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Ochs und Esel kommen in die Eifel

Ochs und Esel kommen in die Eifel

In dem neuen Stall der Weihnachtskrippe in der Kelberger Pfarrkirche haben natürlich auch Ochs und Esel ihren Platz gefunden. Diese beiden Tiere bezeichnet der Dauner Professor Wilhelm Seggewiß als "eine liebgewordene Nebensächlichkeit". Er hat ihr Auftreten in Bibel, Theologie und Kunst erforscht.

Kelberg/Daun. "Ganz toll!", schwärmt Ulrike Kaster, die Küsterin der St.-Vinzenzius-Pfarrkirche in Kelberg, und geht noch ein paar Schritte zurück, um den neuen Stall für die Weihnachtskrippe aus einiger Entfernung als Gesamtwerk zu betrachten. Kurz zuvor hatten der Schreinermeister Joachim Schäfer und Mitglieder des Pfarrgemeinderates (PGR) das 1,80 Meter hohe und 2,20 Meter breite Gebilde aus Lärchenholz an seinen Platz im Chorraum gestellt.
Im Sommer war Joachim Schäfer mit dem "Neubau" beauftragt worden, denn der bisherige Stall aus Wurzeln war baufällig geworden. "Die größte Herausforderung war, ein Modell zu entwerfen, das zur Architektur und Einrichtung der Kirche und gleichzeitig zu Stil und Größe der Krippenfiguren passt", erzählt Schäfer. Die Arbeit habe ihm Spaß gemacht, sagt der 73-Jährige und weist auf Details wie das Schindeldach aus Allgäuer Lärche und auf die gebeilten Kanten der Verbretterung hin.
Auch die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Adelheid Burggraaff ist begeistert. Und erlebt eine Überraschung. Denn Schäfer erklärt, dass er den Stall stifte. "Dabei haben wir das Geld beim diesjährigen Pfarrfest schon erwirtschaftet", sagt die Vorsitzende. Nun berate der Pfarrgemeinderat (PGR) in seiner nächsten Sitzung, was stattdessen mit dem Geld neu angeschafft werde - "Wünsche und Ideen gibt es genug", meint Adelheid Burggraaff. Die Küsterin und die PGR-Frauen haben die Einrichtung des neuen Stalls übernommen, haben Moos ausgelegt und die Figuren arrangiert - auch Ochs und Esel.
Mit diesen beiden Tieren an der Krippe des neugeborenen Jesus hat Wilhelm Seggewiß (79) aus Daun sich kulturgeschichtlich beschäftigt. Der emeritierte Professor für Astrophysik bezeichnet die Krippenfiguren Ochs und Esel als "eine liebgewordene Nebensächlichkeit". Er räumt ein: "Man kann die Evangelisten Matthäus und Lukas so oft lesen, wie man will, man findet keinen Ochsen und keinen Esel im Haus von Bethlehem." Wohl kämen sie ansonsten häufig in der Bibel vor: mehr als 90 Mal der Ochs, sogar 152 Mal der Esel.
An die Krippe des Herrn führte laut Seggewiß der Kirchenvater Origines aus Alexandria Ochs und Esel - im dritten Jahrhundert in syrisch-christlichen Legenden von der Geburt Jesu. Der Kirchenlehrer Gregor von Nazianz lieferte im vierten Jahrhundert eine polemische Bedeutung der Tiere: Der Ochs und der Esel stünden für Judentum und Heidentum.
Zwischen dem Ochsen, der an das Gesetz gebunden sei, und dem Esel, der mit der Sünde des Götzendienstes behaftet sei, liege der von beiden Lasten freie und befreiende Gottessohn.
Tausendfach werde die Geburt Jesu in der Kunst dargestellt, erklärt Seggewiß. Während die Mutter auf allen frühen Geburtsszenen fehle, seien Ochs und Esel neben dem zentralen Kind das einzige Bildmotiv.
Staffage im Hintergrund


Auf dem Einband des berühmten Lorscher Evangeliars (um 810) sind Maria und Josef an die Seite gerückt, und Ochs und Esel stehen als ganze Figuren neben der Krippe mit dem Kind. Um 1400 wandelt sich das Bild wiederum: Die Mutter umsorgt das Kind, Ochs und Esel sind Staffage im Hintergrund.
Als ein bemerkenswertes Beispiel aus dem 19. Jahrhundert nennt der Professor ein Bild des Malers Paul Gauguin, der lange Zeit seines Lebens in der Südsee verbrachte. Er malte Maria als typisch polynesische Frau, und Ochs und Esel treten auf, obwohl es Rinder und Lasttiere auf den Inseln der Südsee nie gab. bb