"Fridays for Future": Schüler protestieren in Bitburg

„Fridays for Future“: Nach Schülerprotesten in Trier und Daun, geht’s jetzt nach Bitburg : Kampf ums Klima: Protest erreicht Bitburg

Rund 150 Schüler haben in Bitburg für Klimaschutz demonstriert. Es war das erste Mal, das Jugendliche unter dem Motto „Fridays for Future“ in der Stadt auf die Straße gegangen sind. Doch es wird wohl nicht das letzte Mal bleiben.

Eine bunte Truppe zieht durch die Fußgängerzone. Von Weitem machen sich die Schüler bemerkbar. Trillerpfeifen schrillen durch die Straßen – und Protestrufe. Die Sprüche sind bekannt: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, „Wer Kohle verfeuert, der handelt bescheuert“, 1,2,3,4 – Klimwandel stoppen wir“. Nach Schülertrotesten in Trier und Daun sind sie in Bitburg aber zum ersten Mal zu hören.

Seit Monaten protestieren Jugendliche weltweit für mehr Klimaschutz. Vorbild, auch für die deutschen Schüler, ist die 16-jährige Schwedin Greta Thurnberg. Seit August des vergangenen Jahres bleibt die junge Aktivistin jeden Freitag der Schule fern, um zu streiken. Das Motto: „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft).

Maire Strawe (in Jeansjacke) hat die Proteste in Bitburg organisiert. Rund 150 Schüler sind ihrer Einladung gefolgt. Foto: TV/Christian Altmayer

Dieser Slogan bringt auch die Bitburger Teenager auf die Straße. Rund 150 Schülder des Sankt-Willibrord-Gymnasiums, der Otto-Hahn-Realschule und der Sankt-Matthias-Schule haben am Freitagmorgen in der Bierstadt demonstriert.

Fridays for Future Bitburg. Foto: TV/Christian Altmayer

Gegen 9.30 Uhr ist der Spittel voller junger Menschen. Der Alterschnitt liegt bei etwa 15 Jahren. Sie halten Schilder in Händen auf denen Parolen stehen wie „Es gibt keinen Planet B“ oder „Der Eisbär rennt, die Erde brennt und die Politik pennt“. „Ihr seid der absolute Wahnsinn“, ruft Marie Strawe ihnen zu.

Die Schülerin des Sankt-Willibrord-Gymnasiums hat diesen Protest organisiert. „Das läuft alles über WhatsApp und Mundpropaganda“, erklärt die 18-Jährige, die sich bei der „Fridays for Future“-Ortsgruppe in Bitburg engagiert. Dass sie und die anderen Jugendlichen für den Streik unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis riskieren, sei ihr egal, sagt sie: „Was bringt mir Bildung, wenn ich in 20 Jahren keine Luft mehr zum Atmen habe?“

Andreas Merzhäuser hat für die Einstellung seiner Schüler durchaus Verständnis und Sympathie, sagt der Schulleiter des Sankt-Willibrord-Gymnasiums: „Wer hat schon was gegen Klimaschutz?“ Grundsätzlich finde er es gut, dass die Jugendlichen sich für die Umwelt starkmachen: „Aber demonstrieren kann man auch außerhalb der Unterrichtszeit“. Deshalb müssten die Schüler damit rechnen, unentschuldigte Fehlstunden zu bekommen.

So sieht es auch Dieter Bläsius, der Mittelstufenleiter der Sankt-Matthias-Schule: „Die meisten der Schüler protestieren sicherlich aus Überzeugung.“ Ein geringer Prozentsatz, ist Bläsius sich sicher, sei aber nur dabei, um der Schule fernzubleiben. Letztlich sei es Sache der Schüler, ob sie unentschuldigten Fehlstunden in Kauf nehmen.

Merzhäuser und Bläsius halten sich im Hinblick auf die Proteste an die offizielle Position der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Die Landesbehörde beaufsichtigt alle Schulen und berät sie in solchen Fragen. Und zu den „Fridays for Future“ hat die ADD eine klare Haltung.

Auf TV-Anfrage schreibt eine Pressesprecherin: Das Anliegen der Schüler sei „absolut begrüßenswert“. Trotzdem könnten die Jugendlichen für eine Demonstration nicht beurlaubt werden. Denn die Schulordnung verlange dafür „wichtige Gründe“ – etwa Trauerfälle in der Familie, einen Arztbesuch oder religiöse Gründe. „Dies ist Landesrecht, das die Schulen grundsätzlich zu befolgen haben“, schreibt die Sprecherin der Behörde auf TV-Anfrage.

Strawe und ihre Mitstreiter lassen sich dadurch aber nicht schocken. Sie wollen wieder in Bitburg demonstrieren, spätestens am 24. Mai, sagt die 18-Jährige, gerne aber auch früher. Und in anderen Städten? Damit habe sie nichts zu tun, meint die Bitburgerin. Sie wünsche sich aber, dass auch in Prüm  und Wittlich Schüler auf die Straße gehen.