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Abbrechende Rollen und Schwelbrände

Abbrechende Rollen und Schwelbrände

Zwei für den Bundestag bestimmte Berichte zeigen, welch gravierende technische Mängel der neue Schützenpanzer Puma noch 2012 hatte. Ende Oktober läuft die Frist aus, bis zu der er pannenfrei sein muss. Schon jetzt steht fest, dass es nicht gelingen wird, alle Mängel zu beseitigen. Doch hält das Verteidigungsministerium sie für "beherrschbar".

Dem von Pannen geplagten neuen deutschen Prestigepanzer Puma bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu beweisen, dass seine zahlreichen technischen Mängel der Vergangenheit angehören. Derzeit laufen wichtige Tests: Einige Exemplare des Schützenpanzers, der normalerweise in Trier erprobt wird, sind nun in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort müssen sie demonstrieren, dass sie bei Wüstenhitze funktionieren.
Denn bis zum 31. Oktober muss der Nachweis erbracht werden, dass der Puma über keine "Sachmängel" verfügt, die nicht innerhalb einer "angemessenen Nacherfüllungsfrist" beseitigt werden können. Ansonsten hätte die Bundeswehr das Recht, von dem Vertrag zurückzutreten. Das würde das Aus des 4,3 Milliarden Euro teuren Projekts bedeuten.Waffe kommt 32 Monate später

Aus einem Sachstandsbericht, mit dem das Verteidigungsministerium den Bundestag im Sommer 2013 über das Projekt Puma informiert hat, geht allerdings hervor, dass es nicht gelingen wird, alle Mängel zu beseitigen. Wegen des "zeitlichen und technischen Nachbesserungsaufwands" könnten vereinzelte Restpunkte erst nach Oktober 2013 abgearbeitet werden, heißt es in dem als "Verschlusssache" deklarierten Bericht. Nach dem Stand der Nachweisführung (Juni 2013) bewertete das Ministerium die Mängel als beherrschbar. Um welche es dabei genau geht, bleibt unklar.

Eines der größten bekannten Probleme des Panzers war, dass er sein eigenes Gewicht nicht tragen konnte. Erläuterungen des Bundesrechnungshofs vom Juni 2012 zeigen, welch gravierende "sicherheitskritische Mängel" der Puma hatte: Im Februar 2012 war bei Tests eine ganze Laufrolle samt Arm abgebrochen.Bei Beschuss Brandgefahr

Zudem war es seit 2007 immer wieder zum "Ausspuren der Gleiskette" gekommen. Wenn sich die Kette während der Fahrt ganz löst, wäre der Panzer nicht mehr lenkbar. Ein weiteres Sicherheitsproblem: Die Seitenschutzmodule enthalten Substanzen, die dazu führen, dass sich am Panzer unter Beschuss Schwelbrände entwickeln. Die Mängel des Puma seien "gravierender, als das Bundesverteidigungsministerium sie in seinem Sachstandsbericht darstellt", heißt es 2012 im Schreiben des Rechnungshofs.

Dem aktuellen Sachstandsbericht (Juni 2013) zufolge ist ein Teil dieser Schwachpunkte inzwischen behoben. Das Maßnahmenpaket zur Erhöhung der "Laufwerkstandfestigkeit" sei erfolgreich und werde nun auf alle zu prüfenden Fahrzeuge übertragen. Die Kette machte da allerdings noch immer Probleme. Die "thermischen Reaktionen" (also die Schwelbrände) an den Schutzmodulen seien auf "ein akzeptables Maß" reduziert. Das Selbstschutzsystem (Raketenabwehr) scheint nicht mehr zu wackeln, und der Motor hat nun eine bessere Elektronik.

Eine zeitliche Verzögerung wird es laut Ministeriumsbericht bei der Bewaffnung des Puma mit Panzerabwehrraketen geben: Technische Schwierigkeiten im Fertigungsprozess führen dazu, dass die Lenkwaffen nicht wie geplant 2016, sondern erst 32 Monate später - also frühestens 2018 - eingebaut werden.
Zusammenfassend geht das Ministerium trotz alledem davon aus, dass der Nachweis der "wesentlichen Funktionalitäten" gelingt. Die Auslieferung der ersten 41 Serienmodelle ist - wenn alles glatt läuft - (mit sechs Jahren Verspätung) für 2014 geplant.Extra

Da eine parlamentarische Anfrage zum Puma läuft, gibt das Verteidigungsministerium keine Auskünfte zu den Kosten. Laut Bundesrechnungshof waren 2012 Ausgaben von 4,345 Milliarden Euro geplant. Durch die Reduzierung der Panzerstückzahl von 405 auf 350 sanken die Kosten auf 3,924 Milliarden. Dass nun doch wieder von 4,3 Milliarden Euro - also knapp 380 Millionen mehr - die Rede ist, begründete das Ministerium mit der Inflation. Im Haushaltsplan 2014 sind für den Puma 487 Millionen Euro vorgesehen. Dass bei den Stückpreisen bis Anfang dieser Woche von sieben und nicht zehn Millionen Euro die Rede war, begründete das Ministerium so: Es habe sich bei den kursierenden Kosten um die eines "nackten" Panzers gehandelt. kahMehr zum Thema

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Prototyp des Schützenpanzers Puma auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 41 auf dem Trierer Grüneberg. (Foto: Sonaz/Wikimedia, September 2009, GNU Free Documentation License, Creative Commons Attribution 3.0 Unported license, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en)

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