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Die Zusage erreichte ihn in Ecuador

Die Zusage erreichte ihn in Ecuador

DAUN/NEW YORK. Mit dem Kinderfahrrad durch Daun, mit dem Rallye-Auto durch Deutschland, mit dem Landrover von Argentinien in die USA, mit dem Flugzeug in die Krisengebiete dieser Welt: Bei seinem Heimatbesuch anlässlich der Ausstellung "Dauner Jungs international" sprach der TV mit Christoph Bangert über Fortbewegungsmittel und Fotojournalismus.

Wenn diese Zeilen erscheinen, will Christoph Bangert im Libanon sein. Eben hat er in einem Dauner Reisebüro den Flug nach Syrien gebucht; die Orte des neuen Kriegs im Nahen Osten wird er von dort aus mit dem Auto ansteuern. Er wird Hunderte von Fotos machen, "denn Kriegsfotos sind wie schöne Landschaftsaufnahmen Teil unserer Realität", sagt er. Wer ihm die Fotos abnimmt, weiß er jetzt noch nicht. Kontakte sind hergestellt, die Chancen stehen gut. Zählt der 28-Jährige doch zu den international bekannten Spitzenfotografen. "Jedes Bild muss eine Funktion haben, muss moralisch vertretbar sein", erklärt Christoph Bangert auf die Frage nach der Gratwanderung zwischen Information und Interesse einerseits, und Effekthascherei und Distanzlosigkeit andererseits. "Man muss die Menschen lieben und es ihnen zeigen", hatte Bangert bei der Vernissage der Fotoausstellung mit zwei weiteren "Dauner Jungs" als sein Credo auf den Punkt gebracht (der TV berichtete). Christoph Bangert ist 1978 in Daun geboren, sein Vater ist Arzt, die Mutter Lehrerin, er hat eine Schwester. 1997 macht er am Geschwister-Scholl-Gymnasium das Abitur und leistet anschließend in den Gerolsteiner Westeifel Werken seinen Zivildienst. Das Maschinenbau-Studium in Karlsruhe bricht er nach einem Jahr ab, wechselt an die Fachhochschule Dortmund und studiert Foto-Design. Parallel zu Zivildienst und Studium ist Christoph Bangert im Team mit dem Dauner Karl Fries Rallyefahrer. Er fährt einen Klassensieg bei einer Deutschlandrallye ein und holt zweimal den zweiten Platz beim ADAC-Junior-Cup, gibt aber schließlich das gleichermaßen "hoch ernst und mit Spaß" betriebene Hobby aus beruflichen Gründen auf. Allerdings ist es eine abenteuerliche Autofahrt, die zur Wende in seinem Leben führt. Anfang 2002 bricht Christoph Bangert in Buenos Aires mit dem Landrover zu einer Überlandreise nach New York auf. Er wird in sechs Monaten 36 000 Kilometer zurücklegen und nur unter Menschen sein, die er nicht kennt. Zuvor hatte er sich mit dem Vordiplom aus Dortmund um einen Studienplatz beim "International Center of Photography" in New York und um ein Stipendium beim Deutschen Akademischen Austauschdienst beworben. "Die Zusage erreichte mich in Ecuador", erinnert er sich. Er dreht Dutzende von Filmen und schießt Tausende von Fotos. Im Jahr darauf stellt er gemeinsam mit seiner Freundin Fotos und Auszüge aus seinen Reisenotizen zu einem Buch zusammen. Inzwischen hat ein New Yorker Verlag dieses unter dem Titel "Travel Notes" zum Drucken und Binden nach Hongkong weitergeleitet; im Dezember kommt es auf den Markt. Der Abschluss der Ausbildung an der renommierten Schule in New York ("Sieben-Tage-Woche, sehr intensiv, ganz toll") verschafft ihm ein Visum und die ersten Aufträge. Bangert fotografiert Bürgerkriegsopfer, Flüchtlinge und Rebellen im Sudan. Er nimmt im Herbst 2004 in Afghanistan die ersten freien Wahlen vor die Kamera. Er macht in Indonesien nach dem Tsunami und in Pakistan nach dem Erdbeben Aufnahmen von den verheerenden Auswirkungen. Wenn Christoph Bangert sagt: "Die passen auf, dass wir nicht wegkommen", meint er die schwer bewaffneten Männer, die ihn im Team mit weiteren Fotografen und Journalisten bei ihrer Arbeit im Irak nicht aus den Augen lassen, um sie vor Entführungen zu bewahren. Der Irak steht auch für den November und Dezember 2006 in Bangerts Terminkalender. "Aber Weihnachten will ich wieder zu Hause sein", sagt er. Zu Hause - das ist seine Familie in Daun. "Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für all ihre Unterstützung und die Freiheit, die sie mir gewährt haben", erklärt er. Dabei sei die moralische Unterstützung noch wichtiger als die finanzielle. "Ich weiß, dass ich mit meinem Beruf und meinem Leben viel von ihnen verlange. Aber sie sind sehr tapfer."