Schule: Ein Abend mit König Ubu

Schule : Ein Abend mit König Ubu

Seit 37 Jahren leitet Christine Conradt die Theater AG des St.-Josef-Gymnasiums Biesdorf. Zum Abschluss ihrer Tätigkeit wird es noch mal so richtig royal. Die Schüler präsentieren zwei Stücke, darunter auch eine Uraufführung mit überraschendem Ende.

Wenige Tage vor der Premiere herrscht in der kleinen Turnhalle des Biesdorfer Gymnasiums das gewohnte Chaos. Irgendjemand fehlt immer. Das hat Tradition. „Ich habe bei den Proben eigentlich noch nie alle zusammen gehabt“, sagt Christine Conradt grinsend. „Aber wenn wir bei der Generalprobe vollzählig sind, bin ich zufrieden.“

Wobei das vollzählige Erscheinen der Darsteller noch lange nichts über den Erfolg einer Generalprobe aussagt – was auch gut ist. Denn es ist allgemein bekannt, dass eine Generalprobe pannenreich sein muss, damit die Premiere perfekt wird.

Für Conradt, die am St.-Josef-Gymnasium Biesdorf Englisch und Geschichte unterrichtet, ist die Premiere am kommenden Freitag eine ganze besondere. Und das nicht nur, weil es für sie nach 37 Jahren die letzte Aufführung der von ihr 1982 gegründeten Theater-AG sein wird.

Die gut 20 Schüler der Jahrgangstufen neun bis 13 führen zwei Stücke auf. Und eines davon, nämlich „Prinzessin Turandot“, ist eine absolute Premiere. Doch dazu später mehr. Kommen wir zunächst zu „König Ubu“, dem ersten Stück des Abends.

„Den Ubu hatte ich schon lange im Kopf“, sagt Conradt. Das von Alfred Jarry geschriebene Drama, das bei seiner Uraufführung 1896 im Pariser Théâtre de L‘Œuvre einen Eklat auslöste, wurde von Dadaisten gefeiert, war seiner Zeit aber einfach ein Stück weit voraus.

Die Hauptfigur der Handlung ist der machtbesessene Ubu, der sein Volk tyrannisiert und an Feigheit kaum zu übertreffen ist. „Das Thema hat an Aktualität nichts verloren, weil es solche irrsinnigen Politiker und Herrscherfiguren ja auch heute noch überall auf der Welt gibt“, erklärt die Leiterin der Theatergruppe.

Weil König Ubu eine groteske Tragödie mit überwiegend männlichen Protagonisten sei, habe sie noch ein zweites Stück gesucht, das dazu passt, so Conradt. „Ich war auf der Suche nach einem bösen Märchen“, sagt die Regisseurin. Und dabei sei sie dann auf Prinzessin Turandot gestoßen.

Das Märchen über die Prinzessin stammt aus der orientalischen Geschichtensammlung „Tausend und ein Tag“ und gelangte durch Puccinis gleichnamige Oper zu weltweiter Bekanntheit. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Prinzessin will nur denjenigen heiraten, der es schafft, ihre drei Rätsel zu lösen. Gelingt es dem Bewerber nicht, wird er geköpft. Es rollen einige Köpfe, bis schließlich der Richtige kommt.

Es gibt zahlreiche Interpretationen des Märchens, doch bei der Suche nach dem geeigneten Stück ist Conradt nicht fündig geworden. Was vor allem am glücklichen Ende des Märchens lag. „Ich wollte kein schönes, sondern ein brutal-heiteres Ende haben“, sagt die Lehrerin. Und da ihre Recherche erfolglos blieb, hat sie schließlich ihren Kollegen Tobias Hewer darum gebeten, ein eigenes Stück über Prinzessin Turandot zu schreiben.

Der Deutsch- und Griechischlehrer habe schon mehrfach kleinere Werke aus der Antike umgeschrieben, die dann bei der Hauskirmes aufgeführt worden seien, erklärt Conradt.

Hewer hat sich der Prinzessin also angenommen und selbst ein Stück geschrieben. Entstanden sind drei Fassungen. Und die dritte war schließlich die, die sowohl die Leiterin der AG als auch die Schüler überzeugt hat. „Wir waren alle begeistert“, sagt Conradt, die nun hofft, dass ihr Kollege das Werk auch bei einem Verlag einreichen wird. Das Stück sei schnell, romantisch, witzig und  in moderner Sprache erzählt. Und es habe vor allem das, worum es ihr gegangen sei: ein völlig neues Ende. Was den Zuschauer bei diesem Ende erwartet, will Conradt natürlich nicht verraten. Nur so viel: „In unserem Stück kommen auch die abgeschnittenen Köpfe der Prinzen zu Wort.“

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