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Wenn die Flucht Familien auseinanderreißt

Wenn die Flucht Familien auseinanderreißt

Sie hat mit ihren vier Kindern in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) in Trier gelebt, der Vater mit einem 12-jährigen Sohn in Bayern, ein weiterer Sohn in der Nähe von Leipzig. Die Flucht hat sie getrennt. Der sehnlichste Wunsch in dieser schwierigen Situation: zusammen zu sein. Noch während der TV-Recherche ging er in Erfüllung.

Trier. Schon einige Menschen haben in dem Zimmer in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in der Dasbachstraße gelebt, ein besseres Leben ersehnt und der Wand einiges anvertraut. Die geschriebenen Worte und Zeichnungen auf dem Putz zeugen von Hoffnung, Wut, Angst und Wünschen. Hier hatte auch Asma Hasgassem (37) mit vier Kindern (2, 4, 17, 21) auf wenigen Quadratmetern eine vorübergehende Bleibe gefunden, gemeinsam mit weiteren einander fremden Frauen und deren Kindern. Die einzige Privatsphäre: ein weißes Laken, das den Blick auf das Bett verhüllt. Stimmengewirr, spielende Kinder, Handyklingeln dominieren die Atmosphäre. Monatelang war Asma Hasgassem von ihrem Mann getrennt. Naser Alahmad Alazeddin (46) war mit zwei Söhnen mit Hilfe von teuer bezahlten Schleppern Anfang des Jahres aus Syrien geflohen.
Gängige Fluchtroute


Über die am häufigsten genutzte Fluchtroute: Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und schließlich über Ungarn, Österreich nach Passau. Naser Alahmad Alazeddin lebt seitdem mit dem 12-jährigen Sohn in Bayern, der erwachsene Sohn in der Nähe von Leipzig. Die Flucht hatte auch sie getrennt. Das berichtete ein Dolmetscher, der die Worte des verzweifelten Vaters am Telefon übersetzte. Und der Dolmetscher berichtete vom Schmerz des Syrers, seine Frau mit den Kindern im Hunderte Kilometer entfernten Trier zu wissen. Die Zurückgebliebenen hatten erst später das Heimatland verlassen können und waren im August nach Trier verteilt worden. Der einzige Wunsch der Familie: "Wieder unter einem Dach zu leben." Die Ehrenamtlichen Ellen Adamy und Marie Schwaller unterstützten Asma Hasgassem in Trier - auch bei der Antragstellung auf Familienzusammenführung. Frühestens Anfang 2016 hatte man der Familie in Aussicht gestellt, zusammenkommen zu können. Dann ging alles unerwartet schnell.
Noch während der TV-Recherche sagte Adamy: "Wir bringen Asma Hasgassem und ihre Kinder morgen zum Zug. Sie können zum Vater nach Bayern." Die Familie sei überglücklich. Laut zuständiger Behörden kommt es immer mal wieder vor, dass Flüchtlingsfamilien bei ihrer Ankunft aufgrund der individuellen Fluchtumstände zunächst in unterschiedlichen Aufnahmeeinrichtungen und in unterschiedlichen Bundesländern untergebracht werden. "Wir sind bemüht, Familien wieder zusammenzuführen", sagt Miriam Lange von der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) in Trier. Wo eine Zusammenführung erfolge, hänge letztlich davon ab, "wer wie lange schon wo war". Zahlen, wie viele Familien in Rheinland-Pfalz derzeit auf Zusammenführung warten, nannte die ADD auf mehrfache Anfrage nicht. Dass alle beteiligten Behörden bemüht seien, diese Fälle zu klären und eine Zusammenführung so zügig wie möglich zu realisieren, sagt auch Ruth Kronau-Neef, Pressesprecherin der Regierung von Mittelfranken. Aufgrund anhaltend hoher Neuzugänge in allen Erstaufnahmeeinrichtungen und der damit verbundenen extrem hohen Auslastung und Überlastung des verfügbaren Personals, könne sich die Klärung solcher Einzelfälle aber verzögern. Eine bittere Tatsache für Familien auf der Flucht.