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Irgendwas läuft schief

Soziales Michael Theis Korlingen, Elke Bockius Trier

Zum Artikel "Pflegekräfte dringend gesucht" (TV vom 26. Juni):
Pflegekräfte in der Region dringend gesucht? Ganz genau! Pflegekräfte mal endlich anständig zu entlohnen reicht alleine nicht! Die Nachbarländer machen es vor, dort ist Pflege der Gesellschaft finanziell auch etwas wert! Ob Luxemburg oder Skandinavien! Bravo! Die haben es schon immer gewusst! Seit Jahren ist der Fachkräftemangel im Gespräch, super! Jetzt ist er endlich spürbar!
Klar, wenn eine Pflegekraft im Nachtdienst über 30 Patienten zu versorgen hat, ist das kein Zuckerschlecken! Da stimmt's dann nicht nur finanziell nicht, auch die Rahmenbedingungen sind nicht ganz so toll, wie man sich's in aller Freundschaft erwartet. Ah ne, da gibt's ja nur zwei Pflegefachkräfte. Die opfern selbst ihr Privatleben. Hmm, irgendwas läuft schief!
Ich bin Pflegekraft, dies ist meine private Meinung!
Michael Theis
Korlingen

Im Jahr 1980 legte ich das Krankenpflege-Examen ab. 21 aktive Berufsjahre in der Pflege folgten. Schon zu meiner Zeit kannte man den sogenannten Pflegenotstand, der aber einigermaßen aufgefangen werden konnte durch ausländisches Pflegepersonal, hauptsächlich aus Indien. Ich glaube nicht, dass eine Ausbildungsänderung den erwünschten Erfolg bringen würde. Meiner Meinung nach hat sich in den letzten 40 Jahren viel zum Positiven geändert. Meine Tochter besucht seit drei Monaten die Krankenpflegeschule, und sie hat schon in den ersten zwei Monaten Blockunterricht gelernt, wo die Schwerpunkte in der Pflege liegen. Ich denke, an Attraktivität würde dieser so schöne Beruf gewinnen, wenn die Leistung finanziell richtig honoriert würde, sprich: Schicht- und Nachtdienst, unattraktive Arbeitszeiten, nur jedes zweite Wochenende frei, Überstunden, psychische und physische Be- und Überlastung. Dazu kommt noch der Druck der hohen Verantwortung, die auf jedem lastet.
Die Möglichkeit eines Pflegestudiums finde ich primär als Option angebracht, gibt es doch tatsächlich für das Pflegepersonal wenig Aufstiegschancen. Aber was tatsächlich fehlt, sind nicht die Leute, die ein berufsqualifizierendes Pflegestudium anstreben, sondern das Personal an der Basis. Schwestern und Pfleger, die rumwuseln, die wissen, wo's fehlt, die sich nach den Bedürfnissen der Patienten richten und dann gemeinsam den Heilungsprozess anstreben.
Um den Beruf attraktiver zu machen, bedarf es keiner großen Ausbildungsänderungen oder eines Pflegestudiums, sondern einer besseren, angemessenen Vergütung, ausgeklügelter Arbeitszeiten und eines arbeitnehmerfreundlichen Umfelds. Dann klappt's auch mit dem Personal.
Elke Bockius
Trier