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Brunnen-Streit: Rat entscheidet neu

Brunnen-Streit: Rat entscheidet neu

Neuer Anlauf in Sachen Rondellbrunnen: Der Stadtrat hat sich dafür ausgesprochen, neben dem bereits in Auftrag gegebenen Röhrenbrunnen ein "Bürgermodell" zuzulassen und dann auszuwählen. Zuvor war das von rund 1000 Gerolsteinern unterzeichnete Bürgerbegehren gegen den Brunnen wegen formaler Fehler zurückgewiesen worden.

Gerolstein. Es war eng und zeitweilig auch ungemütlich im Sitzungssaal des Rathauses in Gerolstein. Gut 40 Bürger waren gekommen, um die Entscheidung in Sachen Rondellbrunnen und Bürgerbegehren mitzuerleben. Doch bereits während der Sitzung, als sich die Niederlage für die Initiatoren und Unterstützer des Bürgerbegehrens gegen den Röhrenbrunnen von Werner Bitzigeio abzeichnete, verließen einige den Saal. Initiator Andreas Stritzke sogar laut schimpfend.
Steen-Vorschlag ohne Mehrheit


Zuvor hatten er und seine Mitstreiter eine in ihren Augen doppelte Schlappe hinnehmen müssen. Denn nach einer Sitzungsunterbrechung folgte der Stadtrat mehrheitlich dem Vorschlag von Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos). Letztlich standen so zwölf Ja-Stimmen (CDU außer Werner Schwind, Gudrun Will von der FDP sowie Herbert Lames und Elke Oestreich von der SPD) gegenüber sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen (Tim Steen von den Grünen und Peter Leuwer von der SPD).
Der Beschluss sieht vor, dass der bereits in Auftrag gegebene Röhrenbrunnen von Werner Bitzigeio im Rennen bleibt. Daneben sollen die Bürger die Möglichkeit haben, einen eigenen Entwurf bis 31. Oktober vorzulegen. Aus diesen beiden Modellen wählt der Stadtrat dann den Brunnen aus, der auf dem Rondellvorplatz installiert wird.
May begründete seinen Vorschlag damit, dass einerseits die Bürger über den Brunnen mitentscheiden wollen, andererseits ein Werkvertrag mit dem Künstler bestehe, so dass Schadenersatzforderungen bei Kündigung zu erwarten seien.
Dem entgegen stand ein weitergehender Vorschlag von Tim Steen. Er sah vor, dass der Brunnen neu ausgeschrieben, die Palette der Modelle öffentlich vorgestellt und dann die Bürger entscheiden wird, welcher Brunnen gebaut wird. Steens Begründung: "Wir haben es mit unserer Bürgerbeteiligung zwar gut gemeint, aber schlecht vorbereitet und den Leuten zu wenig Zeit gegeben. Dieser Kritik müssen wir uns stellen und auch anerkennen, dass mit dem Bürgerbegehren ein Nerv getroffen wurde. Daher bin ich dafür, dass die Bürger entscheiden."
Unterstützung fand er unter anderem bei Ursula Ackermann von der BUV. Sie sagte: "Wir haben Fehler gemacht, daher bin ich für einen Neuanfang. Und der Vorschlag des Stadtbürgermeisters ist nur halbherzig." Auch der Grüne Horst Lodde meinte: "Das ist kein Neuanfang, sondern zu kurz gesprungen."
Hingegen sagte Herbert Lames (SPD): "Wir haben uns sehr wohl intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und uns auch für den besten Vorschlag entschieden. In Sachen Bürgerbeteiligung müssen wir es eben künftig besser machen."
Einen weiteren Aspekt brachten Elke Oestreich (SPD) und Beigeordneter Volker Simon (CDU) ins Gespräch. Simon sagte: "Ich habe die große Befürchtung, dass eine erneute Ausschreibung in einem Desaster enden könnte, weil sich keiner mehr beteiligt. Denn die Künstler sind eine große Familie. Die wissen, was hier los ist." Und eine weitere Zeitverzögerung wolle er nicht in Kauf nehmen. In die gleiche Kerbe schlug CDU-Fraktionsvorsitzende Monika Neumann. Sie sagte: "Der Vorschlag des Stadtbürgermeisters ist gut, denn die Bürger können sich ja nun aktiv einbringen. Ansonsten sind wir wieder da, wo wir schon vor acht Wochen waren." "Genau da wollen wir ja hin", rief einer der Bürger und erntete viel Applaus.
Andreas Stritzke, der die Sitzung schlagartig verließ, hatte zuvor zu den bisherigen Vorgängen Stellung genommen, sich für verbale Entgleisungen entschuldigt und vor der Abstimmung an den Rat appelliert: "Sie können die Bürger nicht ignorieren. Das geht - bitte - nicht!"
Alter Brunnen ist entsorgt


Zuvor hatte der Stadtrat bei fünf Gegenstimmen aus Reihen von BUV und SPD das von rund 1000 Gerolsteinern unterzeichnete Bürgerbegehren zurückgewiesen - wegen formaler Fehler. Und Stadtbürgermeister May konterte den in den vergangenen Wochen oft geäußerten Wunsch, den alten Brunnen doch wieder aufzubauen. Er sagte: "Es gibt den alten Rondellbrunnen nicht mehr. Er war kaputt und wurde entsorgt. Die Kugel und die Mutter-Kind-Figur hingegen gibt es noch. Sie sind gut verpackt aufbewahrt und werden auch wieder einen Platz in der Stadt finden."Meinung

Nur den Hinkampf hat er verloren
Der Streit um den Rondellbrunnen erinnert stark an einen Boxkampf: hier Titelverteidiger May samt Stadtrat, dort Andreas Stritzke sowie die anderen Initiatoren und Unterzeichner des Bürgerbegehrens. Die waren bislang sehr erfolgreich in die ersten Runden gestartet, haben mit jeder der 1000 Unterschriften Punkt um Punkt gesammelt und nicht zuletzt beim TV-Ortstermin den Stadtbürgermeister sehr in die Defensive gedrängt. Und nun die Wende. Stritzke taumelt, weil ihm die Ringrichter vorwerfen, nicht regelkonform gekämpft zu haben (Bürgerbegehren). Er aber rappelt sich auf, entschuldigt sich für den Fehler und die (verbalen) Tiefschläge. Er startet eine eindrucksvolle Gegenoffensive, überzeugt auch den einen oder anderen Ringrichter (Stadtratsmitglied) und kassiert dann doch den vorentscheidenden Niederschlag. May setzt sich mit seiner Taktik durch und siegt. Aber bislang nur im Hinkampf. Doch der entscheidende Rückkampf ist bereits terminiert. Stritzke wird aber nur eine Chance haben, wenn er topfit in den Ring steigt. Wie er das schaffen kann? Ideen in der Bürgerschaft sammeln, Künstler suchen und mit ihm eine Strategie (Vorschlag) erarbeiten und mit der dann erneut antreten. Das wird hart genug. Chancenlos ist er nicht. m.huebner@volksfreund.de