1. Region
  2. Wirtschaft

"Diese Äpfel lachen jeden an"

"Diese Äpfel lachen jeden an"

Bei den Obstbauern in der Region Trier-Luxemburg ist die Stimmung gut: Eine durchschnittlich gute Ernte wird durch die sehr gute Fruchtqualität versüßt. Bei zwei Informationsveranstaltungen zeigten sich Experten und Landwirte zufrieden, die Ernte geht nun voll los.

Merzkirchen. Auf dem Hof und in der Obstanlage von Stefan Samson in Merzkirchen/Rommelfangen (Kreis Trier-Saarburg) sind die Experten unter sich. Da werden fachkundig die Äpfel zerteilt und die Schnitze in der Runde angeboten und sogleich kommentiert. "Der Apfel hat zu wenig Säure", meint ein Obstbauer, der seine neue Kreation extra mitgebracht hat, andere Landwirte bringen ebenso ihr Obst in die Runde und alle diskutieren über die Gala- und Elsteräpfel von Gastgeber Stefan Samson, unter dessen Bäumen die Runde steht.
Rund 20 Obstbauern aus der Region Trier-Luxemburg haben sich auf dem Saargau eingefunden, um mit Franz-Josef Scheuer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), Andreas Löbke von der Kooperation Region Obst Luxemburg-Trier (ROLT-EWIV) und Handelsvertretern über die diesjährige Ernte zu beratschlagen. Am Morgen hatten sich 17 Obstbauern im luxemburgischen Kehlen getroffen.
Dabei sind die Experten mit den regionalen Äpfeln und Birnen sehr zufrieden. Der Ertrag liegt zwar etwas unter dem durchschnittlichen Mittel, dafür ist die "Fruchtqualität sehr gut", wie Franz-Josef Scheuer verspricht. Die Obstbauern blieben in diesem Jahr weitestgehend von Frost verschont, doch der heiße Sommer hat auch sie gefordert. "Es war hier ganz wichtig, die Bäume zu wässern", sagt Scheuer. Rund 150 Liter an Niederschlag fehlten der Region. Da kommen die schweren Böden des Saargaus Obstbauer Samson zugute. "Auch wir mussten ordentlich gießen. Aber besser Wasser investieren und dafür nun schönes Obst ernten."
Die derzeitig kühlen Nächte und die warmen Sonnentage sorgen indes für eine schöne Ausfärbung der Äpfel. Franz-Josef Scheuer ist ganz begeistert: "Die lachen doch jeden Verbraucher an." Er und seine Kollegen von der Gartenbauberatung im DLR betreuen rund 70 Obstbauern in der Region, die vom Anbau leben (siehe Extra). Die meisten Betriebe bieten ihr Obst direkt ab Hof an oder betreiben auch mobile Verkaufsstände. Doch darüber hinaus haben sich auch 14 Landwirte zur Vermarktungsgemeinschaft ROLT-EWIV zusammengeschlossen. Das Projekt startete 2002 mit vier deutschen und drei luxemburgischen Landwirten. Als Partner nimmt die luxemburgische Handelskette Cactus mit seinen 20 Geschäften das Obst aus der Region auf. Für ROLT-EWIV-Geschäftsführer Andreas Löbke und Franz-Josef Scheuer ein Glücksfall. "Diese regionale Zusammenarbeit mit dem Handel ist beispielhaft", schwärmt Scheuer. Kurze Wege erlaubten, frisches, reifes Obst im Handel anzubieten ohne lange Lagerzeiten. Die Zusammenarbeit ist laut Löbke auch für die Erzeuger von Vorteil. "2002 wurden 80 Tonnen Kernobst verkauft, aktuell hat sich der Absatz versiebenfacht." Der Gesamtabsatz habe sich sogar um den Faktor 17 gesteigert. Unter dem Slogan "Eist Uebst - Us Uebscht" werden heute nicht nur Äpfel und Birnen angeboten, sondern auch Mirabellen, Zwetschgen, Tafeltrauben, Erdbeeren, Brombeeren Himbeeren und vieles mehr. Auch Gastgeber Stefan Samson hat sich durch die Zusammenarbeit ein weiteres Feld aufgebaut. Er stellt Apfelchips her und verkauft sie an Cactus und Rewe. Rund 16 Stunden trocknen die Apfelringe bei 74 Grad - ohne Zusätze - und werden dann in 100 Gramm-Packungen portioniert. Für Franz-Josef Scheuer ein gutes Beispiel, denn die regionalen Obstbauern müssten weiter innovativ bleiben, um erfolgreich zu sein. "Bei immer mehr Single-Haushalten könnten die Packungsgrößen ja auch mal kleiner werden und vielleicht ein grüner, gelber und roter Apfel sein", gibt er ein Beispiel.Extra

Obstbauer Franz-Rudolf Geiben fährt die Ernte ein, hier die Sorte Gala. Foto: friedemann vetter (ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"

Nachdem bei Erdbeeren und Kirschen in diesem Jahr eine gute Ernte eingefahren wurde, steht nun die Ernte des Kernobstes an. Dabei rechnen die Experten für Europa mit einer unterdurchschnittlichen Erntemenge, in Deutschland sogar mit einem Minus von 21 Prozent. Franz-Josef Scheuer vom Kompetenzzentrum Gartenbau im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz: "Im Mostobstbereich erwarten wir für Deutschland mit 450 000 Tonnen deutlich weniger Ertrag als 2014." Damals waren es rund 800 000 Tonnen. In der Region sieht es ganz anders aus: "Für die Region Trier erwarten wir eine gute Ernte, die etwas unter dem langjährigen Mittel liegt." Das DLR betreut und berät rund 70 Obstbauern in der Region Trier und auch im benachbarten Luxemburg. Diese Obstbauern bewirtschaften etwa 100 Hektar, mit 2000 bis 3000 Bäumen pro Hektar. Hinzu kommen noch etwa 60 Hektar intensives Wirtschaftsobst mit etwa 600 bis 800 Bäumen je Hektar. Die Betriebe in Luxemburg kommen mit weiteren 40 Hektar und intensivem Wirtschaftsobst hinzu. Diese Form des Obstanbaus ist nicht zu verwechseln mit normalen Streuobstwiesen. hw