Bahn frei für Roller und Renner

Abertausende Radfahrer, Inline-Skater und Spaziergänger haben ihn schon längst erkundet und in Beschlag genommen, doch erst jetzt haben Freizeitsportler auch hochoffiziell auf seiner gesamten Länge von 48 Kilometern freie Fahrt.

Mit einer zentralen Feier in Hentern wurde am Samstag der Ruwer-Hochwald-Radweg zwischen Hermeskeil und Trier eröffnet.

Einen so großen Bahnhof und so viel Betrieb hat es auf der früheren Schienenstrecke zwischen Hermeskeil und Trier wohl letztmals 1889 gegeben, als die Hochwaldbahn zu ihrer "Jungfernfahrt" losdampfte.

Bunte "Pedalritter-Pulks", die in Sternfahrten zur zentralen Eröffnungsfeier in Hentern strampelten und dort von einem Großaufgebot an politischer Prominenz erwartet wurden und später in Mertesdorf ein Starterfeld mit mehr als 750 Läufern - diese und noch etliche andere Aktivitäten in vielen Orten entlang der Strecke haben am Samstag die offizielle Einweihung des Ruwer-Hochwald-Radwegs (RHR) geprägt.

Zur Freude aller, die sich in den Sattel schwangen und zu einer Tour aufmachten, spielte auch das Wetter gut mit. Einziger Schönheitsfehler blieb ein kleiner Schauer, der in Hentern just in dem Moment niederging, als zur Mittagszeit auch das letzte Grußwort gehalten, das obligatorische Band durchschnitten und der Mainzer Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) auf einem nostalgischen Hochrad sitzend das offizielle Signal für die freie Fahrt auf dem neuen Radweg gegeben hatte.

Nach langer planerischer Vorlaufzeit und vor allem schwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn wegen des Verkaufs der Ende der 1990er-Jahre stillgelegten Strecke hatten 2005 die Bauarbeiten für den RHR begonnen. Seitdem wurde die frühere Trasse der Hochwaldbahn in einen familienfreundlichen Fernradweg mit durchschnittlich nur einem Prozent Steigung vom Moseltal hinauf in den Hochwald umgewandelt.

10,5 Millionen Euro hat das Vorhaben gekostet, wobei das Land Rheinland-Pfalz einen Zuschuss von 80 Prozent gewährte.

Teuerstes kommunales Radwegeprojekt im Land



"Damit ist er das längste und teuerste kommunale Radwegeprojekt, das bisher in Rheinland-Pfalz gebaut wurde", betonte Hering in Hentern, wo es bereits im Herbst 2008 zum Lückenschluss der Bauarbeiten aus beiden Richtungen gekommen war. "Das war aber gut angelegtes Geld. Er ist einer der attraktivsten Radwege im Land. Er wird sehr stark angenommen und die Teilabschnitte, die wir bereits freigegeben haben, erfreuen sich sehr großer Beliebtheit", so der Minister weiter.

Das sieht Günther Schartz (CDU) genauso. "Immer wenn ein neues Stück fertig war, haben es die Leute, sobald der Teer kalt geworden war, sofort in Beschlag genommen", so die Beobachtung des Landrats. Er sei deshalb fest davon überzeugt, "dass der Radweg sowohl die Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung als auch den Tourismus in der Region deutlich stärken wird".

Der Kreis Trier-Saarburg zählt neben den Städten Trier und Hermeskeil, den Verbandsgemeinden Kell am See und Ruwer sowie der Ortsgemeinde Reinsfeld zur Ausbaugemeinschaft des Radwegs. Am offiziellen Eröffnungstag gab es auch von den Freizeitsportlern fast ausschließlich Lob zu hören. "Es ist eine wunderschöne Strecke, die auch von Familien mit Kindern locker zu bewältigen ist", sagt Edgar Meyer (Kell) über den RHR. Werner Graus aus Hermeskeil ist ihn schon mehrmals komplett bis nach Trier gefahren und meint: "Der Radweg gefällt mir super, und er ist landschaftlich einmalig."

Gestartet wurde der Einweihungsreigen in den Orten entlang der Strecke am Samstagmorgen in Hermeskeil. Dort wurden gerade noch punktgenau die Arbeiten an der Brücke über die B 52 abgeschlossen. Nach deren Verbreiterung können Radfahrer nun problemlos zum Einstiegspunkt am Bahnhof der Hochwaldstadt gelangen.

Am Nachmittag gehörte der Radweg im unteren Ruwertal den Leichtathleten. In Mertesdorf starteten mehr als 750 Teilnehmer bei den fünf Rennen des Ruwer-Riesling-Laufs. Den Hauptlauf über zehn Kilometer von Mertesdorf nach Waldrach und zurück gewann bei den Männern Carlo Schuff in der neuen Strecken-Rekordzeit von 30,43 Minuten. Bei den Frauen siegte Tina Wessely in 39,08 Minuten. Der Polizei wurden am Eröffnungstag des RHR keine Unfälle gemeldet.