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Gießerei: Neue Perspektiven ohne Glocken?

Gießerei : Neue Perspektiven ohne Glocken?

Für die Eifeler Glockengießerei bedeutet die Insolvenz voraussichtlich das Aus des traditionellen Geschäftsfeldes.

 Der Geruch von Lehm, Rauch und Pferdedung, glühendes Metall, der Klang von Glocken… viele Jahre war die Eifeler Glockengießerei ein Ausflugsziel am Maare-Mosel-Radweg, das von staunenden Touristen besucht wurde. Ganze Kirchengemeinden kamen in Bussen her, um dabei zu sein, wenn „ihre“ Glocke geboren wurde. Die Faszination ließ niemanden kalt.

Doch immer weniger Glocken werden neu gegossen, die Sparzwänge der schrumpfenden Gemeinden, die mit immer weniger Kirchensteuern auskommen und etliche Gotteshäuser säkularisieren müssen, sind längst auch auf das uralte Handwerk durchgeschlagen. Und vom Verkauf von kleinen Tischglöckchen als Souvenir kann keine Gießerei leben.

Nicht einmal mehr ein halbes Dutzend Glockengießereien gibt es noch in Deutschland. Bereits 2002 musste eine der renommiertesten, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Mabilon in Saarburg, ihren Betrieb einstellen. Heute ist das Gebäude ein Museum und zugleich ein sozio-kulturelles Zentrum.

Manfred Kürsch, Fachanwalt für Insolvenzrecht mit Sitz in Adenau, erläutert die Rahmenbedingungen, die zur Insolvenz der Eifeler Glockengießerei führten: „In den früheren Jahren bis in die achtziger Jahre hinein waren Kirchenglocken und auch Glockenstühle aufgrund der Lage der Kirchen gefragt. Heute werden neue Glocken und auch Glockenstühle kaum noch gefragt. Dies hat bereits zur Schließung einer Glockengießerei in der Nähe vor wenigen Jahren geführt. Die Geschäfte liefen daher für die Eifeler Glockengießerei zuletzt nur noch im Bereich Serviceleistungen auskömmlich.“

Julius Maas, der Sohn von Inhaberin und einziger deutscher Glockengießermeisterin Cornelia Mark-Maas, lernte das Handwerk von ihr und gründete in Schalkenmehren eine eigene Firma, die auf Dienstleistungen und Reparaturen rund um Glocken spezialisiert ist. Doch dies hat, wie Kürsch betont, keinerlei Auswirkungen auf den Betrieb seiner Mutter – es sind zwei voneinander unabhängige Unternehmen.

„Hinzu traten persönliche Gründe im privaten Bereich der Inhaberin, die ich aus verständlichen Gründen an dieser Stelle nicht weiter ausführen kann. Versuche in der Vergangenheit, die Altersstruktur des Mitarbeiterstammes durch Ausbildung zu verbessern, gelangen nicht. Insgesamt waren die Umsätze der letzten Jahre rückläufig. Nachdem die Inhaberin die Zuführung noch weiterer frischer Mittel nicht mehr leisten konnte, verfügte die Firma schließlich nicht mehr über hinreichend Liquidität, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.“

Derzeit wird noch geprüft, ob ein weiterer Betrieb inhaltlich und rechnerisch möglich sein wird. Bis dahin sind auch die Löhne der zehn Beschäftigten, denen aus insolvenzrechtlichen Gründen zu kündigen war, noch gesichert. Und aus datenschutzrechtlichen Gründen erteilt Kürsch keine Auskunft über den Wert der Insolvenzmasse.

 Die Nachfrage nach neuen Glocken ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Die Nachfrage nach neuen Glocken ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Foto: TV/Winfried Simoin

Falls sich herausstellt, dass der traditionelle Betrieb tatsächlich nicht weiterlaufen kann, müssen die Hallen der Eifeler Glockengießerei jedoch nicht zwangsläufig ein verlassener Ort werden.

Das Vorbild Mabilon macht Mut, die Lage am Maare-Mosel-Radweg ist ein Plus. Kürsch outet sich als Kulturfan und kann sich auch eine entsprechende Nutzung für die Gebäude vorstellen, sollte sich alles andere als unrealistisch erweisen: In Saarburg ist in der ehemaligen Glockengießerei außer dem Museum und der Event-Location eine Ehrenamtsbörse, ein Mehrgenerationenhaus und eine Kinder- und Jugendkunstschule untergebracht.

Da ist es vielleicht ein segensreicher Zufall, dass die Kulturschaffenden im Rahmen des WEGE-Prozesses der VG Daun ein Zuhause für ihr gewünschtes offenes Zentrum suchen.