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Unternehmen aus der Region im Fokus
Moccamedia weiß, was der Kunde sucht

 Cornelia Lamberty, Inhaberin und Vorstandsvorsitzende der moccamedia AG, ist mit dem neuen Unternehmenssitz in der ehemaligen Weinbaudomäne sehr zufrieden.
Cornelia Lamberty, Inhaberin und Vorstandsvorsitzende der moccamedia AG, ist mit dem neuen Unternehmenssitz in der ehemaligen Weinbaudomäne sehr zufrieden. FOTO: TV / Heribert Waschbüsch
Trier. Deutschlands innovativste Mediaagentur kommt aus Trier. Vor 30 Jahren gründete Cornelia Lamberty ihre Firma Moccamedia – heute setzt das Unternehmen mit 200 Mitarbeitern 462 Millionen Euro Mediavolumen jährlich um. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Ein moosgrünes Wählscheibentelefon stand am Anfang der außergewöhnlichen Unternehmensgeschichte. 1989 gründete Cornelia Lamberty mit Roland Dietz zusammen ihre Agentur. „Im Treff in Trier an der Uni hatten wir unser erstes Büro neben der Sparkasse und der Eisdiele“, erinnert sich die Inhaberin und Vorstandsvorsitzende von Moccamedia.

Als Luxus hatte das junge Team sich ein 15 Meter langes Telefonkabel gegönnt, „damit wir auch die Gespräche aus dem Eiscafe führen konnten“, wie sich Lamberty fröhlich erinnert. Das junge Unternehmen war aber nicht nur dort zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der erste Firmenwagen war ein ausrangiertes Bäcker­auto, ein alter Volvo, aber der erste Kunde war gleich ein ganz Großer: Mit RTL Radio startet Moccamedia ihre Promotionspremiere. Und die Luxemburger waren für das neue Unternehmen auch weiterhin sehr wichtig. „Für Astra-Satellitensysteme hatten wir gleich ein Netz mit 45 000 Händlern zu betreuen. Wir waren angekommen.“ Denn viele der Elektrofachhändler hatten von PR damals noch keinen blassen Schimmer, und Moccamedia bereitet sie darauf vor. Die regionale Kompetenz, die damals Moccamedia den Erfolg brachte, ist bis heute die größte Stärke des Unternehmens. „Wir sind in einer richtig guten Zeit gewachsen“, erinnert sich die Unternehmerin. Schnell folgten weitere internationale Konzerne, für die Moccamedia das Bindeglied zwischen großer nationaler Werbung und der vielschichtigen regionalen Werbung ermöglichte. Peugeot Deutschland, damals noch mit Sitz in Saarbrücken, setzte und setzt bis heute auf Moccamedia. „Wir betreuten bald auch eine Kampagne für rund 1300 Opel-Händler“, erklärt Cornelia Lamberty. Heute laufen die Kampagnen auf allen Werbekanälen – Funk, Plakate, Zeitungen oder Online. „Dabei unterscheiden sich die Aktionen oft, ob sie in Rheinland-Pfalz oder in Sachsen oder Bayern laufen.“ Jeder einzelne Händler bekommt genau abgestimmt das, was ihn erfolgreicher macht. Möglich ist das, weil Moccamedia eine außergewöhnliche Menge an Daten verarbeitet. „Wir können Laser-genau herausfinden, wie Kampagnen ankommen, wie sie wirken, und können nahezu in Echtzeit eingreifen, wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht“, erklärt die Vorstandsvorsitzende. Die Aufgabe sei es dabei, Werbung so gezielt an interessierte Kunden zu bringen, „dass der aufsteht und zum Händler kommt“. Mit Methodik und Fantasie gelingt das Moccamedia, und es hat dem Unternehmen sogar einen Guinnessbuch-Eintrag beschert. Um die Jahrtausendwende rief Moccamedia in einer Kampagne zu Probefahrten in einem Zwölf-Stunden-Zeitraum auf. 16 829 Interessierte machten bei der Aktion mit. „Damit waren wir im Guinessbuch der Rekorde, gleichzeitig haben die Fahrer das Auto kennen und schätzen gelernt und nebenbei haben wir noch Tausend Autos verkauft“, erinnert Lamberty an die Aktion. „Das hat bisher keiner getoppt.“ Der Eintrag hat weiter Bestand.“

Die notwendigen Informationen bezieht das Unternehmen aus vielen Kanälen, aus mehr als 20 000 Verkaufsstellen, von GfK-Auswertungen oder aus Marktmedia­daten und viel mehr. Vor allem aber hat moccomedia einen Datenschatz, der seit 30 Jahren immer weiter anwächst.

2016 erhielt das Unternehmen zudem den Marketing Intelligence and Innovation Award. Die Auszeichnung gab es für eine punktgenaue Kampagne für 361 Autohändler in vier Wochen. Über 250 000 Klicks führten Kunden auf die Seite mit zwei neuen Modellen, und fast 8500 Kunden kamen zu den Händlern. Die Auszeichnung freut Cornelia Lamberty ebenso wie die Tatsache, dass „inzwischen Google mit unserem Tool arbeitet“.

Auch deshalb wurde Moccamedia als bisher einzige Mediaagentur deutschlandweit zum Innovationsführer 2018 gewählt. „Professor Franke hat mich tagelang gelöchert, immer um 21 Uhr angerufen, und über unser Konzept ausgefragt“, erinnert sich Lamberty. So habe der Juror sie auch gefragt, welchen Vorsprung Moccamedia vor Mitbewerbern habe? „Ich denke, wir haben 28 Jahre Vorsprung, so lange sind wir am Markt und sammeln Daten und Erfahrungen und haben unsere speziellen Tools entwickelt.“ In Trier werkeln unter anderem 20 Analysten daran, in Jena (Lamberty: Wir haben hier in Trier keine Spezialisten bekommen.) sitzen 40 IT-Fachleute.

 Das Besprechungszimmer in der ehemaligen Weindomäne  ist das Lieblingszimmer von Cornelia Lamberty.
Das Besprechungszimmer in der ehemaligen Weindomäne  ist das Lieblingszimmer von Cornelia Lamberty. FOTO: TV / moccamedia

Inzwischen gehören 20 Automobilkonzerne aus aller Welt zu den Kunden des Trierer Unternehmens, Peugeot, Citroen, Opel, Volvo, Lexus, Nissan, Fiat und andere. „Wir haben uns einen Expertenstatus in der Branche verdient“, sagt Cornelia Lamberty. Neben der Automobilbranche betreut Moccamedia aber auch Kunden aus der Energiebranche, aus dem Food-Bereich, beispielsweise alnatura, oder dem Fashion-Bereich.

Mit dem wachsenden Erfolg ist das Unternehmen auch in Trier schon vier Mal umgezogen. Anfang der 90er-Jahre war der „Alte Tabakspeicher“ in der Hawstraße die berufliche Heimat für 15 Mitarbeiter, von da aus zog es Moccamedia nach Castelforte. So richtig heimisch fühlt sich Cornelia Lamberty allerdings jetzt in der ehemaligen Weinbaudomäne in der Sichelstraße. „Das Gebäude war in keinem guten Zustand als ich es mir angeschaut habe. Aber in einen Raum habe ich mich sofort verliebt, und ich wusste, das hier ist es.“

Bis zum Einzug 2013 gab es einiges zu tun, denn der Denkmalschutz war bei der Instandsetzung hautnah dabei. Der Aufwand hat sich zweifelsohne gelohnt, die 200 Mitarbeiter haben mitten in der Innenstadt einen tollen atmosphärischen Arbeitsplatz – allerdings mit einem Makel. „Der Platz wird uns schon wieder zu eng. Wir sind dabei Räume im Umfeld anzumieten“. sagt Cornelia Lamberty. Denn ein gutes Arbeitsumfeld ist für die Unternehmenschefin ein Detail zum Erfolg. „Wir hätten an keinem anderen Ort so erfolgreich sein können wie in Trier“, findet Cornelia Lamberty. Die Mitarbeiter kommen zum großen Teil aus der Region oder haben hier studiert. Das Unternehmen umschmeichelt seine Mitarbeiter allerdings nicht nur mit schönen Räumen. Über eine eigene firmeneigene Akademie werden Fortbildungen angeboten. Alle fünf Jahre hat jeder Mitarbeiter Anrecht auf ein Sabbatical in Form von vier zusätzlichen Wochen bezahlten Urlaubs. Wer zehn Jahre bleibt, bekommt eine Unternehmensaktie geschenkt und wird so zum Mitinhaber. „Mir ist es wichtig, dass die Mitarbeiter sich wohl fühlen und Familie und Beruf gemeinsam meistern können“, erklärt die Unternehmerin. Und für den reibungslosen Wiedereinstieg junger Mütter hat Lamberty schon vor Jahren durch eine Kooperation mit zwei Kitas sowie einem speziellen Fahrdienst gesorgt.

Denn am Ende der Entwicklung ist Moccamedia auch nach drei Jahrzehnten längst nicht angekommen. Unter dem Dach der AG stehen drei weitere GmbH (siehe Extra) und noch in diesem Jahr wird die Moccamedia international gegründet, kündigt die Vorstandsvorsitzende an.

„Wenn wir weiter wachsen, werden wir weitere Töchter gründen und Kompetenzen auslagern.“