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Wärmere Winter, trockene Sommer

Wärmere Winter, trockene Sommer

TRIER. Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf einzelne Regionen? Das ist eine Fragestellung, der in jüngster Zeit einige Studien nachgegangen sind. Die neueste ist das statistische Regionalisierungsmodell "Wettreg". Es versucht Korridore aufzuzeichnen, in denen sich zukünftige Klimaentwicklung abspielen könnte.

Für das linksrheinische Mittelgebirge errechnet das Modell eine deutliche Zunahme der Niederschläge im Winter und einen Rückgang im Sommer. Um bis zu 80 Prozent könnten die Regenmengen im Winter im Hunsrück zunehmen. Das ist die stärkste Zunahme bundesweit. Für die anderen Gebiete wie Eifel und Moseltal werden Zunahmen um rund 50 Prozent simuliert. Außerdem wird die durchschnittliche Temperatur ansteigen.Auswirkungen des Temperaturanstiegs

Prognostiziert wird zudem ein Rückgang der kalten Tage. So geht die Studie davon aus, dass es 2100 mit rund 29 nur noch halb so viele Tage mit Temperaturen unter null Grad geben wird wie 1990, damals waren es rund 63. Nach Ansicht von Professor Günther Heinemann, Klimatologe an der Universität Trier, werden heiße und trockene Sommer wie 2003 in Zukunft die Regel sein. "Lange Dürreperioden im Sommer werden zunehmen", sagt Heinemann. Das Gleiche gelte für den aktuellen, eher warmen Winter. Hier sehe man ganz deutlich, welche Auswirkungen eine um zwei bis vier Grad höhere Mitteltemperatur habe, sagt Heinemann. Das Umweltbundesamt spricht bei den Prognosen des Klimamodells "Wettreg" von Entwicklungskorridoren und nicht von konkreten Vorhersagen, weil über die zukünftige Entwicklung der zahlreichen Faktoren - Sonneneinstrahlung, Emission von Treibhausgasen - zu wenig bekannt sei. Grundlage von "Wettreg" ist ein globales Klimamodell, in das verschiedene Annahmen über die mögliche Entwicklung der Treibhausgasemissionen eingerechnet werden, um so Projektionen für das zukünftige Klima zu erhalten. Die Ergebnisse sind dabei nicht als konkrete Vorhersagen zu verstehen, sondern als mögliche Szenarien. So lässt sich aber besser einschätzen, wie sich der Klimawandel regional auswirken kann und welche Regionen besonders betroffen sein könnten.Trends müssen ernst genommen werden

Die großen Trends, die die Projektion aufzeigt, müssen ernst genommen und berücksichtigt werden: Die Sommer werden trockener, die Durchschnittstemperaturen werden ansteigen und die Niederschläge im Winter werden zunehmen. An den Flüssen drohen häufigere Hochwasser, die auch schneller ansteigen. Das Land Rheinland-Pfalz reagiert auf diese Entwicklung seit Jahren mit einem Konzept, vor allem den Rhein mit Poldern, Deichen und Renaturierung so umzugestalten, dass die Hochwassergefahr weitestgehend gebannt sein soll. Aber auch die anderen großen Flüsse sind in diesen Plan integriert. Bis 2012 soll der Hochwasserschutz so weit umgesetzt sein, dass ein statistisch nur alle 200 Jahre vorkommendes Hochwasser keine schweren Schäden anrichten könnte. Ein weiteres Problem ist die Wasserversorgung im Sommer, wenn sich in den trockeneren Sommern die Dürreperioden häufen. Außerdem drohen der Schifffahrt Einbußen, wenn wegen niedriger Pegelstände nicht oder nur mit reduzierter Ladung gefahren werden kann. Möglicherweise müssen Stauseen und Rückhaltebecken vergrößert werden, um die Wasserüberschüsse aus dem Winter zur Versorgung im Sommer zu nutzen. Für die Skigebiete in den Mittelgebirgen sind nach Einschätzung Professor Heinemanns die Aussichten düster, da der zusätzliche Niederschlag im Winter vor allem als Regen und eben nicht als Schnee fallen wird. Skigebiete in den heimischen Mittelgebirgen wird es 2100 wohl nicht mehr geben.Veränderungen in der Forstwirtschaft

Auch für die Forstwirtschaft hätte eine Klimaveränderung hin zu wärmeren und feuchteren Wintern und trockeneren Sommern laut Umweltministerium in Mainz gravierende Folgen. So profitieren wärmeliebende Baumarten wie die Eiche, wohingegen Bäume wie die Fichte sehr stark unter den trockenen Sommern leiden. Außerdem drohen mit den höheren Temperaturen größere Schäden durch Borkenkäfer und andere Schädlinge. Das Land Rheinland-Pfalz fördert daher die Aufforstung von Mischwäldern, die sich als robuster und widerstandsfähiger erwiesen haben als Monokulturen.