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Wovon Osterhasen träumen

GEROLSTEIN. "Eierbecher – Wovon Osterhasen träumen" heißt die aktuelle Sonderausstellung im Naturkundemuseum. Dahinter steht die passionierte Sammlerin Marita Thelen. Mehr als 300 ausgewählte Exponate ihrer insgesamt 3400 Stücke umfassenden Sammlung hat sie ins Museum gebracht. ARRAY(0x11270388)

"Gucken Sie hier, darauf ist die blaue Grotte von Capri, oder hier auf dem ist das grüne Ungeheuer von Loch Ness", beginnt Marita Thelen munter - mit Blick auf "ihre Länderausstellung" - zu erzählen. Die Begeisterung der Sammlerin, die seit mehr als 30 Jahren ihrer Leidenschaft nachgeht, zieht Gäste rasch in den Bann. Zu fast jedem Exponat kann sie lustige, sinnliche und auch nachdenkliche Geschichten erzählen. Morgen wird die Gerolsteinerin von 14 Uhr bis 16 Uhr sowie "hin und wieder" an anderen Tagen im Museum sein, um die Geschichten einzelner Exponate zu erzählen. Da sind Spannung und etliche Aha-Erlebnisse garantiert. "Das hier fällt in die Zeit, als es noch keine Salzstreuer gab", meint sie augenzwinkernd mit Fingerzeig auf zwei Teller. Auf runden Porzellanplatten stehen jeweils fünf Eierbecher und in der Mitte eine winzige Schale. Mit einer Handbewegung zeigt die 62-Jährige wie früher das Salz mit zwei Fingerspitzen entnommen und aufs Ei gestreut wurde. Für die Kinder hat sie eine ganz besondere Vitrine hergerichtet. Darin stehen auch so lustige Sachen wie Eierbecher als Autos oder Comic-Figuren oder Eierbecher auf Schuhen. Eine Serie stellt Eierbecher als Tiere dar. Die Tiermäuler sind so präpariert, dass der Eierlöffel darin Platz findet. Eierbecher aus Holz, Metall, Porzellan, Glas oder Pappe - alles ist zu sehen. Bei einigen Porzellanbechern glänzen Thelens Augen besonders. Sie zeigt auf einen mit grüner Borde und sagt: "Den hat meine Mutter ihrer Freundin 1936 als Sechser-Set zur Verlobung geschenkt. Die restlichen zwei hat die Freundin mir vor 20 Jahren für meine Sammlung geschenkt." Auch Lokalgeschichtliches verbirgt sich in Thelens Sammlung. Ihre Leidenschaft hat sich herum gesprochen, und viele Einheimische schenken und vererben ihr sogar besondere Stücke. Sie erklärt: "Eine Ur-Gerolsteinerin hat den Eierbecher noch heil unter den Kriegstrümmern ihres Elternhaus gefunden. Sie wollte ihn gut aufgehoben wissen und hat ihn mir gegeben. Das ist für mich eine besondere Ehre." Auch Leute, die sie kaum kenne, würden ihr Eierbecher aus dem Urlaub mitbringen. So ist eine stattliche Ländersammlung zusammen gekommen. Eierbecher aus schwarzem Holz mit afrikanischen Motiven geschnitzt stehen neben einem Keramik-Vogel aus Afghanistan. Thelen meint gut gelaunt: "Aus familiären Gründen können wir nicht in andere Länder reisen, und so kommen sie eben zu uns." Dabei hat ihre Leidenschaft in einem Nachbarland begonnen. Vor 35 Jahren machte sie mit Ehemann Hubert und den drei Kindern Urlaub in Holland. "Es war Ostern, und ein Blumenladen hatte alles mit bepflanzten Eierbechern dekoriert. Da habe ich mir die ersten fünf gekauft", erinnert sie sich. Ihre Leidenschaft wird von der Familie unterstützt. Ein Sohn suchte tagelang in New York nach einem Eierbecher. "Die Amis essen ja nur Rührei. Da gibt es kaum Eierbecher", sagt sie lachend. Wie eine Trophäe hält der Sohn den Eierbecher vor dem Kaufhaus in die Höhe und lässt sich vor der Wolkenkratzer-Skyline fotografieren. Das Bild steht in der Ausstellung hinter dem besonderen Exponat. Ihre Tochter brachte vom Schulausflug vom Londoner Flohmarkt den "Patres-Eierbecher" mit, dessen Bild das Ausstellungsposter ziert. "Jeder der sechs Patres zeigt ein anderes Gesicht. Da weiß man schon am Frühstückstisch, welche Laune der Ei-Esser hat. Je nachdem wo er zugreift", verrät Thelen. "Bei uns im Haus stehen in jeder Ecke Eierbecher", sagt Ehemann Hubert schmunzelnd. Im Flur wurden bis unter die Decke eigens spezielle Vitrinenschränke eingebaut. Die gigantische Sammlung hat bei einem Besuch auch Museumsmitarbeiterin Margret Hennig gesehen. Sie hat Marita Thelen daraufhin zur "ersten großen Ausstellung" inspiriert. Die Eierbecher-Sonderausstellung ist bis zum 10. April im Naturkundemuseum zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 14 Uhr bis 17 Uhr, samstags, sonntags, feiertags von 11 Uhr bis 17 Uhr.