Die Trierer Galerie Junge Kunst zeigt eine spannende Installation von Suse Itzel.

Ausstellungen : Architektur im Dienst einer besseren Welt

Die Trierer Galerie Junge Kunst zeigt eine spannende Installation von Suse Itzel.

„Wir haben weiterhin  so schön geschlafen.“ Was Suse Itzel ihrer Videoarbeit in der Galerie Junge Kunst  als Titel-Aussage voranstellt, darf man als provokante These zum Zustand der modernen Stadtentwicklung und ihrer Architektur verstehen. Zum Bauhaus-Jubiläum hat sich die Trierer Galerie in der Karl-Marx-Straße in einen ­Denkraum zum Thema Architektur verwandelt. Dazu hat die in Hamburg und Köln lebende Künstlerin eine Rauminstallation geschaffen, deren farbige Wandflächen und Bauteile ein  neues Raumgefüge im Bauhaus-Stil schaffen.

An einer Wand im hinteren Teil ist Itzels Video zu sehen, vorne steht ein Tisch mit allerhand Materialien zum Projekt. Konkret geht es in Itzels Arbeit um einen Schulbau der Architektenbrüder Ernst und Wilhelm Langloh in Hamburg-Niendorf, für das diese 1926 einen Wettbewerb gewannen. Der Bau wurde in den folgenden Jahren im lichten  sachlich-geometrischen  Stil des Bauhauses ausgeführt. Auf ihn nimmt die Rauminstallation Bezug.  Mit Rücksicht auf den Flughafen Fuhlsbüttel wurde die mehrgeschossige Schule  in den 1960er Jahren geräumt und um zwei Stockwerke zurückgebaut. In der kommunalen Kommission zum Rückbau saß einer der Brüder Langloh, wie  der von Itzel verfasste fiktive Briefwechsel  mit einer ebenso fiktiven Schwester zur Baugeschichte berichtet. Als Künstlerbuch im Linoleumeinband liegt er in der Galerie aus.

Für ihr Video hat Itzel ein Modell der Schule gebaut. In bester romantischer Tradition erzählt es von der Poesie des Verfalls. In zum Teil sehr poetischen Bildern entblättert sich der Bau quasi vor den Augen des Zuschauers. All das ist eindrücklich. Weit spannender sind allerdings die Fragen und Verweise, die sich aus Itzels Arbeit  zum Wesen und der Bestimmung von Architektur ergeben. Im Zentrum der Installation steht die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung der Architektur, die nach dem Willen der Bauhaus-Theoretiker an einer humaneren Welt mitarbeiten sollte. Solche Suche stellt sich auch in der farblichen Gestaltung des Galerieraums dar, bei der die Farbflächen Teile der Architektur sind. Dabei verbinden sich Bildende Kunst und Architektur als Raumzusammenhang, wie ihn schon Bruno Taut ebenso wie Le Corbusier  und Piet Mondrian  im Sinn hatten. Allerdings stellt das Beispiel der Hamburger Schule auch zur Diskussion, wie es in der gebauten Wirklichkeit um das Verhältnis von Veränderung und Fortschritt steht.

Fragen über Fragen, die sich aus dieser spannenden Ausstellung ergeben und sie zum Impulsgeber hochinteressanter Überlegungen zur Architektur machen. Zweifel an der weltverbessernden Wirkmacht der Architektur scheinen Ernst Langloh zu kommen, wenn er im Briefwechsel aus Heinrich Bölls Roman „Billard um halb zehn“ mit Blick auf die Verheerungen der Weltkriege zitiert: „Ich hätte 200 Bauten gegeben, wenn ich dafür unsere Toten hätte zurückbekommen können“. Bleibt die düstere Ahnung, dass sich erst die Welt bessern muss, um bessere Architektur zu zeitigen.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 30. März: samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung,  Telefon 0651/9763840.

Mehr von Volksfreund