Trier: Sanierung der Egbert-Grundschule kostet eine Million Euro mehr

Stadtentwicklung : Sanierung der Egbert-Grundschule in Trier kostet eine Million Euro mehr

Die Arbeiten an dem Grundschulgebäude werden teurer als bislang geschätzt. Ein Risikoaufschlag – wie bei der Berechnung der Theatersanierung – ist dabei laut Stadtverwaltung Trier noch nicht einkalkuliert.

Bislang waren die Kosten für die Sanierung der maroden und seit Herbst 2013 geschlossenen Grundschule im Trierer Gartenfeld nur geschätzt worden: zunächst auf 2,3 Millionen Euro, dann auf 2,7 Millionen. Nun liegt die genaue Kalkulation vor. Ergebnis: Die Generalsanierung der zweizügigen Schule wird rund 3,75 Millionen Euro kosten. „Ein Statiker hat das Gebäude untersucht, es ist standsicher. Mauerwerk und Betondecken können weiter verwendet werden“, erläutert Rathaussprecher Michael Schmitz auf TV-Anfrage.

Der Stadtvorstand hat über die im Vergleich zur Schätzung von 2,7 Millionen Euro im Jahr 2016 immerhin um fast 40 Prozent gestiegenen Kosten noch nicht beratschlagt. „Schulamt und das Amt für Gebäudewirtschaft sind gerade dabei, die Fördersummen zu ermitteln“, erklärt Schmitz. Dann würden die Zahlen zunächst von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und seinen drei Beigeordneten besprochen, anschließend von den weiteren zuständigen städtischen Gremien. Den Schulträgerausschuss hatte die Stadtverwaltung in dessen jüngster Sitzung bereits mündlich informiert – insbesondere hinsichtlich der Idee, die Kita Agritius auf das Egbert-Gelände zu verlegen (der TV berichtete, siehe Info).

Ob aus dem Grundsatzbeschluss von 2016, die Grundschule zu erhalten, ein konkreter Baubeschluss wird, entscheidet der Stadtrat. Wann, ist unklar. „Ob vor oder nach der Kommunalwahl, ist noch nicht entschieden“, sagt Schmitz.

Das Thema hat politische Brisanz, insbesondere bei der SPD. Deren komplette Stadtratsfraktion hatte 2016 dagegen gestimmt, dass das Schulgebäude saniert werden soll. Nun kandidiert auf Platz 28 der SPD-Kandidatenliste für die Stadtratswahlen am 26. Mai Sylvia Mayer-Stenzel. Die 42-Jährige ist gleichzeitig nicht nur SPD-Ortsvorsteherkandidatin für den Stadtteil Mitte-Gartenfeld, sondern auch Schulelternsprecherin der Egbert-Grundschule – und glühende Kämpferin für deren Erhalt. Bei der Stadtratssitzung im vergangenen Dezember hatte Meyer-Stenzel vor den Fraktionen eindringlich dafür geworben, die Sanierung der Schule möglichst schnell umzusetzen.

Wie passt dieser Appell zur bisherigen Haltung der SPD, die stattdessen für einen zentralen, großen Schulneubau in der Innenstadt geworben hatte, in den dann mehrere kleine Grundschulen mit maroden, sanierungsbedürftigen Gebäuden hätten zusammengelegt werden können? Kreisparteichef und Fraktionsvorsitzender Sven Teuber: „Die SPD-Ortsvorsteherkandidatin vertritt ihre Position, die SPD-Fraktion eine andere. Der Stadtrat hat allerdings vor zwei Jahren mehrheitlich den Grundsatzbeschluss gefasst, die Egbert-Schule zu sanieren – und diese demokratische Entscheidung akzeptieren wir natürlich.“ Die Kostensteigerung um eine Million Euro sei allerdings ein neuer Aspekt, der bei der weiteren Diskussion berücksichtig werden müsse. „Die Stadt hat ihren Förderantrag an Bund und Land auf Basis der bis dato geschätzten Baukosten von 2,7 Millionen Euro gestellt. Alles, was über diese Summe hinausgeht, wird daher wohl nicht förderfähig sein. Woher Baudezernent Andreas Ludwig die zusätzliche Million in seinem Haushalt nehmen will, ist allerdings unklar“, sagt Teuber.

Bislang stellen die Grünen in Trier-Mitte/Gartenfeld den Ortsvorsteher. Erklärtes Wahlversprechen von Dominik Heinrich bei der Kommunalwahl 2014 war der Erhalt der Grundschule im Stadtteil.

In die Kommunalwahl 2019 werden die Trierer Grünen von der neuen Spitzenkandidatin Anja Reinermann-Matatko geführt. Die promovierte Geografin berät als selbstständige Expertin Kommunen bei deren Schulentwicklungsplanung. Ob Schulen erhalten oder aufgegeben werden sollten, hänge von einer Vielzahl von Kriterien und Zahlen ab, erklärt Reinermann-Matatko auf TV-Anfrage. Für Trier lägen ihr diese Daten nicht vor. „Aber es heißt, dass die Kinderzahl im Einzugsgebiet der Egbert-Schule über mehrere Jahre hinweg ausreichend sind für eine stabile Zweizügigkeit der Schule. Dazu kommt der Beschluss des Stadtrats, dass zweizügige Grundschulen generell Bestand haben sollen“, erläutert Reinermann-Matatko. Damit sei klar, dass das auch für die Egbert-Schule gelten müsse. Die Kostensteigerung von rund einer Million Euro sei dabei nicht ausschlaggebend.

Dass aus den 3,75 Millionen Euro kalkulierten Sanierungskosten allerdings durchaus auch mehr werden könnten, zeigen aktuelle Beispiele. Die Sanierung des Jugendzentrums Exhaus musste kürzlich wegen unvorhergesehener Baumängel abgebrochen werden. Die Wiederherstellung des rund 200 Jahre alten Gebäudes wird nicht nur Jahre länger dauern, sondern auch mehrere Millionen Euro mehr kosten als für die Brandschutzsanierung einkalkuliert. Die Generalsanierung der Gebäude der Integrierten Gesamt­schule (IGS) am Wolfsberg läuft ebenfalls gründlich schief: Für die Sanierung, die ursprünglich bis zum Schuljahr 2015/16 abgeschlossen sein sollte, waren 9,2 Millionen Euro kalkuliert. Schon jetzt sind es mindestens zwei Millionen Euro mehr – und die Bauarbeiten noch längst nicht abgeschlossen.

Auch beim Stadttheater sind die Kosten unterm Strich gestiegen: Waren 2016 für die Sanierung im Bestand inklusive Aufstockung um eine Etage beziehungsweise komplett neuer Anbau noch rund 50 Millionen Euro kalkuliert, hat sich beim nochmaligen Nachrechnen und erneutem Check der Bausubstanz diese Summe zwar geringfügig verringert auf 48,8 Millionen Euro. Dafür soll es allerdings nun lediglich noch die Ertüchtigung und Modernisierung des Baus aus den 50er-Jahren geben – ohne neuen Trakt.

Beim Theater ist bei der Neukalkulation der Sanierungssumme ein Risikoaufschlag von vier Millionen Euro berücksichtigt worden – falls Baumängel auftreten, die bei der Begutachtung des Gebäudes nicht absehbar waren. „Bei den 3,8 Millionen Euro für die Egbert-Schule ist ein solcher Risikoaufschlag nicht ermittelt worden“, teilt Rathauspressesprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage mit. „Fahrlässig!“, kritisiert SPD-Chef Sven Teuber.

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