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Massenmord beim Niedrigtemperaturgaren

Literatur : Massenmord beim Niedrigtemperaturgaren

Na ja, das mit dem Massenmord ist möglicherweise ein bisschen übertrieben. Aber wenn vier Menschen aus einer Gruppe von 13 ihr Lebenslicht ausgehaucht bekommen, also fast 30 Prozent der Truppe, dann ist der Begriff vielleicht nicht ganz so falsch.

Die vier – drei Männer, eine Frau – gehören beziehungsweise gehörten zu den „Treize Plats“, den dreizehn Tellern, wie sich der Gourmet-Kochclub nennt, dessen Mitglieder sich an wechselnden Örtlichkeiten zwecks Zubereitung exklusiver Gaumengenüsse treffen. Beim Date in „Hubschmidt‘s Lodge, Resort, Mushrooms and More“, nur echt mit dem falschen Genitiv-s, ist irgendwas schiefgelaufen, denn am Ende des Tages liegen vier Leichen nicht im Keller, sondern in der Küche – ertränkt im Suppentopf, erschlagen mit der Bratpfanne, aufgeschlitzt mit dem Fleischmesser und vergiftet durch weiter oben erwähnte Pilze; Mordmethoden also, die vorzugsweise in kulinarischem Ambiente zur Verwendung kommen.

Um den Mord im Viererpack aufzuklären, ist Kommissar Jennerwein in das Feinschmeckerlokal in idyllischer Lage gereist, auch um das Rätsel seines 13. Alpenkrimis zu lösen, das der Schriftsteller Jörg Maurer ihm gestellt hat. Er vermutet den oder die Mörderin im Kreise der dreizehn. Ob er damit recht hat, wird an dieser Stelle natürlich nicht enthüllt.

Der Ermittler der Besoldungsgruppe A 12 bekommt es bei seiner Aufklärungsarbeit mit ziemlich arroganten Typen zu tun, die nicht nur besser zu kochen glauben als der Rest der Welt, sondern sich auch für etwas Besseres halten – ein Chefarzt und ein Pilot zum Beispiel, aber auch ein abgehobener Dachdecker und ein Sportmanager. Ergänzt wird das mehr oder minder verdächtige Personal durch eine Vielzahl absonderlicher Typen wie einem hutzeligen Maler von Pilzen, der seinen bevorzugten Objekten erstaunlich ähnlich sieht, oder einem veganen Oberförster, dem das „Hubschmidt‘s“ (wir bleiben beim falschen Genitiv-s) mit seinen Wildgerichten ein Dorn im Auge ist.

Die Ermittlungen, die zwischen touristenträchtigen Alpenlandschaften und Waldgebieten mäandern, gipfeln übrigens in einem Ende, das eines James-Bond-Abenteuers würdig ist und Talente beim Kommissar freilegt, über die zu verfügen vermutlich ihm selber bis dato unbekannt war.

„Den letzten Gang serviert der Tod“ ist dieser 13. Alpenkrimi von Jörg Maurer überschrieben, der dem bewährten „Whodunnit“-Muster folgt. Doch rechts und links dieses recht ausgetretenen Pfades baut der Autor in bewährter Manier immer wieder eine Vielzahl von wunderlichen bis bizarren Szenen an, die bevölkert werden von exzentrischen, skurrilen und kauzigen Menschen, welche nicht unbedingt mit dem Hauptstrang der Handlung zu tun haben, dem Lesenden aber eine Atempause zum Schmunzeln gönnen, ehe er wieder in die etwas zähe Ermittlerarbeit hineingezogen wird. Die wartet zum guten Schluss, wie nicht anders zu erwarten, selbstverständlich mit einem Überraschungstäter auf. Rainer Nolden

Jörg Maurer, Den letzten Gang serviert der Tod, Fischer/Scherz, 411 Seiten, 16,99 Euro.