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Leserbriefe
Große Unzufriedenheit, große Unsicherheit

Zum Artikel „Der Druck muss jetzt  im Kessel bleiben“ (TV vom 27. April) schreibt Martin Sievers:

Die Berichte über die Zukunft der Hochschullandschaft an sich und der Trierer im Besonderen enthielten viele wichtige Punkte, um die Attraktivität von Forschung und Lehre zu steigern. Leider wird (wieder einmal) nicht auf einen aus meiner Sicht sehr wesentlichen Punkt eingegangen: die befristete Beschäftigung in der Wissenschaft. Mittlerweile sind über drei Viertel der wissenschaftlichen Mitarbeiter befristet beschäftigt, sie haben in der Regel Verträge zwischen einem Monat (ja, das gibt es) und drei Jahren, viele davon in Teilzeit. Auch wenn sie Folgeverträge erhalten, müssen nichtpromovierte Mitarbeiter – selbst, wenn sie nie die Möglichkeit zur Promotion hatten – gemäß Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) nach insgesamt sechs Jahren die Universität verlassen. Einziger Ausweg bleibt die überwiegende Finanzierung durch (ebenfalls befristete) Drittmittel, was aber auch bedeutet, dass entweder Stellen nur pro forma besetzt werden, um Mitarbeiter zu halten, oder aber bisherige Aufgaben, etwa in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Instituts, von anderen übernommen werden müssen. Eine große Fluktuation und Kompetenzabwanderung sind die Folge sowie eine große Unzufriedenheit und Unsicherheit. Die Auswirkungen sind aber auch für die Gesellschaft insgesamt gravierend: Studien belegen schon seit Jahren, dass für sehr viele der so beschäftigten Mitarbeiter das unsichere Arbeitsverhältnis ein Hauptgrund für dauerhafte Kinderlosigkeit ist!

Die Politik nimmt sich des Themas  – wenn überhaupt – nur außerhalb der Wissenschaft an. Dabei könnte der Staat, könnten die Bundesländer als Arbeitgeber an den Hochschulen unmittelbar für bessere Verhältnisse der Arbeitnehmer sorgen. Hier müsste, in Anlehnung an die Aussage des Präsidenten der Universität Trier, der Druck im Kessel schnell aufgebaut werden und dann bleiben.

Martin Sievers, Trier