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Castelnau-Gelände: Ein neues Quartier für Trier

Trier. In ein neues Stadtviertel will die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg die ehemalige Kaserne Castelnau in Feyen verwandeln. Der TV zeigt, wie das Quartier später aussehen soll. Von unserer Redakteurin Christiane Wolff

Seit mehr als zehn Jahren liegt das Gelände der ehemaligen französischen Kaserne Castelnau brach. Die Öffentlichkeit hatte keinen Zugang zu dem Areal, das wie eine Pfeilspitze zwischen den Trierer Stadtteilen Feyen und Weismark liegt.

Vor einem Jahr hat die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP) das Gelände von der Stadt gekauft. Nun durfte der Trierische Volksfreund das Konversionsgebiet mit den alten Kasernen, dem riesigen Exerzierplatz und dem bewaldeten Hochplateau zusammen mit EGP-Chef Jan Eitel besichtigen.

Die EGP will das Areal in den nächsten zehn bis 15 Jahren in ein neues Wohnquartier verwandeln und dabei hauptsächlich als Entwickler, nicht als Bauherr auftreten.

Drei Architekturbüros erarbeiten derzeit unterschiedliche Varianten, wie die für Bebauung vorgesehenen 12,5 Hektar konkret gestaltet werden könnten. Die übrige Fläche, größtenteils Wald, bleibt unbebaut.

Unsere Panorama-Seite zeigt, welche Nutzungen für das in vier Gebiete aufgeteilte Areal - Dreiecksfläche, Exerzierplatz, Hangterrassen, Hochplateau - grundsätzlich vorgesehen sind. Zusammen mit Bürgern sollen die Pläne weiter ausgearbeitet werden. Erstmals vorgestellt wurden die Entwürfe beim Auftakt der Castelnau-Gespräche, die ab Mai im Drei-Wochen-Rhythmus stattfinden (der TV berichtete). "Dass wir künftige Nachbarn und Bewohner in die Planungen miteinbeziehen, ist für uns sehr wichtig, damit das Quartier akzeptiert wird und die Bevölkerung mögliche Planungszwänge verstehen lernt", sagt EGP-Chef Jan Eitel.

Damit die alten Kasernengebäude, die zum Teil erhalten und saniert werden sollen, nicht weiter verfallen, hat die EGP bereits einen sechsstelligen Betrag investiert: Die zum Teil zerbrochenen Fensterscheiben wurden durch Holzplatten ersetzt, Grünflächen und Sträucher zurückgeschnitten.

Am Freitag, 11. März, können alle Interessierten an der Begehung des Geländes mit dem Ortsbeirat Feyen-Weismark und EGP-Vertretern teilnehmen. Treffpunkt ist um 16 Uhr am ehemaligen Haupteingang der Kaserne in der Pellinger Straße, neben der Tierklinik Feyen. Die weiteren Castelnau-Gespräche finden statt am Mittwoch, 4. Mai, Mittwoch, 25. Mai, Mittwoch, 15. Juni und Mittwoch, 17. August, um jeweils 17.30 Uhr. Vorläufiger Treffpunkt ist das Restaurant Georgs im Südbad. Sobald die Vor-aussetzungen geschaffen sind, finden die Treffen auf dem Castelnau-Gelände statt.

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Dreiecksfläche

Spitz läuft das nordwestliche Ende des Castelnau-Geländes in den Stadtteil Feyen aus. Vorgesehen ist für die unterhalb des Exerzierplatzes gelegene Dreiecksfläche das Nahversorgungszentrum des neuen Stadtteils mit Supermarkt, Discounter und Drogeriemarkt.

Dreiecksfläche

Spitz läuft das nordwestliche Ende des Castelnau-Geländes in den Stadtteil Feyen aus. Vorgesehen ist für die unterhalb des Exerzierplatzes gelegene Dreiecksfläche das Nahversorgungszentrum des neuen Stadtteils mit Supermarkt, Discounter und Drogeriemarkt.

Dazu kommen sollen Bäcker, Metzger, Optiker, vielleicht ein Blumenladen, Ärzte und eine Apotheke. Die alten Militärgaragen und Schuppen werden voraussichtlich abgerissen, um für die Supermarkthallen Platz zu schaffen. Auch das größere Gebäude, das ehemalige Casino der Kaserne, bleibt wohl nicht erhalten. Zwar könnte sich die EGP auch einen Umbau der Häuser zu Wohnungen vorstellen. "Das Problem ist allerdings, dass wir bislang keinen anderen geeigneten Standort für ein Nahversorgungszentrum auf dem Gelände ausgemacht haben", sagt Jan Eitel, "aber wir prüfen das noch."

Alte Kasernen

Insgesamt flankieren sechs Häuser den Exerzierplatz. Das langgestreckte Hauptgebäude an der nordwestlichen Längsseite und die drei gegenüberliegenden Kasernengebäude sollen saniert werden.

Wohnungen, Dienstleistungsflächen und öffentliche Einrichtungen, zum Beispiel eine Kindertagesstätte, sind vorgesehen. Zum Vergleich: Alleine das Castelnau-Hauptgebäude ist rund drei Mal so groß wie eines der Petrisberg-Kronengebäude im Wissenschaftspark. Wegen ihrer schlechten Bausubstanz werden die Turnhalle am nordöstlichen Rand des Castelnau-Exerzierplatzes und das Haus an der gegenüberliegenden Querseite wahrscheinlich abgerissen. Keines der zwischen 1914 und 1936 errichteten Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Plateau

Oberhalb der Hangterrassen endet das Gelände in einem Hochplateau. Der Wald, der die Plattform umgibt, soll erhalten bleiben.

An seinem Rand könnten Einfamilienhäuser entstehen, zu deren Grundstücken kleine Waldstücke gehören. Für das Hochplateau gibt es noch keine konkreten Pläne.

Hauptproblem: Die Erschließung der relativ kleinen Fläche mit einer steilen Straße ist sehr teuer. "Frühestens 2014 werden wir hier mit den Planungen beginnen", sagt EGP-Chef Jan Eitel. Möglich sei eine Sondernutzung wie ein Tagungs- oder Kurhotel. Aber auch Wohnbebauung sei möglich.

Hangterrassen

Südöstlich des Exerzierplatzes steigt das Gelände stark an und ist in drei terrassenartige Stufen gegliedert. Jede der Terrassen ist rund 30 Meter breit, an einigen stehen ehemalige Kasernengebäude.

Der alte Baumbestand soll erhalten bleiben. In den Sandsteinmauern, die die Hänge stützen, ist die Mauer-eidechse zu Hause. Der Ausblick auf Eurener Flur, Markusberg und Mosel ist atemberaubend. Doch das steile Gelände mit Straßen zu erschließen wird teuer. Dazu kommt, dass wegen der schmalen Plattformen wohl nur auf je einer Straßenseite Häuser gebaut werden können und die Straßen so durch eine relativ geringe Anzahl an Grundstücksverkäufen refinanziert werden müssen. Auch die großen Freitreppen, die von einer Hangterrasse zur nächsten führen, könnten instand gesetzt werden.

Exerzierplatz

Rund 20 000 Quadratmeter groß ist der im Zentrum des Castelnau-Geländes gelegene Platz, auf dem die französischen Truppen früher aufmarschiert sind.

Vorgesehen ist für die riesige Fläche entweder eine sogenannte Teppichbebauung mit flachen Bungalows oder mehrstöckigen Einfamilienhäusern.

Dazwischen sollen öffentliche Plätze entstehen. Geplant ist, den Exerzierplatz mit einer Tiefgarage zu "unterkellern". Den Platz als unbebaute Parkfläche zu belassen, ist laut EGP nicht möglich, weil sich die Geländeentwicklung ohne diesen Grundstücksverkauf nicht finanzieren lasse.

Ex-Handwerkerpark

Südwestlich ans Castelnau-Gelände (auf unserer Luftaufnahme schon nicht mehr im Bild) schließt sich die Fläche an, die die Stadt einst für ein neues Gewerbegebiet, den sogenannten Handwerkerpark, vorgesehen hatte. Diese Pläne sind allerdings auch wegen der teuren Erschließung ad acta gelegt.

Die EGP steht mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Verhandlungen und will die 25 Hektar große Fläche kau fen.

Verkehr

Erschlossen werden soll das neue Stadtviertel hauptsächlich aus Westen von der Umgehungsstraße B 268 ("Pellinger") her. Durch Einbahnstraßenregelungen könnte verhindert werden, dass der Durchgangsverkehr Abkürzungen durch das Wohngebiet nimmt.

"An einem werden wir allerdings nicht vorbeikommen: In den umliegenden Stadtteilen und auf der Pellinger Straße wird es durch das neue Quartier zu mehr Verkehr kommen", sagt EGP-Chef Jan Eitel. Selbstverständlich ist eine Anbindung des neuen Viertels an das Stadtbusnetz.

Energieversorgung

Ein zentrales Blockheizkraftwerk soll Heizenergie aus regenerativem Rohstoff - zum Beispiel Holz - für alle Wohnhäuser in der Ebene liefern. Weil die künftigen Gebäude an den Hangterrassen oder auf dem Plateau zu weit wegliegen, könnte dort die Heizenergie aus Erdwärme gewonnen werden.

Da das Hanggelände gen Norden liegt, sind große Photovoltaikanlagen eher nicht sinnvoll.

Günstiger Wohnraum

Am Rand von Exerzierplatz und Dreiecksflächen könnten in Neubauten Sozialwohnungen entstehen. "Wir haben außerdem schon interessierte Investoren, die mit öffentlichen Wohnraumfördermitteln Häuser bauen wollen, bei denen die Mieten gedeckelt wären und das Einkommen der Mieter eine bestimmte Grenze nicht überschreiten dürfte", erklärt EGP-Chef Jan Eitel.