Die jüngste Bürgermeisterin des Eifelkreises kommt aus Nasingen

Lokalpolitik : Weiblich, teamfähig - Jüngste Bürgermeisterin des Eifelkreises kommt aus Nasingen

Generationenwechsel in Nasingen geglückt: Hanna Weires (27 Jahre) ist die jüngste urgewählte Bürgermeisterin im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Alle Generationen an einem Tisch – das ist auch zukünftig ihre Prämisse.

Landflucht, Perspektivlosigkeit,  Überalterung  - diese Schlagwörter mögen für einige Dörfer in der Eifel gelten, für Nasingen gelten sie definitiv nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Mit Hanna Weires (27 Jahre) leitet künftig eine junge Frau die Geschicke der kleinen 40-Einwohner-Gemeinde.

Und damit sitzt zum ersten Mal eine Frau im Gemeinderat von Nasingen (und es gibt sogar noch eine zweite, 24-Jährige, die mitmacht). Gleichzeitig ist sie auch die jüngste urgewählte  Bürgermeisterin im ganzen Eifelkreis Bitburg-Prüm. Und auch bei den nachträglich gewählten Oberhäuptern dürfte kaum jemand jünger sein als sie.

Doch wie kommt die Studentin der Humangeografie (Globalisierung, Medien und Kultur), die gerade an ihrer Masterarbeit schreibt, auf die Idee, als Bürgermeisterin zu kandidieren? Dazu haben wir sie im beschaulichen Nasingen auf dem Ferienhof ihrer Eltern besucht.

„Das ist sozusagen alles im freien Fall passiert“, sagt die 27-Jährige und lacht. Neben ihrem Studium arbeitet sie noch 20 Stunden in der Woche in der Kreisverwaltung in Bitburg und hat dort hauptsächlich mit dem Dorfcheck zu tun. Als auch Nasingen „gecheckt“ wurde, war sie mit Begeisterung dabei. „Unser damaliger Bürgermeister, Wolfgang Heyen, hat die Tür aufgemacht für junge Leute.“ Hanna Weires ist daraufhin im Dorf rundgegangen, weil sie gerne aus jeder Familie beim Dorfcheck einen dabeihaben wollte. „Und da die Älteren oft nicht die Zeit haben, schickten viele ihre Kinder“, sagt sie. Das habe dazu geführt, dass beim Dorfcheck aus allen Generationen Bürger mitgemacht haben.

Von den 40 Einwohnern waren so 13 mit dabei. 33 Vorschläge und Ideen  wurden notiert, eins der großen  Vorhaben wurde bereits umgesetzt: Nasingen hat jetzt einen Dorfplatz. Dafür wurde die Brachfläche gegenüber der Kapelle genutzt. „Die große Herausforderung war, den Dorfplatz ohne Kosten für den Haushalt zu realisieren“, sagt Hanna Weires. Dank einer Spende und mit viel Eigenleistung ist das auch gelungen. Dort gibt es jetzt Tisch und Bänke, zwei Bienenhotels  und viele Obststräucher und -bäume. „Wir haben Halbstämme genommen, damit auch die Kinder an die Früchte kommen.“ Die Fläche ist vielfältig nutzbar.

Am „Tag der Nachbarschaft“  -  eine deutschlandweite Initiative, bei der auch Nasingen mit dabei war – wurde der Dorfplatz eingeweiht. Der Tag fiel auf den Kirmessamstag.  „Früher wurde bei uns die Kirmes richtig groß gefeiert. In den vergangenen Jahren ist das aber eingeschlafen“, sagt Hanna Weires. Umso mehr hat sie sich gefreut, dass zur Einweihung 50 Leute kamen.

Auch beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im vergangenen Jahr hat Nasingen mitgemacht. Dort hat die Gemeinde auf Kreisebene den dritten Platz erreicht. Auch so ein Projekt, bei dem alle Einwohner an einem Strang gezogen haben. „Es gibt hier nur 14 Häuser  - da kann man nichts verstecken, wenn die Jury rumgeht“, sagt Hanna Weires.

Informationen gibt es im Dorf per Zettel. „Das klappt gut“, sagt sie. Früher hätten die Männer von der Freiwilligen Feuerwehr den Maibaum aufgestellt und mit den Kindern gegrillt. Die Frauen waren nie dabei. Jetzt sind die Kinder, wie Hanna Weires, groß und fanden es komisch, dass die Frauen beim Maibaumaufstellen außen vor waren. Seit der Zettel-Post sind nun alle dabei.

„In Nasingen passiert nichts, wenn man es nicht selbst macht. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass es ein anderer macht.“ Insofern fühlt sich jeder angesprochen. Wenn sie also eine Botschaft rumschickt, dass sie jemanden braucht, um zum Beispiel einen Birnbaum auf dem Dorfplatz zu pflanzen, dann kommen auch zehn Helfer.

Die Arbeit mit dem Dorfcheck-Team hat Hanna Weires viel Spaß gemacht.  Noch immer trifft sich die Gruppe jeden zweiten Freitag in der Alten Schule. Niemals hätte sie gegen den Amtsinhaber  Wolfgang Heyen kandidiert, sagt sie. Aber als dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl antreten wollte, sah die Sache anders aus. „Ich habe mich bewusst zur Urwahl gestellt, weil ich wissen wollte, ob die Bürger hinter mir stehen.“ Mit 70,4 Prozent  Zustimmung kann sie beruhigt ihr Amt antreten.

Vater Helmut Weires findet es toll, dass die Jugend sich so einbringt. „Beim Dorfcheck haben die sich sehr intensiv mit allem beschäftigt“, sagt er. „Wir haben das Glück, dass die Älteren nicht auf ihren Stühlen sitzen bleiben, sondern offen sind für Neues und wir so viel mehr generationenübergreifend zusammenarbeiten können“, sagt Hanna Weires.

Froh ist sie dennoch, dass sowohl ihr Vorgänger als auch ihr Vater mit im Gemeinderat sitzen. „Wir wollen sie noch eine Periode begleiten, dann ist der Generationenwechsel gemacht“, sagt Helmut Weires. Doch jetzt wo die 27-Jährige in Mainz Stadtluft geschnuppert hat – ist da Nasingen überhaupt eine Option für die Zukunft? „Seit ich in Mainz mit einer einen Quadratmeter großen Terrasse klarkommen musste, habe ich Nasingen vermisst. Man muss den Kontrast erst kennenlernen, um das schätzen zu können, was man hat.“

Hanna Weires ist die jüngste urgewählte Bürgermeisterin im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Auf unserem Bild ist sie auf dem neuen Dorfplatz zusammen mit ihrer Hündin Elly zu sehen. Foto: TV/Stefanie Glandien

Und das scheinen auch andere Nasinger so zu sehen. So haben beide landwirtschaftlichen Betriebe ihre Nachfolge geregelt. Jahrelang gab es keine Babys mehr im Dorf, der Kita- und Schulbus fuhr nicht mehr. „Dann kamen innerhalb von fünf Jahren sechs Kinder zur Welt“, sagt die neue Bürgermeisterin. Aber auch für die älteren Menschen ist gesorgt. Denn in Nasingen wohnen in fast allen Häusern zwei oder drei Generationen unter einem Dach. Und auch ihr Amt will sie nicht im Alleingang machen. Sie sieht sich mehr als Moderatorin und Koordinatorin, die Jung und Alt an einen Tisch bringt.  

Mehr von Volksfreund