ob wir künftig wirklich zum 1. Mai aufmachen sollen oder erst später“, sagt Ludwig. In der nächsten Sitzung seines Arbeitskreises Klima, Umwelt, Energie am Mittwoch, 15. Mai, will er das Thema zur Diskussion stellen. Und auch Sportdezernentin Elvira Garbes werde die Sache in ihren Gremien besprechen.

Um Antworten auf Fragen zu finden, wie eine langfristig ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliche Energieversorgung in der Region möglich ist, hat die Stadt zusammen mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Landkreis Trier-Saarburg vor Jahren die Energieagentur Region Trier gegründet. Deren Geschäftsführer Achim Hill erklärt auf die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, ein Freibad unabhängig von den Außentemperaturen ab 6 Uhr morgens aufzuheizen: „Ich finde es gut, dass es dieses Angebot in Trier gibt. Gerade ältere Menschen können häufig wegen Muskel- oder Knochenerkrankungen eher nicht in 18 Grad kaltem Wasser schwimmen. Da geht es auch um Teilhabe und Gesundheitsfürsorge. Für mich sind energetische Aspekte da eher nachrangig.“

Soll das Trierer Nordbad auch in Zukunft ab dem 1. Mai geöffnet sein – unbesehen der Energiebilanz? Mailen Sie uns Ihre Meinung an echo@volksfreund.de. Veröffentlicht werden können nur Zuschriften mit Namen und Wohnort.

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