1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Vom gelernten Hotelkaufmann zum Schwerkriminellen

Vom gelernten Hotelkaufmann zum Schwerkriminellen

Geldnot und Schulden haben einen seit 22 Jahren in Trier lebenden Österreicher zum Schwerkriminellen werden lassen. Nun sitzt der 50-Jährige wieder in Haft. Der Serien-Bankräuber soll in Österreich zugeschlagen haben.

Trier. Es ist die Geschichte einer gescheiterten Existenz. Eine Geschichte, wie ein bis dahin unbescholtener, unauffälliger Mann zum Schwerkriminellen, zum vermutlich dreistesten Bankräuber Deutschlands wird. 1989 kam der damals 28-jährige Österreicher Alfred M. nach Trier - der Liebe wegen. Seine Ehe war zuvor gescheitert, als die gemeinsame Tochter bei einem Unfall ums Leben kam. In Trier wollte der gelernte Hotelkaufmann ein neues Leben mit einer neuen Frau anfangen, mit der er eine Tochter hat. Er machte am Rande der Fußgängerzone eine Kneipe auf, die er aber nach einiger Zeit aus Geldmangel wieder dichtmachen musste. M. gründete eine Investmentfirma in Luxemburg, doch schon bald hatte er sein Geld und das seiner Kunden in den Sand gesetzt - und 50 000 Euro Schulden. Der Beginn der kriminellen Karriere des Alfred M. Im Dezember 1993 überfiel er ein Trie-rer Ehepaar, das ein Modegeschäft, in dem M.s Freundin arbeitete, gerade verkauft hatte. Während M. den Mann mit der Pistole bedrohte, musste die Frau zur Sparkasse fahren und umgerechnet 25 000 Euro besorgen. M. verzockte das Geld, seine Schulden wurden immer größer.
Daraufhin wurde er zum Serien-Bankräuber. 1997 schlug er zum ersten Mal zu: Überfall auf eine Bankfiliale in der Trierer Fußgängerzone. Danach überfiel er regelmäßig Banken - in Trier, zwei Mal in Saarlouis, drei Mal in Konz. Diese Überfälle blieben zunächst ungeklärt. Bis 2003. M. saß zu der Zeit in Haft, drei Jahre zuvor war er zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden - für zwei Banküberfälle und eine Geiselnahme (siehe Extra) in Waldrach (Trier-Saarburg). Im Gefängnis gestand er auch die anderen Überfälle und die Erpressung des Ehepaares. 2008 wurde ihm deswegen erneut der Prozess gemacht. Seine Strafe wurde auf insgesamt 15 Jahre erhöht.
Nachdem ihm ein Gutachter eine gute Prognose für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft gestellt und die von ihm ausgehende Gefahr als "beherrschbar" eingestuft hatte, wurde M. vom Gefängnis in Diez in den offenen Vollzug nach Wittlich verlegt. Am 11. November dieses Jahres wurde seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt, am 17. November kam er auf freien Fuß. Und seit Dienstag sitzt er wieder in Untersuchungshaft.
M. soll am vergangenen Freitag die Sparkassenfiliale im österreichischen Bodensdorf, das knapp 50 Kilometer von seiner Geburtsstadt Klagenfurt entfernt ist, überfallen haben. Der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer ist sich sicher, dass es sich bei dem Bankräuber um M. handelt. Zumal die Vorgehensweise bei dem Überfall fatal an die in Waldrach erinnerte. Gegen 15.14 Uhr am Freitag hat ein maskierter und mit einer Pistole bewaffneter Mann die Sparkassenfiliale in dem 1000-Einwohner-Dorf in Kärnten überfallen. Bilder aus der Überwachungskamera zeigen, wie der Mann über den Schalter springt. Aus der Kassenlade nahm er einen hohen fünfstelligen Betrag, stopfte ihn in einen Nylonsack, sperrte die Kassiererin in den Tresorraum und floh. Der Mann habe "abgebrüht und sehr zielorientiert" gehandelt, zitiert die in Österreich erscheinende Kleine Zeitung einen Fahnder. Eine Zeugin sah den Mann durch den Ort fliehen. Bereits da gab es Hinweise, dass er mit einem Auto mit Trierer Kennzeichen unterwegs gewesen sein soll. Am Samstag wurde der Wagen, den sich der Mann von einem Trierer Bekannten "geborgt" hatte, dann im 13 Kilometer entfernten Villach-Lands-kron von Polizeifahndern entdeckt. Wegen "unvorhersehbaren technischen Problemen" habe man aber nicht zuschlagen können, sagte ein Ermittler der Kleinen Zeitung. Der mutmaßliche Täter und der Wagen wurden zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.
Am Dienstagmorgen entdeckten bayerische Spezialfahnder das Auto auf einem Autobahnparkplatz in der Nähe des Chiemsees. Im Auto war ein Teil der Beute, der Mann wurde festgenommen. "Es war ein hartes Stück Arbeit, dem Verdächtigen auf die Spur zu kommen", wird der Leiter des Kärntener Landeskriminalamtes in der Zeitung zitiert.Extra

Am 11. Juni 1999 schlug Alfred M. zum ersten Mal in Waldrach (Trier-Saarburg) zu. Gegen Mittag überfiel der maskierte Mann die Filiale der Raiffeisenbank, bedrohte die vier Angestellten mit einer Gaspistole. Er drängte die Bankmitarbeiter in den Tresorraum im Keller, ließ sich einen sechsstelligen Betrag aushändigen und floh mit einem Fahrrad oder Mofa. Neun Monate später, am 1. März 2000, überfiel M. dann im dichten Schneetreiben erneut die Bankfiliale in Waldrach. Wieder bedrohte er vier Angestellte mit der Pistole und sperrte sie im Tresorraum ein. Er erbeutete erneut eine sechsstellige Summe und flüchtete zu Fuß. In Waldrach hielt er ein Auto an, zwängte sich zu den zwei Frauen und zwei Kindern darin, setzte sich ans Steuer und floh in einer Höllenfahrt über schneeglatte Straßen. "Wir flehten in Todesangst, uns doch rauszulassen", erinnerte sich fünf Monate später eines der Opfer beim Prozess gegen den Mann an die Geiselnahme. Nach 20 Kilometern ließ er die Frauen und Kinder in Reinsfeld im Hochwald frei und setzte seine Flucht alleine fort. Eine halbe Stunde nach dem Überfall nahm die Polizei M. in der Nähe der Autobahnabfahrt Mehring fest. Als Motiv für die Waldracher Überfalle gab er Geldnot an. wie