Zu wenige Unternehmer schützen sich gegen Betrügereien im Betrieb

Zu wenige Unternehmer schützen sich gegen Betrügereien im Betrieb

Ob Betrug oder Unterschlagung: Im Mittelstand schützen sich nur wenige Unternehmen vor Regelverstößen durch ihre Mitarbeiter. Dabei sind im internationalen Geschäft Standards eine Pflicht.

Sabine Plate-Betz, Geschäftsführerin der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) mit 420 Mitgliedern, sagt: "Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle aber besser." Sie weiß, wovon sie spricht. Denn Plate-Betz hat in den Betrieben der Region einen Trend zur Kompetenzüberschreitung und persönlicher Vorteilsnahme durch die Mitarbeiter ausgemacht. "Gerade in kleinen Betrieben bündeln sich die Aufgaben in der Hand weniger, in vielen Bereichen ist nur eine Person entscheidend", sagt die VTU-Geschäftsführerin.

Folgen: Imageschäden sowie hohe Kosten für die Betriebe, vor allem durch Unterschlagung, "hin und wieder in der Region Trier sogar im Millionenbereich", sagt Plate-Betz. Deutschlandweit beträgt der jährliche Schaden durch Wirtschaftskriminalität mehr als sechs Milliarden Euro. Jedes zweite Unternehmen ist laut der Beratungsfirma PwC betroffen.

Doch kaum ein Mittelständler ist gegen Mitarbeiterschmu gewappnet. 90 Prozent von ihnen gaben in einer Umfrage von Kloepfel Consulting zwar Risiken zu, doch nur jeder zweite setzte auf ein festes Regelwerk. Solche Standards und Compliance-Richtlinien (compliance heißt auf Deutsch so viel wie Regeltreue) gibt es in den USA seit den 1980er Jahren - als System gegen Geldwäsche und Korruption.

Auch in Deutschland gibt es nach Schmiergeldskandalen wie bei Siemens und Betrugsfällen solche Kontrollsysteme. Die Bitburger Braugruppe etwa sieht darin einen "strategischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz". Für die Luxemburger Finanzbranche bedeuten mehr Regeln eine Vereinheitlichung ihrer Dienstleistungen. "Für Kreditinstitute gibt es immer weniger Sonderwege, weil europaweit die Regeln für alle gleich sind", sagt Walter Koob, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Das größte Risiko des Finanzplatzes sei deshalb schlechtes Image. Allerdings hänge die Regulierung den Verstößen immer hinterher. "Und man muss schon die Frage stellen, ob man übertreibt", sagt Koob. Die Regelflut habe Pleiten und Betrug nicht verhindern können.