Protest gegen die Schließung der Geburtsstation im Krankenhaus Daun.

Infrastruktur : Protest gegen Schließung Dauner Geburtsstation - Jetzt geht es auf die Straße

Über politische Grenzen hinweg regt sich Protest gegen die Schließung der Geburtsstation im Krankenhaus Daun.

Noch sechs Wochen, dann schließen sich die Türen des Kreißsaals im Krankenhaus in der Kreisstadt, welches in katholischer Trägerschaft ist. „Wie kann ausgerechnet so ein Haus so eine Entscheidung treffen und Wirtschaftlichkeit wichtiger finden als eine so elementare Daseinsvorsorge?“, empörten sich die rund zwei Dutzend Frauen und eine Handvoll Männer, die innerhalb weniger Stunden in die Bäckerei Utters nach Dockweiler zusammengetrommelt wurden.

Brainstorming war angesagt: Nicht ob es Protest gegen die Schließung geben soll, denn ndas war allen von vornherein klar, sondern wie der aussieht und welche Chancen er hat – das war die Frage.

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Schwangere, Hebammen, Arzthelferinnen, Mütter und Väter, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Edith Peters, die Landfrauen-Vorsitzende Ilse Spohr sowie von Seiten der Politik Karin Pinn (FWG) als Initiatorin des spontanen Treffens, VG-Bürgermeister Werner Klöckner (CDU) und Hildegard Slabik-Münter (Linke) rückten beim spontanen Meeting im Café buchstäblich eng zusammen, um Ideen zu sammeln, was nun getan werden kann. Auch Judith Klassmann-Laux von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Vulkaneifel war mit von der Partie und betonte, wie wichtig eine Geburtsstation in Daun zum Beispiel für das Thema Fachkräftesicherung ist, denn beruflicher Nachwuchs ist in der Region nur zu haben mit intakter Infrastruktur.

„Wir wollen emotional auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, die Geburtsstation zu erhalten, aber nicht mit Aggressionen“, herrschte schnell Einigkeit. Und: „Es ist ein tolles Zeichen, dass sich die Eifeler so schnell mobilisieren lassen!“ Denn eine Online-Petition, die erst kürzlich an den Start ging, hat bereits mehr als 5000 Unterschriften, für Mittwochnachmittag um 16 Uhr ist eine Straßendemonstration ab dem Laurentiusplatz mit Ziel Maria-Hilf-Straße angekündigt.

Klar ist auch, dass die Nachbarkreise mobilisiert werden sollen, denn: „Die Kolleginnen zum Beispiel in Wittlich sind bereits am Limit und überlastet, sie können weitere Geburten aus der Vulkaneifel nicht auch noch auffangen“, schilderte eine Hebamme den Alltag. Bereits seit Jahren sei immer wieder mit dem Aus der Dauner Geburtsstation gedroht und so Druck aufgebaut worden. Sie sagt: „Wir müssen da mehr Menschlichkeit rei bringen!“

Eine der Forderungen, die an den Krankenhausträger gestellt wird, ist bereits klar und wird auch von VG-Bürgermeister Klöckner unterstützt: Aus den sechs Wochen bis zur Schließung soll eine Frist von mindestens einem Jahr werden, um vernünftig nach Alternativen suchen zu können. Die Information erst kurz vor Toresschluss stößt vielen besonders schlecht auf.

Und tatsächlich scheint der Entschluss, die Geburtsstation in Daun dicht zu machen, bereits vor langer Zeit getroffen worden zu sein, wie ein Arzt, der namentlich nicht genannt werden möchte, dem TV sagt: „Meines Wissens sind die Räume schon anderweitig verfügt.“

Zugleich äußert er Verständnis für die Entscheidung: „Eine Belegarztlösung, wie sie bislang praktiziert wird, ist nicht weiter tragfähig. Das Haftungsrisiko für jeden Arzt und das gesundheitliche Risiko für Mütter und Neugeborene ist viel zu hoch.“ Es sei tatsächlich aussichtslos, Ärzte zu finden, die dieses System heutzutage noch mitmachen. Stattdessen hält er andere Wege für gangbar: „Entweder gibt es eine geburtliche Vollstation mit drei Ärzten wie in Schleiden, die Kofinanzierungen etwa durch die Kommunen bräuchte. Oder aber es gibt eine Hebammenstation mit Vor- und Nachsorge vor Ort und allein die eigentliche Geburt wird in andere Häuser verlagert.“

Er kritisiert das Gesundheitssystem: „Die Kassen sind eigentlich gut gefüllt. Aber die Krankenkassen finanzieren lieber Trends wie Osteopathie oder Homöopathie.“ Das allerdigs hat für ihn nichts mit Daseninsvorsorge zu tun.

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