Rocco del Schlacko am Freitag: Matschparty auf den Sauwasen (Fotos)

Musik : Rocco del Schlacko am Freitag: Matschparty auf den Sauwasen (Fotos)

Kurze heftige Schauer verwandeln das saarländische Festival Rocco del Schlacko am zweiten Tag in eine nasse, schlammige Angelegenheit – der Feierlaune tat dies keinen Abbruch. Am heutigen dritten Festivaltag lassen unter anderem Frank Turner, Bullet for my Valentine und The Offspring die Bühne beben.

Regen – Who cares? Im Köllerbachtal hat das Festivalvolk jede Menge Glück, denn abgesehen von kleinen, aber heftigen Schauern, die einen bis auf die Unterhose durchweichen, zieht das Unwetter, das Reste des Südwestens (insbesondere Luxemburg) stark trifft, genau am Rocco del Schlacko vorbei.

Dementsprechend: Kein Abbruch, lediglich am frühen Abend gibt es eine kleine Pause auf dem Ponyhof. Schlechte Nachrichten gibt es dagegen für alle Fans von Skindred: Die Briten haben Probleme mit ihrem Flug und müssen ihren Auftritt absagen. Dadurch spielen die ersten Bands etwas später. Zwischen Lumbematz, die schon früh auf dem Ponyhof den Freitag eröffnen und Van Holzen (deutschsprachiger Rock) auf der Hauptbühne klafft eine einstündige Pause. Auf den Sauwasen herrscht noch träge Stimmung vor der Bühne. Viele Festivalbesucher sitzen am Boden und entspannen vor dem zweiten Rocco-Tag. Dave Hause and the Mermaids (US-Singer-Songwriter) lockt ein paar mehr Menschen vor die Bühne, muss aber auch einen ersten Regenschauer über sich ergehen lassen. Regencapes oder ähnliche Gebilde aus Mülltüten sorgen dafür, dass manche im Publikum etwas trockener bleiben.

Um 19.10 Uhr ist der Platz vor der Hauptbühne proppevoll. Der simple Grund: Die Donots. Rocco-Dauergast ist die Punk-Rock Band aus Ibbenbüren und vermutlich jeder feiert die Westfalen. Zum achten Mal spielen sie bei dem Festival und man glaub Sänger Ingo Donot, dass er jedes Jahr gerne zurück ins beschauliche Saarland kommt. Die Fans danken es mit einer ausgelassenen Feier, die jeden Regen vergessen lässt: Bis zu neun Moshpits bilden sich in der Menge, immer wieder werden große Kreise in der Menge gebildet, in der das Publikum pogend alles raus haut was geht. Crowdsurfer lassen sich auf Händen tragen und auch Ingo lässt es sich nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen. Doch nicht nur die Band ist kein unbekannter Gast, sondern auch der „Erdbeermann“. Der junge Herr ist zum wiederholten Mal beim Festival dabei und fällt in seinem Erdbeer-Kostüm eben auf – das feiert die Band genauso wie das Publikum. Doch er ist nicht der einzige mit auffälliger Kleidung und so sammeln sich auf der Bühne gegen Ende des schweißtreibenden Auftritts mehrere Gestalten: Eine Kuh, ein pinker Hase und der grüne Gorilla. Die Donots starteten Verkupplungsversuche und alle dürften sich auf kommendes Jahr freuen: Vielleicht präsentieren Hase und Gorilla dann ihren Nachwuchs.

Nach den Donots ist das Publikum definitiv warmgetanzt, aber auch ordentlich durchnässt. Gegen Ende des Sets schüttet es wieder wie aus Eimern. Etwas beschaulicher und trockener geht es dann bei Von wegen Lisbeth zu. Die Indie-Popper aus Berlin setzen auf deutschsprachige Musik mit elektronischen Elementen und lassen vor dem Headliner des Tages noch einmal ein bisschen verschnaufen.

Denn um 22.40 Uhr entern Urgesteine der deutschen Musikgeschichte zum ersten Mal die Bühne des Rocco del Schlacko. Die Toten Hosen locken etliche Festivalbesucher auf die Sauwasen. Frontmann Campino liefert mit seinen Wegbegleitern eine gewohnt gute Show ab, auch wenn die neueren Songs allesamt ausgesprochen poppig daherkommen und das richtige Punk-Gefühl doch nicht so ganz aufkommen mag. Dafür freuen sich insbesondere die Fans der früheren Werke über Klassiker wie „Hier kommt Alex“, „Bonny und Clyde“ oder „Eisgekühlter Bommerlunder“. Eine zweistündige Party überzeugt die Festivalbesucher allesamt.

Dadurch, dass nach dem Headliner niemand mehr auf der großen Bühne spielt, kommt es leider immer wieder zu einem leichten Stau durch den Waldweg, der zum Festivalausgang, vor allem aber zum Ponyhof führt. Ein leichtes Manko für Fans von Muff Potter, die im Anschluss eben dort spielen. Die Band aus Rheine gibt es fast schon so lange wie die Hosen, nur dass sie eine lange Pause eingelegt hatten und erst seit Anfang 2019 wieder gemeinsam auftreten. Mit deutschsprachigem Alternative-Punk wissen sie die Fans auf dem Ponyhof zu begeistern, die bei Songs wie „Die Guten“, „Wenn dann das hier“ oder „Alles nur geklaut“ die letzten Reserven rauslocken.

Schlammverschmiert, aber glücklich geht es für viele danach zum Campingplatz oder nach Hause – bis dann der dritte und letzte Tag anbricht und die Party weitergeht (oder nie aufgehört hat).

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