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Waldis Rückkehr - oder: Gerd Hilgerts heimlicher Traum

Waldis Rückkehr - oder: Gerd Hilgerts heimlicher Traum

Im hohen Sportler-Alter von 50 Jahren absolvierte Jan-Ove Waldner vor wenigen Wochen sein letztes Pflichtspiel in der ersten schwedischen Liga. In Trier, bei Gelb-Rot, war der Mann aus dem hohen Norden, den viele auch heute noch für den genialsten Tischtennis-Spieler seiner Zeit halten, Dauergast. Der Traum, Waldner und die einst Besten ihrer Zunft hier noch einmal aktiv zu erleben, lebt immer noch.

Trier/Stockholm. Das, was da im Jahr 1989 im Programmheft der Trierer Tischtennis-Stadtmeisterschaften zu lesen stand, war einmalig für ein privates Einladungsturnier - und ist es bis heute auch geblieben. Die legendäre Veranstaltung des TTC Gelb-Rot hatte - zum wiederholten Male nach der Premiere im Jahr 1984 - das Attribut des Deutschland-Cups vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) erhalten. Und so kam es, dass vor genau 27 Jahren die drei Erstplatzierten der Weltrangliste bei Gelb-Rot an die Platte traten: Jan-Ove Waldner, Jörgen Persson (beide Schweden) und Andrzej Grubba (Polen). Mit der kompletten schwedischen Nationalmannschaft (zusätzlich Mikael Appelgren) ging dann auch noch der amtierende Mannschafts-Weltmeister in der rappelvollen Sporthalle am Mäusheckerweg an den Start. "Lange vorbei", sagt Gert Hilgert knapp, wenn man ihn auf diese Zeit anspricht. Der heute 66-Jährige war von 1972 - damals noch gemeinsam mit Wolfgang Hess - und ab 1983 bis 2010 allein verantwortlich Turnierleiter der Trierer Tischtennis-Stadtmeisterschaften, des bestbesetzten privaten Turniers weltweit.
Hilgert war es, der gemeinsam mit dem damaligen Gelb-Rot-Vorsitzenden Heinz Guillaume (heute 88), bei einem Turnier im damaligen Jugoslawien den ersten Kontakt mit dem damals 16-jährigen Waldner herstellte. Hilgert erinnert sich mit Schmunzeln an den schon früh geschäftstüchtigen jungen Mann. "Waldi war ja immer ein großer Schweiger gewesen, und damals konnte er ja noch kein Wort Deutsch. Als wir im Auto vom Frankfurter Flughafen zurückfuhren, fragte er zum Schluss mit ein paar Brocken Englisch, ob wir nicht Interesse an einem nagelneuen Porsche hätten. Den hätte er bei einem Turnier gewonnen, aber er wäre ja noch zu jung zum Auto fahren." Aus dem ersten scheuen Kontakt wurde jahrelange Freundschaft.
Am vergangenen Samstag stand der Schwede bei den sogenannten Energis-Masters in Saarlouis noch einmal an der Platte. Und das lässt dem umtriebigen Gerd Hilgert offensichtlich keine Ruhe. Denn der Kontakt zu Waldner, oder auch zu Persson, ist nie ganz abgerissen. "Die schwärmen immer noch von Trier, wenn wir uns treffen, und fragen, warum es das Turnier nicht mehr gibt." Eine Frage, die schnell beantwortet ist. Hilgert weiß: "Es mangelt einfach an Sponsoren. Ich habe Waldi schon mal im Scherz gefragt, ob er das nicht sponsern wolle."
Sein Traum, sagt Hilgert, sei es immer noch, in Trier ein kleines, aber feines Turnier mit den acht besten Spielern und Spielerinnen dieser Zeit auf die Beine zu stellen. "In der Arena ginge das ja."
Aber er weiß auch, wie schwierig das zu finanzieren ist: "Der letzte Deutschland-Cup mit den weltbesten Spielern hatte damals ja schon ein Budget von 170 000 Mark gehabt."
Der Turniersieg in Trier gelang Waldner, der zwischen 1984 und 1987 für den damals dominierenden Bundesligisten ATSV Saarbrücken aufschlug, übrigens nur ein einziges Mal: im Jahr 1997. Vielleicht, wenn der unerfüllte Traum von Gerd Hilgert doch noch wahr werden sollte, kann er ja seinen Erfolg in Trierer 20 Jahre später noch einmal wiederholen. Das wäre dann nicht am Mäusheckerweg, sondern in der Arena. Das Konzept steht, nur eine Kleinigkeit fehlt noch: Es muss "nur noch" finanziert werden.