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„Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis“ Malberg

TV-Serie Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis : Das traurige Schicksal der Familie Nussbaum

In der TV-Serie „Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis“ erzählen wir die Geschichte der Grabstätte in Malberg. Es ist auch die Geschichte der Familie Nussbaum, die noch heute unter dem Trauma des Holocaust leidet.

Am Waldrand, außerhalb des Ortes, liegt der jüdische Friedhof Malberg. Um 1900 wurde er angelegt, bis 1937 gab es hier Bestattungen. Es sollen hier etwa 25 Menschen dort beerdigt worden sein. Die Forschungen von Toni Nemes, der zur Arbeitsgruppe „Aufarbeitung der Geschichte und Gedenken“ gehört, sind dazu aber noch nicht ganz abgeschlossen.

Zur jüdischen Gemeinde gehörten neben Malberg auch die Orte Oberkail und Kyllburg. Sie umfasste in den 30er Jahren etwa 50 Menschen. Ein Großteil davon  konnte fliehen. Zurück blieben Sarah und Hermann Nussbaum in Kyllburg sowie Herrmanns unverheiratete Geschwister Adelheid, Johanna und Simon Nussbaum in Malberg, die in der Malberger Schlossstraße 2 (heute Hausnummer 43) wohnten. Die Familien wurden deportiert und ermordet. 2017 hat man im Gedenken an sie Stolpersteine gesetzt (der TV berichtete). Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden ...“ wurden in Kyllburg nachweislich elf gebürtige oder länger am Ort lebende Juden Opfer der NS-Gewaltherrschaft, fast ausschließlich Angehörige der Familie Nussbaum. Aus Malberg seien  fünf jüdische Bewohner gewaltsam ums Leben gekommen.

Es gibt Kontakte zu Nachfahren der in Kyllburg und Malberg lebenden Juden, und zwar zur  Enkelin und zur Urenkelin von Hermann Nussbaum – Emily und Lisa Watson. Rebecka Nussbaum, die Tochter von Hermann, floh  1938 in die USA und starb 2001 in New York. Die Enkelin, Emily Watson, lebt in Rio Rancho/New Mexico. Ihre Tochter Lisa war 2017 bei der Verlegung der Stolpersteine für ihre Urgroßeltern in Kyllburg und verlas dort einen Brief ihrer Mutter. Darin stand, dass sie dankbar sei, dass ihre Familie in Erinnerung bleibe und etwas zum Abschluss gekommen sei. Sie sagte aber auch, dass die Familie nicht unbefangen über ihre Zeit in Deutschland sprechen könne.

Kein Wunder, denn die Vergangenheit auch sehr schwierig zu verarbieten. Friedhof mehrmals geschändet: in der Pogromnacht am 9. November 1938, in den Jahren 1942/1943 und 1944. Und der Versuch, das zu vertuschen, wurde einigen Männern sogar zum Verhängnis.  Das war Anfang September 1944, als die amerikanischen Truppen an der Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland standen und kurz vor dem Durchbruch in den Raum Bitburg waren. Nemes erläutert: „Da erinnerte man sich in der Kyllburger Amtsverwaltung an den geschändeten Friedhof und fürchtete deswegen Repressalien. Um diesen zu entgehen, stellte ein Arbeitstrupp aus neun Malberger Männern die umgestürzten Grabsteine wieder auf.“ Weiter erzählt er: „Die Besetzung durch die Amerikaner blieb aber aus, und die Aktion des Wiederaufstellens der Steine wurde an eine höhere Stelle gemeldet.“ Daraufhin seien acht der neun Männer von der Gestapo festgenommen und ins Sonderlager Hinzert gebracht worden. Nach drei Wochen kamen sie wieder frei. „In der Folge wurde der Friedhof in Malberg unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen ein weiteres Mal, und nun unumkehrbar, durch Zertrümmerung der Grabsteine zerstört.“

Überstanden haben diese Zerstörungen sechs Grabsteine. Drei davon von gehören zu Kindern, auch der von Karl Nussbaum, der am 26.12.1937 mit fünfeinhalb Jahren verstorben ist. Er war der Sohn des Kyllburger Viehändlers Julius Nussbaum und seiner Frau Gertrud Levy. Toni Nemes vermutet: „Die drei Kindergrabsteine sind der Zerstörung entgangen, weil sie schlicht zu klein und zu kompakt sind, um sie ohne weiteres zu zerschlagen.“

Woher kam der Hass? Die Juden hatten im Ort, weil sie häufig als Viehhändler arbeiteten, doch einen engen Kontakt zur christlichen Bevölkerung. Vereinzelt gab es auch Vereinszugehörigkeiten. So war Hermann Nussbaum Gründungsmitglied der Kyllburger Feuerwehr und Mitglied im Eifelverein. Doch Nemes bezweifelt, „dass die Juden aufgrund ihrer Religion wirklich voll in das lokale Leben eingebunden waren. Die Eifel und das Bitburger Land sind erzkatholisch. In meiner Kindheit in Kyllburg in den 60er Jahren wurden selbst Protestanten noch stigmatisiert.“

Informationen zum Stolpersteinprojekt in Malberg gibt es auf der Seite  www.5524.de/

In einem ein Beitrag im Kreisjahrbuch 2017 hat Inge Solchenbach die Erinnerungen ihres Vaters, Hubert Weinand, der sich im Arbeitskreis „Aufarbeitung der Geschichte und Gedenken“ engagierte, aufgeschrieben.

 Einer der Kindergrabsteine auf dem jüdischen Friedhof Malberg.
Einer der Kindergrabsteine auf dem jüdischen Friedhof Malberg. Foto: Christina Bents

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der TV-Serie „Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis“. Alle bisher erschienenen Teile findet man unter
www.volksfreund.de/juedischefriedhöfe