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Leserbriefe
Konsequente Selbstbeweihräucherung

Zur Berichterstattung über die Einführung der Biotüte in der Region, insbesondere zum Artikel „Akzeptanz der Biotüte wächst“ (TV vom 27. April), schreibt Stephan Müllers:

Die Biotüte, ein Erfolg? Definitiv nein! Mittlerweile ein echt langweiliges Thema, und sicherlich hat unsere Gesellschaft bedeutsamere Dinge, über dir wir uns Gedanken machen sollten. Aber die konsequente Selbstbeweihräucherung des Abfallzweckverbandes zum selbsternannten Erfolg des jämmerlichen Biotütchenmodells nervt einfach nur noch.

Ist es diese scheinbar herrschende eingeschränkte Realitätswahrnehmung gepaart mit der beharrlichen Wiederholungsliturgie vermeintlich alternativer Fakten oder diese manipulative Wirkung auf Politik und Gesellschaft als Lehrstück der politischen Psychologie? Das schreit doch förmlich nach einer Kommentierung.

Da wird stolz eine Erfassungsmenge von zwölf Tönnchen Biomüll pro Woche verkündet. Dabei stellt diese Menge gerade einmal zehn Prozent der selbst gesetzten Zielgröße von 5000 Tonnen pro Jahr dar oder lächerliche ein Prozent der über eine flächendeckenden Biotonne erfassbaren Menge. Eine Leistungsfähigkeit sieht anders aus und gleicht eher der Einführung homöopathischer Denkansätze in der Abfallwirtschaft. Dazu die Vernachlässigung der Tatsache, dass dieses System überwiegend außerhalb des Gebührenhaushaltes über die Fahrtkosten der Bürger und durch die Kommunen finanziert wird, von denen erwartet wird, kostenfrei Behälter und Tüten zu verteilen sowie Standplätze zur Verfügung zu stellen. Ein Kompliment in diesem Zusammenhang an den Gemeinderat Altrich, der sich im Rahmen seines demokratischen Grundverständnisses getraut hat, sich mit diesem Thema kritisch auseinanderzusetzen und ein Votum pro Biotonne auszusprechen.

Ich ende mit einem „Ceterum censeo“ und den Worten: „Die Biotonne finde ich gut, denn diese ist wirtschaftlich, ökologisch und bürgerfreundlich!“

Stephan Müllers, Altrich