| 22:17 Uhr

Land vorn bei Windkraftausbau – Region Trier plant 180 neue Anlagen

 Windkraft (Symbolfoto)
Windkraft (Symbolfoto) FOTO: Fritz-Peter Linden/Archiv
Trier/Mainz. Kaum ein anderes Bundesland verzeichnet bei der Windkraft Wachstumsraten wie Rheinland-Pfalz. Allein in der Region Trier sind derzeit 180 neue Anlagen geplant. Bürgerinitiativen kritisieren, die Energiewende laufe völlig aus dem Ruder – auf Kosten von Natur und Stromkunden. Katharina Hammermann

Voll Stolz präsentiert die Landesregierung Zahlen, die zeigen, dass Rheinland-Pfalz beim Zubau von Windkraftanlagen bundesweit spitze ist: 65 neue Windräder, die genug Strom für 85.000 Haushalte erzeugen, sind im ersten Halbjahr 2013 hinzugekommen. So viele, wie sonst nur im windreichen Niedersachsen, das mit Abstand mehr Windkraft erzeugt als jedes andere Land. Zum Vergleich: In Bayern sind im gleichen Zeitraum lediglich 27 neue Anlagen gebaut worden, im Saarland drei, in Baden-Württemberg keine einzige.

Schon jetzt dreht sich in der Region Trier jedes dritte der insgesamt 1300 rheinland-pfälzischen Windräder. Und das, was für die Zukunft geplant ist, lässt selbst die aktuellen Zuwachszahlen mickrig erscheinen: Derzeit sind nach Auskunft der zuständigen Planungsgemeinschaft in der Region Trier 180 weitere Windräder vorgesehen. 20 davon sind genehmigt, 54 beantragt, 106 weitere stehen noch am Anfang des Planungsverfahrens.

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Bündnis90/Die Grünen) sieht in den erneuerbaren Energien einen Wachstumsmotor für Rheinland-Pfalz: Bereits heute arbeiten laut Lemke etwa 13.000 Menschen in diesem Bereich, und nach Schätzungen des Bundesumweltministeriums werden in Rheinland-Pfalz noch einmal 7000 neue Arbeitsplätze entstehen. "Für mich ist deshalb klar: Das ist eine enorme Zukunftsbranche", sagt Lemke.

Ganz anders sieht dies Uwe Anhäuser, Sprecher des landesweiten Bündnisses "Energiewende für Mensch und Natur", dem sich 17 Initiativen angeschlossen haben. "Das läuft alles völlig verkehrt", sagt er. Lemke habe es geschafft, das Land zu spalten. "Es gibt viele Orte, wo die Leute fast aufeinender losgehen", sagt Anhäuser. Sein Bündnis kritisiert, die Energiewende sei zum Deckmantel für die Gewinnung neuer Einnahmen auf Kosten der Natur und der Stromkunden geworden. Er kritisiert auch, dass die Planung den Kommunen überlassen wird. Die Energiewende gerate so außer Kontrolle. Das Bündnis fordert die Landesregierung auf, diese zu stoppen.

Mehr zum Thema in unserem Hintergrundartikel