Heiliger Bürokratius!

Verkehr Zu unseren Berichten "Der Baudezernent erfährt es aus der Zeitung" (TV vom 5. September) über die Kritik am Landesbetrieb Mobilität wegen der Sperrung der B 51 und "Wo die Größe den Unterschied macht" (TV vom 7. September) über die Wahlplakate des Eifeler Landrats Joachim Streit, die in Bitburg nicht aufgehängt werden dürfen, weil sie einige Zentimeter größer sind, als das die Stadt erlaubt, schreibt dieser Leser: Wie gut, dass es den TV gibt.Möglicherweise wäre der im Rathaus Trier zuständige Baudezernent ist heute noch nicht von den Abläufen an der B 51 informiert, es sei denn, er wohnte in Sirzenich.


Das im Rathaus Trier benutzte Informationssystem nennt sich "Vordringen". Unterstellt, dass sich Poststelle und Bauamt im gleichen Gebäude befinden, erscheinen mir fünf Tage des "Durchdringens" reichlich lange. Im Übrigen habe ich von diesem modernen Informationssystem noch nichts gehört.
Mir bekannte Informationssysteme sind zum Beispiel Brieftauben, reitende Boten, Rohrpost, Fax, Scan oder Whatsapps, wobei Letztere ja bekanntlich eine Sofortübertragung ermöglichen. Typisch Trier, dachte ich hochmütig.
Demütig eingeknickt bin ich jedoch zwei Tage später, als ich im TV lesen durfte, dass Mitglieder des Bitburger Ordnungsamtes eifrig den Zollstock bemühten.
Ein Bewerber für die Position des Landrats im Kreis Bitburg-Prüm wollte seine Wahlplakate in der Hauptstadt des Eifelkreises aufhängen. Diese waren einige Zentimeter größer geraten, als es eine städtische Satzung erlaubt.
Eine Sondergenehmigung wurde abgelehnt. Begründung: Regeleinhaltung, Stadtbild, Gleichbehandlung.
Nun hatten die Väter dieser Satzung die Sache nicht vom Ende her bedacht. An den gleichen Straßen dürfen auf Privatgrundstücken Wahlplakate jedweder Größe stehen oder hängen, ohne diese Vorgaben zu unterlaufen. Und davon wird auch reichlich Gebrauch gemacht. So hängt überall im Kreis das Konterfei mit einem fröhlich zahnenden Plakatlächeln des Kandidaten, nur nicht in der angestrebten Kreisstadt. Heiliger Bürokratius, ham'mer sonst keine Probleme?!
Hermann Rass, Bitburg