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TV-Kolumnist Viez-Jupp beklagt das Fehlen öffentlicher Toiletten in Corona-Zeiten

Glosse : Die Not mit der Notdurft

Eigentlich wollte ich ja an dieser Stelle ablästern über meine findige Nachbarin, die zu Beginn der Krise – gefühlt – tonnenweise Nudeln und Toilettenpapier gehamstert hat, um sich durch überteuerten Weiterverkauf ein goldenes Näschen zu verdienen.

Hat nicht ganz geklappt. Sie hockt noch in solchen Mengen auf dem Zeugs herum, dass sie 200 Jahre alt werden müsste, um die Vorräte im Eigenbedarf abzubauen. Aber die Dame ist wirklich clever. Jetzt bastelt sie Atemschutzmasken aus Klopapier plus Bandnudeln und Makkaroni, die als Verstärkungsstreben dienen. Ich verzichte dankend, denn für den geforderten Verkaufspreis bekomme ich in meiner Stammkneipe drei Porzen Viez.

Womit wir auch schon bei dem Thema sind, das mich mehr umtreibt. Bei der Gastronomen-Demo am Freitag vor der Porta traf ich meinen Kumpel Wein-Pitt aus Olewig. Der hat sonst alle Zeit der Welt und ist immer für ein XXL-Schwätzchen zu haben. Diesmal nicht. Er winkte schon von weitem ab, als er mich sah: „Ich muss schnell heim. Aufs Klo!“ Und schwupps, weg war er. Das kann auch positiv sehen. Aber mir ist schlagartig klar geworden, dass es ein Problem gibt, das ich als Innenstadtbewohner nicht kenne, nämlich die aktuelle Not mit der Notdurft in der City. Öffentliche Bedürfnisanstalten? Alle zu! Kneipen und Cafés dicht und damit deren Toiletten ebenfalls wie die der Kaufhäuser. Was tun? Ich schätze, dem rührigen Ordnungsdezernenten Thomas Schmitt fällt auch da was ein. Aber wohl erst nächste Woche. Ich sag also mal der Nachbarin Bescheid. Die wohnt im Erdgeschoss und könnte ihr Klo für die Allgemeinheit öffnen. Ich schätze, sie verlangt pro Sitzung drei Euro plus Papierzuschlag ... Prost!