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Wie der EduHub über die Trier hinaus Bildung und Wirtschaft zusammenbringt.

Arbeitsmarkt : Wenn Probleme sich fast im Schlaf lösen

Junge Leute, pfiffige Ideen und Technologie-Lösungen für die Zukunft: Das alles macht nicht an Grenzen Halt. So sieht sich das neue EduHub am Trierer Balthasar-Neumann-Technikum als Schnittstelle zwischen Bildung und Wirtschaft.

Wäre da nicht das Viezkeltern im Herbst gewesen: Lucas Fischer (22) und Maximilian Hilsamer (21) wären wohl nie auf die Idee gekommen, aus einer Idee ein kleines Start-Up zu gründen. Nun haben die beiden angehenden Techniker für Informationstechnologie inzwischen einen Prototypen ihrer Idee entwickelt, Gehäuse mit dem 3D-Drucker ausgedruckt und ein Geschäftsmodell entworfen, das die gesamte Weinbranche revolutionieren könnte.

Doch von vorn: „Ich habe nachts wachgelegen und mir überlegt, wie man den Gärprozess im Viez- oder Weinkeller besser überwachen und sich Arbeit sparen kann“, sagt Maximilian Hilsamer aus Kenn. Denn neben dem Abschluss am Balthasar-Neumann-Technikum und der Arbeit muss beim Viezkeltern täglich der Gärprozess beobachtet, eine Probe aus dem Tank gezogen und der Gärvorgang mit der Mostwaage bestimmt werden. Hinzu kommen Dokumentation der Werte, Reinigung der Instrumente und Kontrolle. „Das ist viel Arbeit“, weiß der junge Mann aus Erfahrung. „Es gibt zwar bereits Industrielösungen, das Ablesen zu vereinfachen, die aber teuer sind. Wir haben etwas für jeden Kelterer und Winzer gesucht, was einfach, praktikabel und erschwinglinch ist, ohne dass man Löcher in Tanks bohren muss“, sagt Hilsamer und Lucas Fischer aus Trier ergänzt: „Das war ein stetiger Entwicklungsprozess.“

Das Ergebnis: Nach dem Einbau von Einplatinencomputer, drahtlosen Zugangspunkten, Router, Firewall und Sensoren für Vibration, Ultraschall, Temperatur und Feuchtigkeit, drückt das Kohlenstoffdioxid am Gärspund zwei ineinanderstehende Becher so auseinander, dass man die Vibration messen und in der Datenbank hinterlegen kann. Anhand der Verlaufskurve wird der Gärprozess dann deutlich. „Hat ein Winzer zehn Fässer und benötigt er täglich zehn Minuten pro Fass zur Kontrolle, dann sind das zwei Stunden Arbeit pro Tag, die er sich mit unserem Projekt sparen kann“, sagt Fischer.

So wird alltägliche Praxis in der Region vereinfacht, mit pfiffigen Ideen und Technologie in ein Pojekt gegossen und für die regionale Wirtschaft in ein Geschäft verwandelt. „Das Projekt der beiden veranschaulicht, wie man Bildung und Digitalisierung zusammenbringen kann und die Wirtschaft nachhaltig verändern kann“, freut sich David Dimmig vom neuen Pilotprojekt EduHub. „Ein Projekt aus der Schule für die Schule und Wirtschaft.“ Am kreiseigenen Balthasar-Neumann-Technikum (BNT) in Trier angesiedelt und unterstützt durch die Wirtschaftsförderung und den Landkreis Trier-Saarburg, will es dem Fachkräftemangel begegnen und über die Grenzen hinweg Bildung und Wirtschaft zusammenbringen.

„Wir sehen in dem ,Bildungshub’ einen Pfeiler im Wettbewerb um Fachkräfte und Talente“, sagt BNT-Schulleiter Michael Schäfer. So sollen Schüler und Studierende und ihre innovativen Ideen mit Unternehmen in der Großregion frühzeitig zusammenkommen. „So muss Bildung der Zukunft sein, nämlich mit einem praktischen Charakter Innovationen zur Umsetzung zu verhelfen.“ Und Reinhard Müller von der Wirtschaftsförderung des Kreises ergänzt: „Schon jetzt sind 20 Prozent der offenen Stellen aus dem Bereich Industrie und Technik, der Fachkräftemangel ist ein zentrales Problem der Wirtschaft. Hier entsteht ein virtueller Arbeitsmarkt mit einem Netzwerk.“ Über die digitale Plattform sollen nun Schüler und Studierende nicht nur des BNT mit der Fachschule für Technik und dem Technischen Gymnasium, sondern auch anderer Schulen sowie Firmen qualitativ hochwertige technische Projekte austauschen und ausarbeiten. Dabei gehe es um Praxisnähe und die Stärkung des regionalen und auch grenzüberschreitenden Wirtschaftsstandortes.

André Benoit (31) wird sein Projekt zwar nicht als Start-Up weiterführen, aber auch der frisch gebackene Techniker hat eine Idee entwickelt, das wegweisend für die Elektro­branche sein könnte. Wo Zeit Geld ist, muss sie effizient und effektiv eingesetzt werden: wie bei seinem Projekt Fernmelde-Kurzschlussanzeiger.

Weil bei einem Stromausfall oder Kurzschluss die Stromversorger ihre Mitarbeiter oft kilometerweit fahren lassen müssen, um Verteilerkästen zu kontrollieren, hat der Elektroniker mittels Einplatinencomputer und moderner Technologie ein Meldesystem entwickelt, wonach bei Fehlern die Ursache und der Ort des Fehlers besser ermittelt werden können. „Das spart nicht nur Zeit und viele Fahrten, sondern mindert auch Regressansprüche von betroffenen  Betrieben oder Strafzahlungen an die Bundesnetzagentur“, sagt der Trierer. Die Firma  Westnetz prüft nun, wie man das Projekt flächendeckend einsetzen kann.

 André Benoit hat einen Fernmelde-Kurzschlussanzeiger entwickelt, der nun auf seine Serientüchtigkeit von der Firma Westnetz geprüft wird. Foto: David Dimmig
André Benoit hat einen Fernmelde-Kurzschlussanzeiger entwickelt, der nun auf seine Serientüchtigkeit von der Firma Westnetz geprüft wird. Foto: David Dimmig Foto: David Dimmig

Für Landrat Günther Schartz ist klar: „Weil wir viele ausgebildete Techniker haben, die in Luxemburg oder Belgien arbeiten, bieten wir den EduHub auch grenzüberschreitend an.“ Man verstehe sich nicht als Insel, sondern als eine Wirtschaft und ein Arbeitsmarkt, der nicht an Grenzen Halt macht. „Wir laden ausdrücklich alle Betriebe ein, über das EduHub Projekte für junge Leute einzustellen oder Projekte von diesen abzurufen.“