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Überfall auf Mann in Schutz: Angeklagter steht vor Gericht in Trier

Aus dem Archiv (5. Juni 2020) : Erster Prozesstag - Angeklagter in Trier vor Gericht

Das Verfahren gegen einen 46-Jährigen hat begonnen, der im Dezember 2019 sein Opfer in dessen Wohnung schwer verletzt und erpresst haben soll.

Dem Angeklagten (46), der vor dem Landgericht Trier steht, werden zwei Delikte vorgeworfen: schwere räuberische Erpressung und Körperverletzung. In der Anklage von Staatsanwältin Susanne de Renet heißt es: „Am 22. Dezember drang der Angeklagte zunächst gewaltsam in das Anwesen des Geschädigten in Schutz/Vulkaneifelkreis ein, bei dem er vom 25. August bis 1. Dezember 2019 gewohnt hatte. Im Haus schlug er sofort mit den Fäusten auf dessen Kopf ein und verlangte seine Ausweispapiere und Kleidungsstücke heraus. Anschließend ergriff er einen Schraubendreher und ein Messer aus der Küche und forderte die Herausgabe des im Haus vorhanden Bargeldes, worauf ihm der Überfallene rund 200 Euro aushändigte. Bei seiner anschließenden Flucht nahm der Angeklagte noch das iPhone des Überfallenen mit.“

Nach einer Fahndung spürte die Polizei den Angeklagten auf einem Feld zwischen Heuballen auf. Vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Trier berichtet ein Polizist als Zeuge: „Er war gerade dabei, sich mit dem Messer die Pulsadern aufzuschneiden.“

Das Überfallopfer – ein Schwede, der in Köln arbeitet – erlitt mehrere Prellungen und eine Platzwunde an der Stirn. Der Mann sagt, er leide noch heute an Angstzuständen und Albträumen und werde psychologisch betreut. Dann schildert er, dass er den Angeklagten über ein Internet-Portal für Homosexuelle kennengelernt habe. Dies bestätigen beide. Dort habe man offenbar vereinbart, dass der heutige Angeklagte, der aus Albanien stammt und zuletzt in Luxemburg wohnte, auf das Anwesen in Schutz ziehe und dort bei freier Kost und Logis beim Umbau des Gebäudes helfen solle.

Unklar bleibt, ob eine Geldvergütung vereinbart war und ob es zu sex­uellen Kontakten kam. Beim Geld sagt der Angeklagte „Ja“ und verneint den Sexkontakt; genau umgekehrt schildert der Geschädigte die Absprachen in seiner Aussage.

Der Angeklagte, der schon mal verheiratet war und nach eigenen Angaben bereits in Luxemburg einen Suizidversuch mit Tabletten überlebt hat, bestreitet, dass die bei ihm gefundenen 200 Euro vom Opfer stammen. Sie seien von seiner Freundin. Das Messer habe er „nur in die Tasche gesteckt – das war für meinen Selbstmord bestimmt“. Ein Beamter als Zeuge sagt dagegen aus: „Uns hat er nach der Festnahme erzählt, dass ihm das Geld aus der Arbeit beim Geschädigten zustand.“

Das Opfer schildert, wie er die Aufnahme des Angeklagten auf seinem Anwesen schnell bereut habe. „Der Mann ist jähzornig, kann plötzlich aggressiv werden“, sagt er. Am 1. Dezember 2019 sei es ihm gelungen, den „Gast“ rauszuwerfen. Dieser habe im Abgang gedroht, seine Katzen und die Nachbarin zu töten. 22 Tage später soll er gegen die Haustür getrommelt und sie mitsamt dem Hausherrn in Richtung Flur gedrückt haben. Das Drama habe mit den Faustschlägen und Tritten begonnen. Der Geschädigte: „Dann ist er nach oben gegangen, wohl, um Geld zu suchen. Mir gelang es inzwischen von außen, per Festnetz die Nachbarin anzurufen, die die Polizei verständigte.“

Aus Angst um die Katzen sei er wieder ins Haus zurückgegangen und dann dort mit einem Messer und einem Schraubendreher bedroht worden. Um den Angreifer zu beruhigen, habe er ihm das Geld gegeben und erst, als dieser weg war, gemerkt, dass sein iPhone weg war. Mit dieser Aussage endet der erste Tag des Prozesses vor dem Trierer Landgericht, der am Mittwoch, 10. Juni, um 9 Uhr, fortgesetzt werden soll.