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Kommentar: Eine Frauenquote wäre nur eine Scheinlösung

Kommentar: Eine Frauenquote wäre nur eine Scheinlösung

Eine Quotenfrau ist die EU-Vizepräsidentin Viviane Reding nicht. Lange war sie Quoten gegenüber skeptisch. Aber die mangelnden Fortschritte bei Gleichstellungsfragen haben sie umdenken lassen.

Zu wenige Frauen schaffen es ins Topmanagement und die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen. Nur zwölf Prozent der Aufsichtsratspositionen sind in der EU derzeit mit Frauen besetzt. In Deutschland liegt nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen bei 3,2 Prozent. Für EU-Grundrechts- und Justizkommissarin Reding und den EU-Binnenmarktkommissar Michael Barnier viel zu wenig, um weiter auf Selbstverpflichtungen der Unternehmen zu setzen.
In Deutschland hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Rücksicht auf die Regulierungen abholde FDP gegen die Befürworterin einer gesetzlichen Quote, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, gestellt. Sie unterstützt Familienministerin Kristina Schröder, die es mit einer Flexiquote versuchen will. Darunter ist die Pflicht zur Selbstverpflichtung zu verstehen. Die Firmen sollen keine starre Einheitsquote erfüllen, sondern sich selbst Zielquoten geben. Tun sie es nicht, sieht das Gesetz Sanktionen vor. Schröder setzt aber darauf, dass der Wettbewerb zu attraktiven Quoten führt. Das Beispiel der Telekom und anderer Unternehmen, die bereits jetzt verstärkt Frauen für Leitungspositionen rekrutieren, gibt Schröder recht.

Eine gesetzliche Quote, nach der Frauen bei gleicher Qualifikation männlichen Bewerbern vorzuziehen sind, könnte in Einzelfällen zu einer grundgesetzwidrigen Männerdiskriminierung führen. Die Unternehmen müssen wettbewerbs- und leistungsstark sein. Deshalb sollten allein Qualifikation und Leistung über die Besetzung von Führungspositionen entscheiden.

Das spricht nicht gegen mehr Frauen in Führungspositionen. Aber der Gesetzgeber sollte bei Frauen wie Männern autonome Lebens- und Berufsentscheidungen respektieren. Karriere ist nicht alles, Kinder und Familie sind wichtige Lebensziele - gerade in der geburtenarmen "Altenrepublik Deutschland". Eine Frauenquote wäre eine Scheinlösung, weil sie das Hauptziel des familienfreundlichen Unternehmens auf die Repräsentanz in den Führungsgremien verkürzt. Es geht um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf - durch familienfreundliche flexible Arbeitszeiten, attraktive Teilzeitarbeit, Telearbeit, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Pflegezeiten, partnerschaftliche Teilung von Haus- und Familienarbeit. Die Erfüllung einer Quote in Führungsgremien durch zumeist kinderlose Akademikerinnen darf kein Alibi sein, keine weiteren effektiven Gleichstellungsmaßnahmen zu unternehmen.

Es gilt den Teufelskreis zu durchbrechen, zwischen Familie und Karriere wählen zu müssen. Dieser beginnt viel früher als auf der Ebene des Vorstands oder der leitenden Angestellten. Er fängt bereits bei Jobs an, für die noch die Verpflichtung des Betriebsrats gilt, die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichstellung zu fördern. Freiwillige Betriebsvereinbarungen wie bei der Telekom gibt es ebenso wie die teilweise übertragbaren Lösungen aus den Gleichstellungsberichten der öffentlichen Verwaltung, Hochschulen und Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Quotendiskussion kann helfen, menschliche Einstellungen zu verändern, Rollenklischees aufzubrechen, den Wettbewerb der Unternehmen um die Fachfrau und Managerin zu fördern. Auf diesen Wettbewerb, gestärkt durch den Wob-Index (Frauen an Bord) und Gleichstellungskapitel in den Geschäftsberichten, sollten wir vertrauen. Wer sich im Handwerk oder in kleineren Betrieben umschaut, weiß ohnehin: Hinter manchem erfolgreichen Mann steht eine Frau.

Der Autor ist ehemaliger Handelsblatt-Chefredakteur.