Bevor das Wasser wieder durch die Dörfer marschiert

Hochwasserschutz : Bevor das Wasser wieder durch die Dörfer marschiert

Starkregen hat in der Eifel wiederholt zu Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern geführt. Ein regionales Hochwasservorsorgekonzept wurde jüngst beauftragt, der Fokus liegt aktuell auf dem Hillesheimer Land.

Friedlich dahinplätschernde Flüsse und Bäche verwandeln sich alle Jahre wieder in reißende Ströme – in den vergangenen drei Jahren häuften sich die Meldungen über sogenannte Jahrhunderthochwasser auch in der Eifel. Die Schäden sind immens, viele sind gegen solch ein Ereignis nicht versichert.

Die Verbandsgemeinde Gerolstein setzt auf Vorsorge: „In den kommenden 14 Monaten werden die Ortsgemeinden im Hillesheimer Land unter die Lupe genommen“, sagt Winfried Schegner, stellvertretender Fachsbereichsleiter für natürliche Lebensgrundlagen und Bauen in der Gerolsteiner Verwaltung. In jeder Gemeinde sind Begehungen geplant – gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Feuerwehren, des Gemeinderates, den Einwohnern und den Gemeindearbeitern werden die Ortslagen auf Schwachstellen geprüft. „Es geht nicht nur um den Bach, der durch das Dorf fließt“, erklärt Schegner. „Bei Starkregen kommt das Wasser die Hänge herunter, manche Feldwege, Talmulden und Straßen verwandeln sich in Sturzbäche.“

„Hochwasservorsorge durch Flussgebietsermittlung“ nennt sich die vom Landesamt für Umwelt mit 90 Prozent geförderte Gebietsanalyse. „Die Erstellung des Konzeptes für die ehemalige Verbandsgemeinde Hillesheim wird mit rund 120 000 Euro veranschlagt“, sagt Winfried Schegner. Die Begutachtung, Bewertung und die abschließenden Vorschläge von Maßnahmen zur Minimierung des Hochwasserrisikos hat das Ingenieurbüro BGH-Plan aus Trier übernommen.

„Nach jeder der gemeinsamen Begehungen findet eine Bürgerversammlung statt“, sagt Reinhold Hierlmeier von BGH-Plan. „Dabei werden die Schwachstellen und mögliche Gegenmaßnahmen erläutert.“ Die Möglichkeiten zur Vorsorge können sehr unterschiedlich ausfallen: In Rockeskyll beispielsweise, wo das Konzept bereits umgesetzt wird, sollen Entwässerungsgräben umgestaltet werden, auch bauliche Veränderungen an der Brücke über den Forbach werden ins Auge gefasst und geprüft. Dazu sind Flutmulden oberhalb der Ortslage geplant, ein Notabflussweg über die Dorfstraße, Treibgutfänger und eine grundlegende Reinigung des Kanalnetzes. Zur Kasse werden die Träger der einzelnen Einrichtungen gebeten, zumeist trifft es die Verbandsgemeinde Gerolstein, die Ortsgemeinde Rockeskyll oder den Landesbetrieb für Mobbilität (LBM) – aber auch einzelne Landwirte werden verpflichtet, Vorsorge für Entwässerungsgräben an ihren Flächen zu tragen.

Der starke Niederschlag im März 2018 hat in der Vulkaneifel zu keinen großen Hochwasserschäden geführt – wohl auch, weil die Kyll sich über weite Strecken über Wiesen und Feldern ausbreiten kann.Wie auch andere Bereiche vor Hochwasser geschützt werden können, lässt die Verbandsgemeinde Gerolstein aktuell prüfen. Foto: Mario Hübner

Monat für Monat sollen die Gemeinden im Hillesheimer Land begutachtet werden, anschließend finden dann auch Workshops mit den Bürgern statt. „Sie wissen am besten, wo die jeweiligen Schwachstellen liegen“, sagt Winfried Schegner von der Verbandsgemeindeverwaltung. „Im Oktober sind wir in Walsdorf und Zillsdorf, den gesamten November werden wir dann in den vielen Ortsteilen von Üxheim unterwegs sein“, berichtet Reinhold Hierlmeier vom Ingenieurbüro BGH-Plan Trier.