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Trittenheim feiert seiner großen Sohn Trithemius

Trittenheim feiert seiner großen Sohn Trithemius

Das Lebenswerk des Johannes Trithemius, des berühmten Sohnes Trittenheims, ist nur schwer fassbar. Sein umfangreiches Wissen beeindruckt aber nach wie vor, wie ein Vortrag im Heimatort des Gelehrten zeigt.

Trittenheim. Wie hat er es nur angestellt, sich als "Bauernsohn" aus einem Winzerdorf derart großes Wissen anzueignen? Und warum ist er trotz seiner schier grenzenlosen Wissbegier kaum weiter gereist als ins heutige benachbarte Ausland? Fragen wie diese stellten knapp 20 Besucher eines Vortrages über Johannes Trithemius dem Referenten. René Richtscheid, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Trier und Geschäftsführer des Emil-Frank-Instituts Wittlich, zeichnete ein detailliertes Bild des berühmten Sohnes von Trittenheim. Dabei gelang es ihm, das dem Gelehrten und Humanisten, Abt in Sponheim und Würzburg, anhaftende Geheimnisvolle ein wenig zu entzaubern. Denn dessen Wirken "zwischen Magie, Mystik und Kabbala", der jüdischen Mystik (siehe Extra), erschließt sich vor dem Hintergrund der Epoche, in der Trithemius (1462 bis 1516) lebte.
Aus Sicht einer anderen Zeit


"Aus heutiger Sicht ist es schwer, sich in die damalige Zeit zurückzuversetzen", räumte Hans-Joachim Hüsken ein. Als früherer Trittenheimer Grundschullehrer hatte er über die Recherchen einer Schülerin mehr über diesen gelehrten Moselaner erfahren. Wie Hermann Erschens, pensionierter Neumagen-Dhroner Realschulrektor, hatte ihn daher "historisches Interesse" hergeführt. Er kenne zwar die Biografie des Klosterreformers, sagte Erschens. Doch über Trithemius\' Verdienste als Gelehrter wisse er relativ wenig.
Tobias Bollig, einer der wenigen jungen Besucher, wunderte sich, dass Trithemius kaum reiste: "Für einen Menschen, der alles wissen wollte, ist er mir nicht weit genug gekommen." Richtscheid pflichtete bei. Wie der Philosoph Immanuel Kant habe Trithemius zwar "die Welt erklärt", sie aber kaum selbst erkunden können.
Sein Leben habe sich vorwiegend im heutigen Westdeutschland, der Großregion seines Heimatortes, abgespielt. Weite Reisen seien sie ihm schon als Benediktinermönch nicht möglich gewesen, was er sicher bedauert habe.
Der Vortrag auf Einladung der Ortsgemeinde Trittenheim stimmte ein auf das "Trithemius Jubiläumsjahr". Der Begründer einer zur damaligen Zeit einzigartigen Klosterbibliothek mit mehr als 2000 wertvollen Bänden wurde vor 550 Jahren in der Moselgemeinde geboren. urs

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Das Emil-Frank-Institut bietet ein kostenloses Seminar an. Termine: dienstags 14. und 21. Februar, 17 bis 19 Uhr, Schlossstraße 10 in Wittlich. Anmeldung: Telefon 06571/260124, E-Mail an mail@emil-frank-institut.de.Extra

Der Begriff Mystik ist abgeleitet vom griechischen Wort "geheimnisvoll". Er umfasst das Bemühen, das Göttliche, die absolute Wirklichkeit, zu erkennen, zu begreifen oder auch zu erklären. Die deutsche Mystik erlebte ihren Höhepunkt im 12. und 13. Jahrhundert mit Frauen wie Hildegard von Bingen (Frauen-Mystik) und mit Gelehrten wie Meister Eckhart. Im heutigen Sprachgebrauch beschränkt sich Mystik vielfach auf religiöse oder spirituelle Erfahrungen. urs