Die regionale Karte verspielt

Die regionale Karte verspielt

Der Milchriese Arla will die viertgrößte deutsche Molkerei, die Muh in der Eifel, schlucken. Ein Paukenschlag ist das ganz sicher, aber ist es auch eine gute Nachricht für Bauern und Verbraucher? Klar ist, anschließend wird alles anders sein, gefühlt und tatsächlich.

Pronsfeld ist dann nur noch einer von vielen Produktionsstandorten, die Entscheidungen fallen nicht mehr vor Ort, sondern in Düsseldorf oder Dänemark. Arla frisst die Muh, das heißt, Goliath schluckt David. Und das ist zunächst einmal ziemlich bitter. Der neue Werkleiter der Eifel-Molkerei ist nicht mehr Orchesterchef, sondern stellt noch ein paar Musiker für das große Konzert.
Die entscheidende Frage ist, ob schiere Größe am Ende wirklich der dominierende Faktor für Marktmacht ist, ob sich bessere Butter- und Milchpreise nur so gegenüber den Handelsriesen durchdrücken lassen.
Zumal eine andere, eine regionale Lösung viel nähergelegen hätte, zum Greifen nah sozusagen. Seit Jahren warten viele Bauern der Region und auch die Politik im Land vergeblich auf die Fusion der Molkereien Muh und Hochwald in Thalfang. Warum daraus nichts geworden ist, hat bis heute keiner der Verantwortlichen schlüssig erklären können oder wollen. Denn das wäre das wirklich ganz große Ding gewesen. Die beiden einzigen rheinland-pfälzischen Molkereien kämpfen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gemeinsam auf dem schwierigen Milch- und Lebensmittelmarkt um Kunden, Käufer und nicht zuletzt um Milchpreise, von denen die Bauern leben können.
Zwar hat Arla mehr Geld versprochen, aber wie weit diese Zusagen zu halten sind auf einem Markt, der in Milch schwimmt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Garantiert ist da gar nichts, erst recht nicht ab 2015, wenn mit dem Ende der Milchquote auch die letzte Schranke für eine unbegrenzte Produktion fällt.
Dennoch: Die Riesenchance auf eine zukunftsweisende regionale Molkerei-Lösung ist seit gestern wohl endgültig Geschichte. Es sei denn, die Bauern machen den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung und lassen die Elefantenhochzeit im letzten Moment platzen. Ausgeschlossen ist das nicht. 2006 haben sie es schon einmal erfolgreich praktiziert. Damals scheiterte die geplante Fusion mit der Molkerei Humana am entschiedenen Widerstand der Muh-Bauern. Auch damals hatten die Verantwortlichen im Vorfeld von Zukunftssicherung mit einem starken Partner, von viel besseren Marktchancen und guten Milchpreisen gesprochen. Die meisten Landwirte haben den Prophezeiungen seinerzeit nicht geglaubt. Ob das diesmal anders ist? Möglich ja, aber sicher ist das keineswegs.
d.schwickerath@volksfreund.de