Unspektakulär

Den Spekulationen um sein neues Kabinett hat Kurt Beck ein kurzes und unspektakuläres Ende gesetzt. Kein Wirtschaftsmanager und kein parteiloser Fachmann (oder Fachfrau) wird neuer Super-Minister oder "Mister Mittelstand" und sorgt für Schlagzeilen.

Kein Aha- oder Überraschungseffekt, der neue Dynamik erwarten lässt. Angesichts des überwältigenden Wahlerfolgs kann sich Beck ein "Weiter so" erst einmal erlauben. Der Regierungschef bleibt sich treu und setzt bei der Ministerriege auf rheinland-pfälzische Lösungen. Zumindest in zwei Fällen dürfte er risikolos richtig liegen, wenn er auf ihm bekannte Gesichter baut. Mit Ingolf Deubel rückt ein bewährter Finanzfachmann in die erste Reihe, der auch oft genug politische Statur bewiesen hat. Ein geschickter Schachzug ist es, mit Heinz-Georg Bamberger einen anerkannten Richter an die Spitze des Justizministeriums zu hieven. Das Signal an die dritte Gewalt ist klar: Trotz roter Ressortübernahme soll die konservativ geprägte Justizfamilie nicht unnötig in Aufruhr gebracht werden. Vor allem mutig ist jedoch Becks Entscheidung für Hendrik Hering als Super-Minister. Als Wirtschafts- und Agrarfachmann ist der Westerwälder bisher nicht hervorgetreten. Obwohl bereits seit fünf Jahren Staatssekretär im Umwelt- und im Innenministerium, muss er in seinem neuen Amt erst einmal an Kontur gewinnen. Nicht zuletzt im schwierigen Umgang mit Bauern und Winzern ist dies eine große Herausforderung. Auf Entlastung durch seine Staatssekretäre kann er im Gegensatz zu seinen Vorgängern dabei nicht zählen. Zwar sind die Neuen an seiner Seite Wirtschaftsexperten, aber nicht im Agrar-Fach. Für Hering eine zusätzliche Herausforderung. j.winkler@volksfreund.de

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