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Gute Radfahrer auf dem Weg ins OB-Amt

Gute Radfahrer auf dem Weg ins OB-Amt

So viel steht knapp vier Wochen vor der Wahl (28. September) fest: Triers nächstes Stadtoberhaupt ist ein guter Radfahrer oder eine gute Radfahrerin. Den Praxistest vor der TV-Veranstaltung auf dem Kornmarkt haben Fred Konrad (Grüne), Wolfram Leibe (SPD) und CDU-Kandidatin Hiltrud Zock mit Bravour bestanden.

Trier will eine radfahrerfreundliche Stadt sein, ist es aber nicht. Das haben die drei Bewerber um das Oberbürgermeister-Amt gestern hautnah erfahren. Den Weg zur von den Redakteuren Rainer Neubert und Michael Schmitz moderierten TV-Wahlveranstaltung zum Thema Verkehr auf dem Kornmarkt legten die CDU-Kandidatin Hiltrud Zock sowie Wolfram Leibe (SPD) und Fred Konrad (Grüne) per Velo zurück, jeder in Begleitung eines Vorstandsmitglieds des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) Trier, und jeder auf einer festgelegten anderen Route. Die Erkenntnis war aber stets dieselbe: Das Radwegenetz ist lückenhaft, oft uneindeutig ausgeschildert und an manchen Stellen nicht ohne Risiko zu befahren, etwa in der Saar- oder Paulinstraße.

Hiltrud Zock riskierte ihre halbstündige Tour durch die Nordstadt ohne Helm - und machte laut ADFC-Begleiter Fabian Bauer "ihre Sache sehr ordentlich. Man merkt, sie ist keine Sonntagsfahrerin." Dennoch gab es "Abzüge in der B-Note" (Bauer): "Sie hält oft zu wenig Abstand." Die CDU-Kandidatin konterte geschickt: "Dafür bestehe ich nicht auf meiner Vorfahrt, wenn's brenzlig werden könnte."

Wolfram Leibes Südstadt-Route erwies sich als stressfreier, brachte aber einige Aha-Momente mit sich: "Ich wundere mich, dass man schief angesehen wird, wenn man als Radfahrer die Innenwege des Alleenrings befährt. Dass Grünanlagen befahrbar sind, hat der Stadtrat längst entschieden." Die Radlerkünste des SPD-Manns bewertete Matthias Bellmann mit den Worten: "Er schlägt sich gut, ist routiniert."

Dasselbe Urteil hatte ADFC-Begleiter Stefan Zimmer für den Grünen-Kandidaten Fred Konrad nach der Fahrt durch Heiligkreuz und die östliche Altstadt parat. Einschränkung: "Er fährt oft zu dicht an Autos vorbei." Was Konrad seinerseits als dem oft beengten Verkehrsraum geschuldet sieht. Lösungsmöglichkeit: zum Beispiel Einbahnregelungen für den Autoverkehr in der Saar- und Paulinstraße: "Das würde die Situation entschärfen." Auch Fred Konrad äußerte sein Erstaunen über das Rudimentär-Radwegenetz: "In der Weberbach erfährt der aus Richtung Stadtbad kommende Radfahrer nicht mehr, wie es jetzt offiziell weitergeht."

Die TV-Veranstaltung auf dem Kornmarkt zog rund 150 Besucher an. Einer von ihnen, Peter Terges aus Olewig, hätte die Kandidaten lieber auf eine andere Route geschickt: "Von Tarforst her über die Gustav-Heinemann-Straße ins Tal. Da wäre es ihnen gegangen, wie den vielen anderen Radlern, die dort 'runtergeschossen kommen' und sich plötzlich mitten im dicksten Autoverkehr wiederfinden." Terges kritisierte die Verkehrsplanung in Trier als Stückwerk: "Beim Bau der neuen Weinbergsmauer in der Olewiger Straße hätte bequem auch ein Radweg oder eine Busspur angelegt werden können. Stattdessen wurde unnötigerweise der Fußgängerweg verbreitert."

Harte Kritik an "rücksichtslosen bis aggressiven Radfahrern in der Fußgängerzone" übte Adele Lösel. Konsequentere Kontrollen zum Schutz von Fußgängern bejahten alle drei Kandidaten. Sie appellierten aber gleichsam an alle Verkehrsteilnehmer, sich fair gegenüber anderen zu verhalten. Konrad: "Es gibt leider auch viele rücksichtslose Autofahrer und Fußgänger."

Gute Radfahrer auf dem Weg ins OB-Amt
Foto: Frank Göbel



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