Lug und Trug

Das war gestern ein Paukenschlag, mit dem SPD-Mann Michael Hartmann den Edathy-Untersuchungsausschuss überrascht hat. Zur Sache, gar zur Klärung von Widersprüchen bei seiner ersten Aussage wollte Hartmann nichts sagen, weil mehrere juristische Verfahren gegen ihn eingeleitet worden sind.

Das ist sein gutes Recht. Das darf man auch nicht kritisieren.
Was man aber schon beanstanden muss, ist die Art und Weise, wie Hartmann gestern dem Ausschuss seine Haltung präsentiert hat - garniert mit harschen Vorwürfen. Das war politisch ein beispielloser Affront. Damit hat sich der in der Edathy-Affäre ebenfalls ins Zwielicht geratene Genosse keinen Gefallen getan, weil er so selbst seine Glaubwürdigkeit weiter erschüttert hat.
Es dürfte nun nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die eigene Partei deutlicher als bislang auf Abstand geht. Denn die Affäre hängt wie ein Damoklesschwert über den Sozialdemokraten.
Hartmann hat nicht aufgeklärt, wie es von ihm erwartet worden war - sondern noch eine Schippe Kleister draufgelegt. Das werden ihm die Genossen so schnell nicht verzeihen.
Hartmanns Fall ist allerdings nur eine Facette in der Affäre um den unter Kinderporno-Verdacht stehenden Ex-Abgeordneten Sebastian Edathy. Es geht um Lug und Trug in der Politik. Um Geschwätzigkeit, um Postenkampf und das Vertuschen von eigenen, vielleicht sogar strafrechtlich relevanten Versäumnissen.
Ein besseres Drehbuch für einen Film gibt es eigentlich nicht. Denn was der Untersuchungsausschuss bisher an Ungereimtheiten ans Tageslicht gebracht hat, hat so keiner erwartet.
Erinnert sei nur daran, dass vor allem die Sozialdemokraten das Gremium für überflüssig gehalten haben - heute kann man sich denken, warum. Und heute muss man konstatieren: Gut, dass es den Ausschuss gibt.
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