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Johannes Steinbach zu Fachkräftemangel

Leserbrief : Leidenschaftslose Beamtendenke statt Pioniergeist

Fachkräftemangel

Zu den Artikeln „Der lange Kampf gegen den „ Fachkräftemangel“ und „Sechsstellige Zahl von Handwerkern gesucht“, beide TV vom 4. Juli, schreibt uns ein Leser mit einer Portion Ironie:

Demnächst kommt der Versorgungsingenieur mit Uni-Abschluss, um das Klo zu flicken. Der bekommt dann einen dreimal so hohen Stundenlohn wie ein (brauchbarer) Klempner, von denen es bis vor ein
igen Jahren noch genug gab. Dumm nur: Wenn der Versorgungsingenieur mit Uni-Abschluss heimfährt, ist das Klo womöglich immer noch kaputt... Aus meiner Sicht gibt es für diese Fehlentwicklung am Arbeitsmarkt vor allem drei  Gründe: Das Einbläuen der Fehlinfo an Jugendliche, dass.erstens sie entweder studieren oder eine Lehre machen müssen. Absoluter Unsinn: Der Bildungsapparat ist schon lange offen, Hin- und Herswitchen für wirklich qualifizierte und flexible Leute kein Problem. ... sie  zweitens – wenn es denn schon unbedingt eine Lehre sein muss – diese unbedingt in einem sehr großen Unternehmen machen müssen, damit man bloß nicht in die „Verlegenheit“ kommt, womöglich mal etwas mit auf den Weg zu bekommen, um sich selbstständig zu machen. ...drittens diese Lehre auf keinen Fall in einem Handwerksberuf stattfinden darf. Wo das Handwerk mit Meister, staatlich geprüfter Techniker, Energieberater, Betriebswirt HWK und vieles mehrdoch so „gar keine“ Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Genau solche leidenschaftslose Beamtendenke (statt Pioniergeist) lähmen das Land und die Gesellschaft seit mindestens 20 Jahren. Für mich als ehemaligen Handwerksmeister und so weiter und heutigen Freiberufler ein fataler Fehler, der sich über viele, viele Jahre nicht mehr ausbügeln lässt.