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Mythos und Wahrheit über Friedrich den Großen

Mythos und Wahrheit über Friedrich den Großen

Friedrich II. wird vieles nachgesagt. Er sei ein großer Feldherr gewesen, aber geizig, und gegen den Hunger habe er die Kartoffel eingeführt. Was ist dran an solchen überlieferten Geschichten?

Jürgen Luh kuratiert die Ausstellung "Friederisiko", die ab 28. April in Potsdam zu sehen sein wird. 2011 erschien Luhs Buch "Der Große. Friedrich II. von Preußen". Der promovierte Historiker der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg beantwortet Fragen von Oliver Haustein-Teßmer.
Herr Luh, es heißt immer, Friedrich II. sei ein großer Feldherr gewesen. Stimmt das?
Jürgen Luh: Strategisch war Friedrich ein guter General. Er hat vor Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) richtig erkannt, dass er Sachsen besetzen musste, wegen dessen geografischer Lage und ökonomischer Stärke. Als Taktiker war Friedrich weniger gut. Seine einzige Idee der Kriegführung war, Schlachten zu schlagen und dies immer in "schiefer Schlachtordnung". Erfolg hatte er damit aber nur einmal, bei Leuthen 1757, weil er dank eines Manövers im Jahr 1754 das Gelände kannte. Seine Taktik kostete den König aber nach und nach seine ausgebildeten und erfahrenen Soldaten und Offiziere.

Was bleibt von ihm als Denker?
Luh: Als politischer Schriftsteller war Friedrich bis ins 20. Jahrhundert hinein wirksam. Er hat sich seine Position in der Geschichte selbst erschrieben: eine große Leistung. Auch wenn wir wissen, dass sein Bild von sich selbst und seiner Zeit geschönt und auf Ruhm und Nachruhm angelegt ist, ist es heute noch schwer, sich mit den richtigen, aus den Quellen geschöpften Erkentnissen gegen Friedrichs Darstellung durchzusetzen.

Wie kam er zu dem Beinamen?
Luh: Zuerst hat er Voltaire dazu gebracht, ihn einen großen König, dann einen Großen zu nennen. 1745, während seines Einzugs in Berlin nach dem Zweiten Schlesischen Krieg, soll er angeblich spontan von der Bevölkerung Friedrich der Große genannt worden sein. Spontan war an der Veranstaltung aber nichts, geplant alles, von Friedrichs Ministern, also auch von ihm. Dass er der Große gerufen worden sei, wissen wir aus einem Bericht, der nur mit königlicher Genehmigung hat erscheinen können.

Es heißt, er habe den Deutschen die Kartoffel geschenkt.
Luh: In zwei, drei Regionen Preußens legte er den Bauern nahe, sie sollten doch Kartoffeln anbauen. Doch ist sein "Kartoffelbefehl" nicht befolgt worden. Deshalb musste der Befehl mehrfach wiederholt werden. Als es in den 1770er Jahren zu einer Hungersnot kam, sind die Getreidemagazine der Armee für die Bevölkerung geöffnet worden. Mit Brot wurde der Hunger bekämpft. Der König hat die Kartoffel weder in Deutschland noch in Preußen eingeführt. Er hat sie selbst auch nicht gegessen.

Wie war sein Lebensstil sonst? Er soll ja geizig gewesen sein.
Luh: Friedrich gönnte sich sehr gern etwas: Kirschen im Winter für enorme Summen, Wein, Leckereien, Puder, Pomade, gute Kleidung, etwa verschiedenfarbige, mit Silber besetzte Röcke. Er trug nur in der Öffentlichkeit Uniform. Er war nicht so sparsam, wie er von sich sagte und wie lange Zeit behauptet wurde.

Friedrich war zwar verheiratet, manche sagen aber, er war schwul.
Luh: Ich glaube schon, dass er es war. Wenn man seine Schriften genau liest, findet man Stellen, wo er dies auch andeutet. Auch in der Ausgestaltung seiner Räume und im Park findet man Hinweise. Er hat aber auch, wie wir aus den Quellen wissen, ein paar Mal versucht, mit seiner Frau Elisabeth Christine ein Kind zu zeugen. Das blieb aber ohne Folgen, da hat er es dann aufgegeben.