Wendepunkt

Es war eine bittere Mahnung als Giftpfeil, den Husni Mubarak Berichten zufolge in den Stunden seines Abschieds in Richtung Washington abschoss. Man sehe ja, wohin Demokratisierungsbemühungen der USA im Iran und im Gaza-Streifen geführt hätten.

Und das werde des Schicksal des gesamten Nahen Ostens sein: Ein extremistischer und toleranzloser Islam als Endergebnis. Erfüllt sich diese düstere Prophezeihung des abgesetzten Diktators - oder gelingt es, in Ägypten eine Vorbild-Demokratie zu etablieren? Die USA und der gesamte Westen stünden an einem entscheidenden Wendepunkt für ihre Nahost-Interessen, formulierten am Wochenende US-Medien wie das Wall Street Journal. Denn die Unwägbarkeiten der Vorgänge in Kairo für die gesamte, durch den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ohnehin instabile Region sind enorm. Zwar hat die Militärführung in Ägypten versichert, die Friedensverträge des Landes mit Israel zu honorieren - doch das Haltbarkeitsdatum dieser Aussage ist unbekannt. Für US-Präsident Obama und auch die EU-Vertreter sind die Aufgaben deshalb so definiert: Zu versuchen, den Ägyptern die Notwendigkeit einer wirklichen Demokratie nahezulegen. Und gleichzeitig anderen arabischen Staaten wie den Monarchien am Golf klar zu machen: Es ist gefährlich, sich auf Dauer den berechtigten Wünschen der jungen arabischen Internet-Generation zu verschließen.

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