1. Dossier

Alle wollen die "Super-Nanny"

Alle wollen die "Super-Nanny"

Die "Super-Nanny" aus der RTL-Fernsehserie geht für die SPD auf Wahlkampftour. Dabei will die 37-jährige Diplom-Pädagogin und Musiktherapeutin Katia Saalfrank sozialdemokratische Familienpolitik erläutern und mit Eltern diskutieren.

Berlin. Die Witzchen, die jetzt in Berlin die Runde machen, liegen ja auf der Hand: Peter Zwegat zum Beispiel, RTL-Schuldnerberater, könne doch getreu seinem Motto "Raus aus den Schulden" auch für die SPD in den Wahlkampf ziehen - Finanzminister Peer Steinbrück werde Unterstützung gebrauchen. "Nein", konterte gestern SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, "das haben wir nicht vor". Kathrina Saalfrank (Foto: dpa), bundesweit bekannt als die "RTL-Super-Nanny", soll vorerst der einzige prominente Wahlkampf-Schachzug bleiben. Trotzdem noch ein Witzchen: Streiten, Hauen, Schreien und Trösten, also all das, was die Diplom-Pädagogin in ihrer Sendung erlebt, passt auch irgendwie zum Zustand der SPD, meinen Beobachter. Selten so gelacht. Kaum wurde am Wochenende bekannt, dass die telegene Erziehungsberaterin den Genossen bis zur Wahl bei acht Veranstaltungen zum Thema Bildung und Familie unter die Arme greifen will, steht offenbar das Telefon im Willy-Brandt-Haus nicht mehr still: Fast jeder Ortsverein möchte Saalfrank für einen Auftritt engagieren. 100 Anfragen gab es bereits innerhalb weniger Stunden. Die Fernsehfrau, so das Kalkül, wird das schaffen, was den Genossen momentan nicht so richtig gelingen will: Wähler anziehen. Sie sei keine Politikerin, sondern ein "politischer Mensch", beteuerte Saalfrank gestern bei ihrer Präsentation. Immerhin ist sie schon zwölf Jahre in der SPD, geködert und überzeugt wurde sie nach eigenen Angaben von Gerhard Schröder, von dessen Reform-Politik sowie seinem Engagement für die Schwächeren in der Gesellschaft. Schade nur, dass nicht jeder in der SPD das so sieht.

Politik, so die "Super-Nanny" weiter, sei für sie nur etwas Abstraktes, sie könne sich deshalb auch nicht vorstellen, die Rollen zu tauschen. "Ich gehöre nicht dem Schattenkabinett an und habe es auch nicht vor", wies Saalfrank Spekulationen zurück, sie schiele sogar auf das Familienministerium nach der Wahl. Fest steht: Der Frau aus dem Fernsehen glauben die Leute augenscheinlich eher, dass sie weiß, wovon sie redet, und dass sie weiß, was Familien brauchen. Die 37-Jährige bringe ja schließlich auch "eine unglaubliche Kompetenz" mit, lobte Generalsekretär Heil überschwänglich, und ein "Einfühlungsvermögen als Profi".

Womit er gestern indirekt das eigentliche Problem des Nanny-Engagements ansprach: Gibt es in der SPD keine Köpfe, die glaubwürdig das Thema Familie repräsentieren können? Saalfrank habe ihm die Mithilfe angeboten, unterstrich Heil. Soll heißen: Wenn schon ein Promi will, dann kann man das auch nicht ausschlagen. Sowohl Saalfrank als auch Heil hatten zudem Lob für die noch amtierende CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen parat: "Ich schätze sie und finde, dass sie gute Politik macht", so die Nanny. Allerdings führe sie nur das fort, was die SPD vor der Großen Koalition angestoßen habe. "Das ist nicht unsympathisch, wie sie auftritt", konstatierte sogar Heil. Das klang allerdings alles so, als ob alle in der Partei nur auf eine wie Saalfrank gewartet haben, um gegen von der Leyen zu punkten. Die Familienpolitiker in der SPD dürften sich bedanken.