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Unsere Kolumnistin sieht naturnahe Gärten weniger pflegeintensiv als reine Steingärten.

Gartenkolumne : Wie pflegeleicht sind Schottergärten?

Im Wonnemonat Mai zeigt sich der Garten von seiner schönsten Seite. „Macht aber viel Arbeit“, meint ein Vertreter der Schotterwüsten-Fraktion. „Macht aber viel mehr Freude“, könnte man kontern.

Bringt aber nichts. Widerlegt man also lieber das Totschlag-Argument Pflegeleichtigkeit. Tjards Wendebourg hat das in seinem Buch „Der Kies muss weg!“ getan. Eingängig erläutert er, warum Steinflächen auf lange Sicht alles andere als pflegeleicht sind. Das liegt schon im Kern der Sache: Ist der Unterboden auf den die Steinschicht geschüttet wird, nicht komplett unkrautfrei, entpuppt sich der abgeladene Steinbruch als perfekter Lebensraum für Acker-Schachtelhalm, Winden, Quecke und andere Plagegeister. Viel einfacher ist es, die Wurzelunkräuter aus der Erde zu stechen, als aus Schotterflächen zu fieseln!

„Ha“, wittert der Steinflächen-Besitzer seine Chance, deswegen habe der Gala-Bauer ja Vlies, Folie oder Bändchengewebe aufgebracht.

Eine trügerische Gewissheit: Auch „optimal“ angelegte Flächen erobert sich die Natur zurück. Wenn nicht von unten, dann halt von oben. Staub und organische Substanz sammeln sich zwischen den Steinen und verrotten. Jetzt siedelt sich in den Schotterritzen an, was man garantiert nicht im Garten haben wollte: Pioniergehölze, Moos, Kräuter mit kräftigen Pfahlwurzeln. Nee wirklich, da lobe ich mir die Dynamik jahreszeitlichen Gartenflors. Welche Möglichkeiten pflanzentauglicher Gartengestaltung mit Steinen es gibt, zeigt Autor Wendebourg neben viel Wissenswertem rund um den Rohstoff aus der Natur dann auch noch.

Positiv-Beispiele gelebter Gartenkultur gibt es genug. Davon ist auch das StadtGrün der Stadt Trier überzeugt und lobt wieder einen Gartenwettbewerb aus. Gesucht werden die schönsten Haus-, Firmen- und Gemeinschaftsgärten innerhalb der Stadtgrenzen von Trier. Alle Infos dazu findet man im Internet auf https://m.trier.de/kultur-freizeit/stadtgruen/mitmachen/ unter dem Stichwort „Gartenwettbewerb2020“.

Buchtipp: „Der Kies muss weg! Gegen die Verschotterung unserer Vorgärten“ von Tjards Wendebourg, Ulmer-Verlag, 2020, Euro 12,95

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