GLAUBE IM ALLTAG

Vor kurzem hat bei einer Tagung eine Kollegin ein ganz originelles Notizbuch benutzt. Es kann vom Benutzer mittels Aluminiumringen und entsprechend gelochtem Papier selbst zusammengesetzt werden.

Das hat mir so gut gefallen, dass ich mir das Baumaterial besorgt habe und nun ebenfalls solch ein Notizbuch besitze. Es ist schon etwas Außergewöhnliches. Da der Preis für das Papier sich deutlich vom Standard unterscheidet, habe ich nun ein Problem. Stehe ich nämlich jetzt vor der Entscheidung, mir etwas aufzuschreiben, frage ich mich: Benutze ich dieses Notizbuch oder ein anderes? Und wenn ich es benutzen will, dann frage ich mich: Ist mir das, was ich aufschreiben will, so wichtig, dass ich dafür dieses "wertvolle Buch" beschreiben will? Ein Dilemma. Oder auch nicht. Es ist eine Frage der Wertigkeit. Denn was geschrieben ist, ist ja geschrieben. Jeder, der schon mal etwas mit Kugelschreiber, Bleistift oder auch Füller Geschriebenes löschen wollte, weiß, das geht nie restlos, der Eindruck bleibt - wenn auch nicht immer gefärbt. Das Nachdenken darüber hat mich stutzig gemacht, mich in eine andere Richtung geführt. Für mich ist nämlich dieses besondere Notizbuch ein Bild für mein Leben, für meine Seele geworden. Ich bin ja in weiten Teilen selbst der Autor meines Lebens. Ich entscheide mit, welche Eindrücke auf mich einfließen. Was ich mache, wo ich hingehe, mit wem ich rede, wie ich meine Freizeit gestalte: Alles sind Entscheidungen, die mein Leben, meine Seele, mich prägen. Unauslöschlich. Sicher, auf so manches habe ich keinen Einfluss, aber auch da liegt es meist immer noch in meiner Hand, diesen Dingen Bedeutung oder Wertung beizumessen - und in welchem Maße. Also zu entscheiden, wie wichtig und nachhaltig es für mein Leben ist - und ob ich mein Lebens- und Seelenbuch damit beschreibe. Seitdem betrachte ich mich und mein Leben immer wieder wie dieses Notiz-Buch: Will ich das, was ich erleben oder erfahren werde, wenn ich dieses oder jenes tue, wirklich in meinem Lebensarchiv haben oder gibt es Wesentlicheres? Dekanatsreferent Johannes Eiswirth, Dekanat St. Willibrord Westeifel