Weitere Missbrauchsfälle im Bistum Trier

Weitere Missbrauchsfälle im Bistum Trier

Ein ehemaliger Messdiener soll in den Jahren 2004 bis 2009 mehrere Kinder und Jugendliche in einer Pfarrei im Vulkaneifelkreis sexuell missbraucht haben. Erst jetzt haben die Eltern eines Opfers dies bekanntgegeben. Der Messdiener stand bereits zweimal vor Gericht. Er ist selbst Missbrauchsopfer.

Trier/Daun. "Unsere Tochter war noch ein Kind, als der ehemalige Leiter einer Messdienergruppe in unserer Pfarrei sie über mehrere Jahre sexuell missbraucht hat", sagen die Eltern eines Opfers gegenüber unserer Zeitung. Seitdem sei das Leben der Familie ein anderes: Das Mädchen leide immer noch an psychischen Störungen. Ihre Tochter war nicht das einzige Opfer des ehemaligen Messdieners: Weil der heute 21-Jährige Kinder in neun Fällen sexuell missbraucht hatte - in zwei Fällen war es beim Versuch geblieben, in vier Fällen handelte es sich um schweren sexuellen Missbrauch - war er vom Amtsgericht Wittlich erstmals im Frühjahr 2010 zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das teilte Ingrid Luther, Direktorin des Amtsgerichts Wittlich, auf TV-Anfrage mit. Aber der Täter sei geständig gewesen und habe sich in der Hauptverhandlung bei dem anwesenden Opfer entschuldigt, was das Strafmaß milderte. Statt ins Gefängnis begab er sich nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft in eine langfristige Therapie. "Nachdem sich eine positive Entwicklung abgezeichnet hatte, wurde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt", sagte Luther.
Zum zweiten Mal saß der Messdiener vor sechs Wochen auf der Anklagebank im Wittlicher Amtsgericht. Die Anklagen bezogen sich auf den Zeitraum 2004 bis 2009, vor der ersten Verurteilung. Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwölf Fällen und eines Jugendlichen sowie eines besonders schweren Falls der Nötigung wurde er nun zu einer Jugendstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt, so Luther. "Zugunsten des Angeklagten wurde berücksichtigt, dass er geständig war und wesentlich zur Aufklärung und Beendigung weiterer sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld beigetragen hat", sagte Luther. Das Brisante: Der Ex-Messdiener war selbst über viele Jahre von einem Mann, der im kirchlichen Bereich tätig war, missbraucht worden.
Laut Bistumssprecher Stephan Kronenburg sind die Vorfälle dem Bistum bekannt. In den vergangenen Monaten waren mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs im Vulkaneifelkreis öffentlich geworden (der TV berichtete).kat

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